Stadt Usingen wehrt sich gegen Vorwürfe des Gewerbevereins

"Breite Unterstützung für den Handel"

  • vonAndreas Burger
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Steffen Wernard: Unterstützung des Vereins für Mitglieder könnte besser sein

In Wahlkampfzeiten sind Aussagen nicht immer auf die Goldwaage zu legen. Wenn allerdings Behauptungen und vor allem Lob und Ehre in die falsche Schublade rutschen, dann stößt das schnell sauer auf. So geschehen in unserer Serie über den Usinger Handel und den Gewerbeverein, der 60 Jahre auf dem Buckel hat.

Es ist Bürgermeister Steffen Wernard (CDU), der bei einigen Aussagen des Vereins anderer Meinung ist. "Wir haben eigentlich immer gut mit dem Handel zusammengearbeitet", betonte er gestern. In den früher regelmäßigen Treffen sei die Verständigung gut gewesen, wenn man auch nicht immer in allen Punkten deckungsgleich gewesen sei. Nur dass sich der Gewerbeverein und seine amtierende Spitze nun mit Federn schmücke, die nachweislich das falsche Haupt zierten, das wolle er gerade rücken.

"Der Ostereierlauf war eine Idee aus dem Arbeitskreis Innenstadtgruppe, die sich einst aufgrund von Spannungen als eigene Gruppierung aus dem Gewerbeverein herausgelöst hatte. Gemeinsam mit der städtischen Wirtschaftsförderung entstand das Konzept der Frühjahrsaktion in der Innenstadt. Los ging das Ganze in der Scheunengasse und wurde erst später an den Marktplatz verlegt, inzwischen unter Federführung des Gewerbevereins." Ähnlich verhalte es sich mit der Halloween-Nacht. "Auch hier stand zuerst die Idee einer Harry-Potter-Nacht der städtischen Wirtschaftsförderung, die aber wegen fehlender Kooperation nicht zustande kam. Noch unter dem damaligen Vorsitzenden Hartmut Wedell und Vorstandsmitglied Helmut Müller wurde dann mit der Wirtschaftsförderung der Stadt das Grundkonzept ausgearbeitet."

Stadt-Konzept für Weihnachtsmarkt

Was die Bussinestreffs betrifft, so seien diese unter dem damaligen Bürgermeister Matthias Drexelius (CDU) zusammen mit Petra Reuter, die noch im Gewerbeverein und als Wirtschaftsförderin tätig war, aufgerufen worden, um das Ohr am Handel zu haben. "Das begann alles in der Schlosspassage und abwechselnd im Forum als After-Work-get-Together. Die Treffen mit dem Handel hat dann der Gewerbeverein anschließend fortgesetzt, derzeit sehe ich diesen allerdings unter verschiedenen Flaggen laufen - mal als Gewerbeverein, mal als FDP."

Noch immer bedauert Wernard, dass das einstige Frühlingsfest gestorben ist, das dann von der Stadt mit dem Food-Truck-Festival ersetzt wurde. "Damit wollen wir gerade dem Innenstadthandel eine attraktive Plattform bieten, um Menschen in die Stadt zu locken", so der Bürgermeister.

Der mit einer Aussage aber gar nicht einverstanden ist, die vom Gewerbeverein kam. "Das Konzept für den neuen Weihnachtsmarkt am Schlossplatz bis zur Kirche entstand im Jahr 2010 in der Stadtverwaltung. Der Weihnachtsmarkt unter organisatorischer Leitung des Gewerbevereins, wie er sich am Ende präsentierte, war so nicht mehr attraktiv, ein Konzept fehlte. Zwar hat der Gewerbeverein auch einen Stand, aber die Organisation liegt alleine bei der Stadt." Petra Reuter habe viel Zeit investiert, um die Veranstaltung zu einem Erfolg zu machen. Mit der Naspa als Partner und dem Ehepaar Daume mit seinen Ausstellungen locke man tausende Gäste in die Stadt. Ohne diese Initiativen gäbe es den Markt längst nicht mehr.

Dass die Stadt in den vergangenen Jahren angeblich "Porzellan zerschlagen" habe, wie der Verein gesagt hatte, diese Aussage verstehe er nun überhaupt nicht. Wo es aus Sicht der Stadt hakt, sind strukturelle Wirtschafts-Förderungsprojekte unter der Führung des Vereins. Dazu gehörten ein digitales Schaufenster für Gewerbebetriebe, ein Schulungsangebot mit digitalen Workshops oder für Schaufenstergestaltung. "Was mir ganz fehlt, war ein positives Engagement des Gewerbevereins im Rahmen der Bürgerbeteiligung im ISEK-Verfahren oder die Kooperation und Unterstützung bei städtebaulichen Projekten wie Straßenumbau Innenstadt oder Alter Marktplatz."

Stadt fängt Defizite auf

Gerade diese Themen seien derzeit ausschließlich auf städtischer Seite angesiedelt. Die momentane Situation zeige, dass der Gewerbeverein hier Defizite habe. "Wir bieten auf der städtischen Homepage ständig aktualisierte Information der Gewerbetreibenden und haben die digitale Sichtbarkeit der Gewerbetreibenden im Gutscheinportal mit PR-Anzeigen zum Solidaritätsaufruf organisiert." Als die Stadt den Verein 2020 in die tägliche Corona-Kommunikation einbinden wollte, sei fünf Tage nichts passiert. "Inzwischen mailen wir die Gewerbetreibenden selbst an und erhalten so schnell eine Rückmeldung."

Politik und Stadt unterstützten den Handel sehr wohl. "Wir erlassen die Sondernutzungsgebühren öffentliche Flächen für Gastronomie und Handel und haben für das Weihnachtsgewinnspiel 15 000 Euro eingebracht. Die Wirtschaftsförderung ist neu organisiert, die Zusammenarbeit mit dem Verein Die Wirtschaftspaten zur Begleitung von Existenzgründungen und Unternehmenssicherungen ist erfolgreich." "Die Stadt bietet zudem PR-Unterstützung bei Neueröffnungen, macht Unternehmensbesuche und -gespräche, ist mitten im Projekt Breitbandausbau oder bietet Modernisierungsberatung."

Wernard weiter: "Das Stadtmarketing kümmert sich um Einträge der Gastronomie, Hotellerie und Sehenswürdigkeiten auf taunus.info und dem Taunus-Touristik-Service, wirbt für den Handel auch auf Social-Media-Kanälen und organisiert Veranstaltungen mit überregionaler Imagewerbung für den Standort. Mit diesen Punkten im Rücken kann ich nicht verstehen, warum der Gewerbeverein Politik und Verwaltung so kritisiert.". Vielleicht sei manche Aussage dem Wahlkampf geschuldet. bur

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