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Die Sieger des ersten zweitägigen Bogenturniers strahlten mit der Sonne um die Wette. Für sie hatte sich die weite Anfahrt gelohnt.

Usinger Schützenverein

Der Bogensport beim SV1422 feiert sein zehnjähriges Bestehen

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Der Bogenparcours des Usinger Schützenvereins 1422 ist eine echte Erfolgsgeschichte. Das zehnjährige Bestehen feierten die Schützen dann auch mit dem größten Turnier ihrer eigenen Geschichte. Und in dieser geht die Erfolgskurve nur bergauf.

„Am Anfang waren wir dem Bogensport gegenüber skeptisch, aber aufgeschlossen“, sagte Jens Kröger, Erster Schützenmeister vom Schützenverein 1422, im Gespräch mit dieser Zeitung. Aus der Skepsis wurde im Laufe der vergangenen zehn Jahre Überzeugung. „Mittlerweile wissen wird, dass wir alles richtig gemacht haben“, ergänzt Kröger.

Zehn Jahre sind seit der Eröffnung der ersten Teilstrecke, dem sogenannten Nordparcours, vergangen. Grund genug für die Schützen, diesen runden Geburtstag ausgiebig zu feiern. Dieses Mal mit einem zweitägigen Bogenturnier. Rund 200 Meldungen aus ganz Deutschland gingen dafür ein, tatsächlich gingen dann etwa 160 Starter an beiden Tagen mit Pfeil und Bogen auf Zielsuche.

In 6er Gruppen waren die Bogenschützen von 10 Uhr an auf den nunmehr insgesamt 16 Hektar des Nord- und Süd-Parcours unterwegs. Wandern, zielen, schießen, Punkte notieren und weiter. „Dieses intuitive Schießen unterscheidet sich sehr von dem eines klassischen Sportschützen“, erklärte Bogenwart Klaus-Dieter Brozio. Er und Achim Berlich waren vor zehn Jahren die Ideengeber gewesen. „Man hat das als kleiner Junge schon mal gemacht, dann ergab sich als Erwachsener noch mal die Gelegenheit, und wieder war ich total begeistert“, erzählte Brozio.

So sehr, dass die beiden dem damaligen Vorstand, der sich übrigens nicht wesentlich vom heutigen unterscheidet, ihre Idee vortrugen. 6000 Euro hat dieser damals über Sponsoren investiert – „das war das einzige Risiko“, sagte Kröger. Dafür gab es Ziele und die Pacht des gesamten Geländes, allerdings zunächst nur die Genehmigung für den Nord-Parcours. Der Süd-Parcours öffnete einige Jahre darauf.

Es war neu im Usinger Land, einen Parcours im Wald anzulegen, in dem die Menschen mit Pfeil und Bogen unterwegs waren, um dann auch noch auf Tier-Attrappen zu schießen. Entsprechend heftig waren auch die Reaktionen mancher Tierschützer, die die Schützen bereits auf echte Tiere schießen sahen. „Doch das tun wir nicht“, bekräftigte Brozio. Dass ein schön gestaltetes Ziel sicherlich attraktiver anzuvisieren ist als eine Zielscheibe, versteht sich von selbst. Aufgestellt werden sie im Wald in unterschiedlichen Distanzen, die von einem halben Meter bis zu 45 Meter reichen. Entsprechend groß sind die aus einem speziellen Schaumstoff hergestellten Tiere.

Das Turnier zeigte auch, wofür sich die Bogenparcours-Bauer so viel Mühe gaben. „Man merkt sofort, dass die Ziele nicht einfach nur so in den Wald geworfen wurden, sondern wirklich liebevoll gesetzt sind“, gab es ein großes Lob und Dankeschön von sonst sehr kritischen Teilnehmern. In der Tat ist das Brozio und Selling besonders wichtig. „Wir versuchen nicht nur, die verschiedenen Möglichkeiten zum Schießen auszuloten, sondern berücksichtigen auch die unterschiedlichen Schützen“, erklärte der Bogenwart. Große und kleine Menschen haben ein unterschiedliches Sichtfeld auf das Ziel, ein Rechtshänder legt anders an als einer, der alles mit Links erledigt, und darüber hinaus ist es ein Unterschied, ob im Stehen oder Knien geschossen wird. Auch wenn es für das ungeübte Auge so nicht aussieht, handelt es sich bei der Platzierung der Ziele um Zentimeterarbeit. „Einige Ziele haben wir mehrfach umgebaut, um allen gerecht zu werden“, schilderte Selling. Manchmal waren es nur Zentimeter, die aber für den Schuss einen entscheidenden Unterschied machten. Diese Feinarbeit, das Denken aus anderen Positionen als der eigenen heraus, war den Parcoursbauern von Anfang an sehr wichtig. Das mache am Ende den Unterschied, „ob jemand noch mal wiederkommt oder ob er es nach einem Mal bleiben lässt“.

Die Tier-Attrappen waren in den Anfangszeiten überaus beliebt. Trotz sehr guter Sicherung kamen deshalb einige abhanden. Einer tauchte in einem Garten im Usinger Land wieder auf, andere wurden mutwillig zerstört, und ein Großteil blieb auf ewig verschwunden. Inzwischen müssen die Bogenwarte die Tiere nur noch ersetzen, wenn sie zerschossen sind. Getauscht werden die Ziele auch, sobald der Parcours umgebaut wird. „Ansonsten ist er eigentlich relativ pflegeleicht“, sagte Brozio. Was den Schützen allerdings in den vergangenen Wochen und Monaten erhebliche Schwierigkeiten bereitete, war die Durchforstung der Stadt. „Wir waren viele Wochen damit beschäftigt, Baumkronen und andere Reste von der Strecke zu ziehen“, sagte Selling. Auch dadurch mussten die Schützen abermals umbauen, zumal sich durch den Holzrücker tiefe Fahrspuren ergaben. „Das hat zum Teil aber auch neue Wege eröffnet“, räumte Brozio ein. Pünktlich zum Turnier haben sie es geschafft, die Strecke so zu gestalten, dass viele von den 160 Startern kamen, um sich zu bedanken.

Neben dem Turnier, bei dem es für die Sieger Urkunden und originelle Pokale gab (fixierte Schleich-Tiere auf einem Stein), gönnten sich die Organisatoren das Engagement der Renée Walker Band. Dutzende von Gästen campierten auf dem Gelände, so dass die Gastgeber mit wenig Schlaf, aber viel Verpflegung auskommen mussten. Dass es nicht nur die Bogenschützen sind, die etwas auf die Beine stellen, sondern der gesamte Verein, ist den Organisatoren ganz wichtig. „Wir wollten nie eine Abteilung sein, sondern sind Teil des Vereins“, sagte Brozio. „Einige kamen über das Bogenschießen zu anderen Sportbereichen und umgekehrt“, sagte Kröger. Das gute Miteinander ist ein Erfolg „made in Usingen.“

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