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Seit zwei Jahren ist die Hofanlage aus Breitenbach geöffnet.

Hessenpark

Bitte alles anfassen. . .

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Für die am Wochenende zu Ende gehenden Ferien hatte der Hessenpark ein ganz besonderes Programm für den Nachwuchs auf die Beine gestellt. Dies wurde jetzt mit der Kinderwoche beendet. Es gibt für Familien mit Kindern abseits der Wege aber auch jetzt noch einiges zu entdecken.

Normalerweise darf man in einem Museum ja nur staunend durch die Gänge gehen, Dinge in Vitrinen betrachten und sich den ausgestellten Gegenständen allenfalls vorsichtig nähern – sonst geht der Alarm los. Im Hessenpark gibt es ein paar Gebäude, da ist das ganz anders. Darin gibt es keine Absperrbänder, und wer möchte, darf dort alles anfassen und ausprobieren. Das ist beispielsweise in der Hofanlage aus Breitenbach der Fall, und das ist vor allem für alle Kinder spannend. Ganz abgesehen davon, dass sich in dem Nebengebäude auch ein Hühnergehege befindet, das einen Besuch lohnt.

„Kinder sind hier an einem lebendigen Ort“, sagt denn auch Museumspädagoge Torsten Halsey. Er findet sowieso, dass das Freilichtmuseum beispielsweise dank der vielen Mitmachaktionen, des schönen großen Spielplatzes, der aus dem Jahre 1910 stammenden Schule aus Frickhofen, die auch von Klassen gebucht werden kann, und der Schauspielführungen für jedes Alter interessant ist – auch schon für die ganz Kleinen.

Ganz besonders spannend ist für Mädchen und Jungen aber die Hofanlage aus Breitenbach, findet Halsey. Kinder könnten dort Sachen aus vergangenen Jahrhunderten anfassen, sich an den alten Küchentisch setzen, in den mit historischem und zum Teil sogar original erhaltenem Geschirr bestückten Küchenschrank gucken und in einem historischen Bett liegen und sich in die rot-weiß karierte Wäsche kuscheln. Nur der Bezug des Sofas ist schon ziemlich zerschlissen, da sollte man sich also besser nicht draufsetzen. Auch das winzig kleine Zimmer, das einst die Magd Anni bewohnt hat, ist zugänglich: Es besteht nur aus einem Bett, einem Nachttisch und einer Kommode.

Die Hofanlage wird aus einer im Jahr 1696 errichteten Scheune, die später kurzzeitig als Schmiede diente, sowie einem Wirtschaftsgebäude aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts gebildet. Um 1900 wurde das aus drei Etagen bestehende Hofgebäude zu Wohnzwecken umgebaut.

Dem Museumsbesucher präsentiert sich das Anwesen, wie es in der Nachkriegszeit der 50er Jahre ausgesehen hat, als dort auf knapp 50 Quadratmetern Wohnfläche vier Mietparteien mit insgesamt elf Personen unter einem Dach lebten. „Da hatten wir die beste Dokumentationslage“, erklärt Carsten Sobik, Gruppenleiter der Abteilung Sammlung/Dokumentation, und berichtet, dass er sich bei der Ausstattung auf die Aussagen von Zeitzeugen und Fotomaterial verlassen hat. „Dies war ein Mietshaus auf dem Land, und das hat es vorher eigentlich kaum gegeben“, weiß Sobik und berichtet, dass dort einst Flüchtlinge gewohnt haben.

Drei bis vier Personen haben sich seinerzeit ein Zimmer geteilt. Sie haben darin nicht nur gewohnt und geschlafen, sondern auch gekocht und gegessen, weshalb sich auf jeder Etage ein Herd befindet. Zwei sind übrigens aus dem ursprünglichen Bestand stammende Originale. Einen Wasseranschluss gab es im Hausflur. Von dort mussten sich die Bewohner das Wasser in ihre Zimmer holen – zum Kochen und zum Waschen in der Sitzbadewanne. Die Toilette befand sich allerdings in einem Anbau.

Übrigens ist nur im zweiten Stock ein kleiner Bereich in der erst vor zwei Jahren eröffneten Hofanlage aus Breitenbach abgesperrt. Sobik: „Die Objekte dort müssen geschützt werden.“

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