Papierkrieg mit dem Jobcenter erschwert Integration

Wo bleibt das Geld für anerkannte Flüchtlinge?

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Anerkannte Flüchtlinge haben zwar eine Aufenthaltserlaubnis, aber der Übergang vom Sozialamt zum Jobcenter erschwert die Integration. Selbst für Mitglieder vom Freundeskreis Asyl Schmitten ist die Bürokratie die höchste Hürde.

Nach seiner Flucht aus Syrien war Norhan Ali 20 Monate in verschiedenen Unterkünften in Hessen untergebracht. Von Kassel kam der damals noch Minderjährige in die Erbismühle, als Volljähriger dann nach Seelenberg und ins Haus Freund. Inzwischen ist der 20-Jährige anerkannt und lebt mit seiner Schwester und deren Mann in einer eigenen Wohnung in Schmitten. Doch jetzt hat der Vermieter Alis Betreuer vom Freundeskreis Asyl Schmitten angerufen und mitgeteilt: „Es kommt kein Geld.“

Wieder muss der ehrenamtliche Betreuer Gerd Berger Überzeugungsarbeit leisten und ein gutes Wort für seinen Schützling einlegen. „Die Miete müsste direkt vom Jobcenter überwiesen werden“, so Berger. Es gebe immer wieder neue Fälle, dass bei anerkannten Flüchtlingen der Übergang vom Sozialamt zum Jobcenter nicht funktioniere. Auch Ali, der in Syrien Geologie studiert hat, bekommt seit seiner Anerkennung keine Zuwendungen. Er hat Glück, dass in den Osterferien der Integrationskurs in Oberursel nicht stattfindet. Die 70 Euro teure Monatsfahrkarte könnte er gar nicht bezahlen, denn Ende Februar hat er zum letzten Mal Geld vom Sozialamt bekommen.

Das Fahrgeld, das erst nach drei Monaten erstattet wird, wenn geprüft ist, ob er auch regelmäßig den Integrationskurs besucht hat, braucht Ali jetzt erst einmal um Essen zu kaufen, damit er nicht länger von seiner Schwester durchgefüttert werden muss. „Jetzt beginnt das Warten, wie schnell der Anfang März eingereichte Antrag bearbeitet wird“, so Berger.

Bis zu acht Wochen könne das dauern, die Unterlagen seien da, aber der zuständige Fallmanager sei derzeit in Urlaub, hat er erfahren. „Obwohl alle Unterlagen im Sozialamt vorhanden waren, müssen alle im Jobcenter noch einmal vorgelegt werden, ein Papierkrieg ohne Ende“, so Berger. Er kann nicht nachvollziehen, dass die Bezüge nicht einfach erst mal weiterlaufen können und die beiden Behörden untereinander abrechnen.

Die gleichen Probleme hat Amani Etmeh. Die 29-jährige Syrerin und ihre sechsjährige Tochter Alma leben im gleichen Haus wie Ali und teilen sich die Wohnung mit ihrer Schwester und deren Mann und deren zwei Kindern. Auch in diesem Fall arbeite das Jobcenter zu langsam, das betreffe auch die Anmeldung zur Krankenversicherung.

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