Arbeitskreis kümmert sich um Dorfgeschichte

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Die Heimat- und Brauchtumsgruppe Hunoldstal arbeitet unter anderem akribisch die Dorfgeschichte auf. Mit den alten Hausnamen hatten sich die Mitglieder bereits beschäftigt. Zu Haus-Steckbriefen erweitert, wurden im vergangenen Jahr für 23 Häuser und das ehemalige Rathaus alle gesammelten Informationen dokumentiert.

Die alten Häuser sind ein Stück Hunseler Dorfgeschichte. Doch durch Um- und Anbauten sowie Modernisierungen sind einige heute so verändert, dass nichts mehr auf ihre vormalige Nutzung in der ländlichen Gemeinschaft schließen lässt. Dokumente und Fotos sind irgendwann verloren gegangen. Nur wenige betagte Einheimische wie der frühere Schmied Otto Weber kennen noch die Geschichte ihrer Häuser.

Schon als der Arbeitskreis Dorfgeschichte der Heimat- und Brauchtumsgruppe Hunoldstal sich mit den alten Hausnamen beschäftigte, konnte oftmals deren Herleitung nicht mehr nachvollzogen werden. „Was wir jetzt nicht wissen, das können wir wohl nie mehr zusammenpuzzeln“, meinte Jürgen Troll im Gespräch mit der TZ. Der Beisitzer berichtete anlässlich der Jahreshauptversammlung von den jüngsten Ergebnissen des Arbeitskreises. „Die Hausnamen haben mit den heutigen Bewohnern nichts mehr zu tun, und die Nachkommen der Namensgeber leben längst nicht mehr hier.“

Troll führte das auf die Erbteilung im 19. Jahrhundert zurück. Damals seien die Besitzverhältnisse schwer durcheinandergewirbelt worden. Wenn von den immer kleiner werdenden Äckern keiner mehr leben konnte, sei das ganze Anwesen verkauft worden.

„Man muss sich manchmal ganz schön anstrengen, um heute die Häuser von damals noch zu erkennen“, stellte Troll fest. Durch den Wandel in der Landwirtschaft und im beruflichen sowie gesellschaftlichen Leben hätten Umbauten die Bausubstanz mancher Gebäude komplett verändert. Andere seien abgerissen worden und einem Neubau gewichen. Im vergangenen Jahr habe man sich die im Stockbuch von 1820 bis 1865 vermerkten Hausnamen und ihre Standorte vorgenommen und über sie alle verfügbaren Unterlagen zusammengetragen. Zusammen mit dem Vorsitzenden Roland Tomaschek, Horst Müller, Klaus Becker und Heinz-Otto Freiling hat Troll – soweit vorhanden – alte gemeindliche Bauunterlagen gewälzt, einheimische Familien und die heutigen Bewohner der Häuser befragt.

Jeden dritten Dienstag haben sich die Heimatforscher im Winterhalbjahr im DGH getroffen und nach und nach für 23 alte Häuser sowie das ehemalige Rathaus je eine Mappe angelegt. Die Ausbeute war zum Teil spärlich. „Ich hatte mir mehr erhofft“, gab Troll zu. An eigene Aufzeichnungen oder Erinnerungen war oft gar nicht zu denken. Aber es gab auch Ausnahmen. So der Zeitungsausschnitt über Otto Weber, der außerdem viel berichtet hat über sein Elternhaus, in dem er heute noch wohnt. Dass die Vorfahren des ehemaligen Schmiedes von der Schafzucht lebten, macht der Hausname „Schäfers“ deutlich. Familie Dübsch habe zahlreiche Informationen über das Haus von „Banke“, das damals „Auf der Lai“ stand und heute Hausnummer 7 in der Anspacher Straße trägt, beigesteuert. Und Christine Weber habe reichlich Material über das Haus von „Hangkriste“ geliefert.

Für Troll ist die Geschichte über die alten Häuser erst einmal abgeschlossen. „Aber Nachträge sind jederzeit möglich und willkommen“, sagte er und forderte dazu auf, alte Bilder, Vererbungsurkunden oder andere Belege leihweise zur Verfügung zu stellen. Die werden dann digitalisiert und im PC erfasst sowie in den Mappen ergänzt. Letztere werden im Schiedsraum im DGH aufbewahrt und können bei Interesse eingesehen werden.

Weil Geschichte immer im Wandel ist, will die Arbeitsgruppe bei den Steckbriefen nicht stehenbleiben. Nach einer Pause soll es im Oktober weitergehen mit dem Thema „Landwirtschaft in Hunoldstal und im früheren „Hundstall“. Die Entwicklung vom Kuh- zum Pferdefuhrwerk und zum Traktor wird nur ein Ansatz sein, Wohnverhältnisse und Bevölkerungsentwicklung dürften ebenso interessant sein.

Die Auswirkungen deutete Horst Müller an, dessen Familie ganz früher nur ein paar Ziegen gehalten hat. Nach dem Krieg habe sein Vater technische landwirtschaftliche Geräte angeschafft, um die Familie zu ernähren. „Doch teure Traktoren konnten sich nur diejenigen leisten, deren Männer woanders arbeiteten“, berichtete er. Überhaupt habe der Ertrag aus der Landwirtschaft in der Regel nur gereicht, um das Essen sicherzustellen. Damit Bauern Krankenkassenbeiträge zahlen und etwas für die Rente zurücklegen konnten, hätten sie noch einen anderen Beruf ausüben müssen. Der sei zum Broterwerb geworden, als sich Viehzucht und die Bearbeitung der kargen Böden nicht mehr lohnten.

Wer im Arbeitskreis mitarbeiten will oder Dokumente, Belege oder historische Originalexponate zur Verfügung stellen kann, wird gebeten, sich mit dem Vorstand in Verbindung zu setzen.

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