Blut am Tatort hinterlassen

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Einem spontanen Tatentschluss folgend, hat ein Frankfurter den Kiosk auf dem Feldberg aufgebrochen. Er stand jetzt vor dem Amtsgericht, was daran liegt, dass er am Tatort so etwas wie seine Visitenkarte hinterlassen hat – Blut.

Für sieben Monate muss ein 37-jähriger Frankfurter hinter Gitter. Er hat am 25. Januar 2015 den Kiosk im Aussichtsturm auf dem Großen Feldberg aufgebrochen und dabei 250 Euro an Bargeld, acht Stangen Zigaretten im Wert von 400 Euro sowie mehrere Schokoriegel geklaut.

Das Amtsgericht Königstein hat nach Durchsicht des Bundeszentralregisters, in dem unter seinem Namen etliche, zum Teil einschlägige Straftaten aufgelistet sind, keinen Raum für eine Strafaussetzung gesehen. Unter anderem ist der Mann mehrfach wegen Diebstahls, schweren, zum Teil gemeinschaftlichen Raubes, Körperverletzung sowie Unfallflucht vorbestraft. Zuletzt war er zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

Ein Teil der Strafe war ihm zur Bewährung erlassen worden, was ihm nun aber vor die Füße fallen dürfte: Der Einbruch in den Kiosk wurde nämlich kurz vor Ablauf der Bewährung verübt, diese könnte nun widerrufen werden. Da der Mann dem zunächst anberaumten Prozesstermin am 28. Januar unentschuldigt ferngeblieben war, war gegen ihn ein Sicherungshaftbefehl erlassen worden, um sein Erscheinen zum neuen Termin sicherzustellen.

Was den Einbruch in den Kiosk anbelangt, zeigte sich der Mann gleich zu Beginn der Verhandlung voll geständig. Er gab alles zu und sprach von einem spontanen Entschluss nach einem Essen im Familienkreis im genau gegenüberliegenden Feldberghof. Augenzeugen des Einbruchs gibt es nicht. Dass der Täter dennoch ermittelt werden konnte, ist allerdings nicht das Verdienst der ermittelnden Polizeibeamten. Die Blutflecken auf der entleerten Kasse waren ihrer Aufmerksamkeit wohl entgangen, nicht jedoch der des Kiosk-Angestellten, der sie später entdeckt hatte.

Der DNA-Abgleich beim Landeskriminalamt brachte schnell Klarheit. Im LKA-Computer machte es „Blimm“, und schon war der Täter entlarvt. Wie die Blutspuren übersehen werden konnten, sei ihm ein Rätsel, sagte der als Zeuge geladene Polizist.

Der Angeklagte hatte nach seiner eigenen Schilderung zunächst gegen 20 Uhr den Rollladen des kurz zuvor geschlossenen Kiosks hochgeschoben, um dann mit einem großen Stein die Scheibe einzuwerfen.

Er kennt sich offenbar mit Registrierkassen aus, deshalb wusste er, dass es auf der Unterseite ein Hebelchen gibt, mit dem die Geldschublade entriegelt werden kann. Dumm nur, dass er sich bei der Aktion an der kaputten Scheibe in den Finger geschnitten hat und von ihm unbemerkt Blut auf die Kasse getropft ist. Um tiefer ins Innere des Kiosk hineingreifen zu können, will er sich auf das Fensterbrett gesetzt haben. Den Kiosk selbst hat er jedoch nicht betreten, schwerer Diebstahl bleibt es aber trotzdem.

Richterin und Staatsanwalt waren sich über das Strafmaß einig: sieben Monate ohne Bewährung wegen des Fehlens einer positiven Sozialprognose. Schließlich hatte er seine Bewährungshelferin häufig versetzt und die Tat unter laufender Bewährung verübt. Auch der Verteidiger hatte die sieben Monate, als am unteren Ende der Skala liegend, als „moderat“ bezeichnet.

Allerdings plädierte er für eine Strafaussetzung. Nur weil sein Mandant keinen Job, dafür aber Schulden habe, könne man ihm die Bewährung kaum versagen. Und dass er zuletzt die Bewährungshelferin nicht besucht hat, habe einen ganz einfachen Grund: „Er saß in Sicherungshaft.“

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