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Bilder des praktizierten Umdenkens

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Zwischen dem prächtig blühenden Ginster siedeln sich Buchen und Eichen an. FOTO: SALTENBERGER © Red

Usingen (fms). »Wald in extremem Wandel - Blickwinkel und Einblicke in die heimischen Wälder«, so lautete das Thema der geführten Fahrradtour mit Förster Karl Matthias Groß durch den Usinger Stadtwald.

Die erste geführte Fahrradtour im Oktober vergangenen Jahres stieß auf großes Interesse, eine große Kolonne radelte mit oder ohne Akku durch den Wald und hörte sich an zahlreichen Stationen an, was der Experte zu sagen hatte.

Damals saß den Bürgern der Schock über den aktuellen Anblick des Waldes noch tiefer in den Knochen. Diesmal war es nur eine Minigruppe, die sich dem Revierförster anschloss.

Aber die Nöte des Waldes sollte die Gesellschaft nicht aus den Augen verlieren, der nächste Trockensommer mit all seinen Folgen könnte schon vor der Tür stehen, und die Probleme, die im Wald zutage treten, haben globale Hintergründe. Das Schreckenswort lautet »Klimawandel«, dem es, sofern es noch nicht zu spät ist, mit Umdenken auf vielen Ebenen zu begegnen gilt. Eine gewaltige Aufgabe, vor der die Menschen stehen, und vor einer solchen stehen auch die Förster, die sich auf lokaler Ebene gegen das Verschwinden des Waldes stemmen. Denn der ist weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor für kommunale und private Waldbesitzer.

Mehr als nur ein Wirtschaftsfaktor

Stichwort Erholungsfaktor. Wer die Strecke, die sich Groß für seine Führung ausgedacht hatte, nachträglich auf eigene Faust abfährt oder abwandert, der könnte sich gerade dieses Faktors bewusst werden. Denn allen Hiobsbotschaften rund um den Wald zum Trotz, hat er seine Faszination noch lange nicht verloren.

Treffpunkt war der Parkplatz an den Eschbacher Klippen. Von dort aus führen gut ausgebaute Wege Richtung Brandoberndorf beziehungsweise durch die Waldgemarkungen Usingen-Eschbach, Michelbach und den Oberwald. Das zum Teil geradlinige Wegenetz verdanken die Usinger noch den Amerikanern, die sie als Entschädigung für Manöverschäden einst ausbauten, weiß der Förster.

Wer Waldexkursionen in den vergangenen zwei Jahren mitgemacht hat, der stand meist vor abgängigen Bestandsflächen, teils geräumt, teils noch von Astholz oder Baumtrümmern bedeckt. Diesmal war es etwas anders.

Groß machte zwar an vielen Stationen halt, wo die Schäden noch sichtbar waren, aber viele Flächen zeigten vor allem positive Bilder des schon praktizierten Umdenkens in der Beförsterung. Stand ein vermeintliches Wirtschaftsdenken einst im Vordergrund, so setzt man jetzt auf Nachhaltigkeit, was auch ökonomisch von Vorteil ist. »Wenn man alle Kosten einrechnet, dann ist die gezielte Ernte von Bäumen im Endeffekt sogar wirtschaftlicher«, rechnet er vor. Gezielte Ernte heißt, dass nur die wirklich erntereifen und gewinnbringenden Bäume entnommen werden. Damit diese gedeihen, müssen allerdings einige Kriterien bedacht werden. Einmal ist es natürlich die Baumart, die am jeweiligen Standort wachsen soll. Und das in einem Mischwald der auch das unterschiedliche Wachstum und die Vergesellschaftung mit einschließt. Ideal ist seiner Auffassung nach eine abgestufte Aufforstung, die einen Vorwald einschließt, der auch das unterschiedliche Lichtbedürfniss der Pflanzen berücksichtigt. Die einen Bäume können dann im Schutz der anderen aufwachsen.

Das war sehr schön an einem Standort zu sehen, wo der Ginster gerade in seiner Blüte stand, und das Gelb mit dem Grün der Laubbäume ein malerisches Bild abgab. »Der Ginster stört nicht«, sagt Groß und weist auf die zahlreichen Nachrücker hin, so Eichen und Buchen, die sich zwischen den gelben Sträuchern von selbst angesiedelt hatten. Dahinter eine Staffel halbhoher Laubbäume und dahinter eine Wand aus Nadelbäumen, zumeist Douglasien. Auf einen blauen Himmel musste das Gelb-Grün allerdings an dem Ausflugstag verzichten, es regnete sogar, aber es gab eine Schutzhütte, unter deren Dach sich viel erklären ließ. Das sich über den Wegen fast vollständig schließende Blätterdach hielt außerdem viel Regen ab. »Waldbaden« ist der moderne Ausdruck dafür, für das der Usinger Oberwald ein empfehlenswertes »Badezimmer« ist.

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