Interview mit Matthias Drexelius

Den Bürgern verpflichtet

Usingens früherer Bürgermeister Matthias Drexelius (CDU) steht vor einer neuen beruflichen Herausforderung. Wie bereits berichtet, wurde er vom Präsidium des Hessischen Landkreistages zu einem der beiden Geschäftsführer des Hessischen Landkreistages, unter dessen Dach die 21 hessischen Landkreise versammelt sind, gewählt. Er wird seinen neuen Posten zum 1. Oktober antreten. Seine Idee war das nicht. Wie er der TZ in einem Interview verriet, wollte er eigentlich nur seinem künftigen Vorgänger Christian Engelhardt gratulieren. Der war gerade zum Landrat des Landkreises Bergstraße gewählt worden und schlug Drexelius anlässlich seines Besuchs vor, sein Nachfolger zu werden. Das Gespräch mit Matthias Drexelius führte TZ-Mitarbeiter Alexander Schneider.

Herr Drexelius, Sie wurden gerade zum Geschäftsführer des Hessischen Landkreistages gewählt und sind damit für 21 Landkreise zuständig. Kennen Sie die alle schon, nicht nur in der Papierform, auch aus eigenem Erleben?

MATTHIAS DREXELIUS: Natürlich kenne ich schon viele Kommunen in den hessischen Landkreisen aus meiner Bürgermeisterzeit, meiner Ausbildung oder durch den Sport. Das reicht natürlich nicht, um solche tiefgreifenden Kenntnisse zu haben, die für meine neue Aufgabe wichtig und notwendig sind. Diese werde ich mir in den ersten Wochen nach meinem Dienstantritt durch Besuche und Gespräche mit den Verantwortlichen vor Ort verschaffen.

Was war für Sie die Motivation, sich für diese Position zu interessieren?

DREXELIUS: Hauptsächlich die Arbeit und Themenstellungen in und für die kommunale Familie, die mir immer Spaß gemacht haben. Eigentlich hatte ich keinen Wechsel vor und habe nur meinem zukünftigen Vorgänger Christian Engelhardt zur Wahl als Landrat im Kreis Bergstraße gratuliert. Er hat mich gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, seine Aufgabe zu übernehmen.

Sie waren zwölf Jahre Bürgermeister in Usingen, dann Erster Beigeordneter des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain und arbeiten jetzt wieder in Ihrem alten Beruf als Anwalt. Wie vergleichbar sind diese Tätigkeiten? Sind sie überhaupt vergleichbar?

DREXELIUS: Jede Tätigkeit hat ihre Besonderheiten, so dass ein Vergleich möglich, aber auch schwierig ist. Als Bürgermeister hat man unmittelbaren Kontakt mit den Menschen. Im Regionalverband war die Arbeit auf die Erstellung des ersten Regionalen Flächennutzungsplanes fokussiert. Völlig anders ist natürlich die Arbeit als Rechtsanwalt. Auf der anderen Seite kann man viele Erfahrungen und Kenntnisse in die neue Aufgabe einbringen. Und, was in allen Tätigkeiten ähnlich ist. Am Ende versucht man, für die Menschen oder Institutionen, für die man tätig ist, das beste Ergebnis zu erzielen.

Es gibt strukturstarke und strukturschwache Landkreise in Hessen. Sehen Sie Möglichkeiten, das Gefälle dazwischen zu verringern?

DREXELIUS: Das ist eine Frage, die man nicht ohne die Kenntnis der Gegebenheiten in den Landkreisen, die ich mir ja erst noch anschauen werde, beantworten kann. Dennoch bin ich sicher, dass die meisten Verantwortlichen sehr gut wissen, dass einige Regionen wichtig für das wirtschaftliche Wachstum sind und jeder einzelne Kreis trotzdem Heimat für Menschen ist, deren Interessen zu berücksichtigen sind. Es gibt sicher Möglichkeiten des Ausgleichs, wobei das aber einen breiten Konsens haben sollte.

Der demografische Wandel beschäftigt uns bereits heute sehr stark, und er wird es in näherer Zukunft wohl in noch größerem Maße tun. Welche Möglichkeiten hat ein Verband wie der Hessische Landkreistag, die Folgen abzufedern?

DREXELIUS: Die Folgen können wir als Verband natürlich nicht unmittelbar abfedern. Aber wir können und müssen unseren Beitrag leisten, dass die Rahmenbedingungen seitens des Gesetzgebers so gesetzt werden, dass die Kreise und Kommunen auch in der Lage sind, diese Herausforderungen zu bewältigen. Daneben können wir durch Informationen und die aktive Begleitung von Projekten einen Beitrag leisten.

Wird man irgendwann über einen Ausgleich, ähnlich dem Länderfinanzausgleich, nachdenken müssen, und: Würde das aus Ihrer Sicht überhaupt Sinn machen?

DREXELIUS: Das ist, vereinfacht gesagt, schon ein Thema, das in den letzten Wochen und Monaten bereits im Rahmen der Änderungen des Kommunalen Finanzausgleichs intensiv diskutiert wurde. Hier hat der Landkreistag seine Positionen in den Anhörungen des Landtages deutlich gemacht, wie auf der Homepage des Verbandes nachzulesen ist.

Wo sehen Sie die besonderen Herausforderungen, denen sich ein Spitzenverband wie der Hessische Landkreistag zu stellen hat?

DREXELIUS: Mit der Frage des demographischen Wandels, der auch Auswirkungen auf die Entwicklung des Nord-Süd-Gefälles haben wird, sowie der notwendigen Finanzausstattung der Kreise sind ja schon wesentliche Punkte angesprochen. Daneben werden uns alle Themen rund um die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen intensiv beschäftigen, um nur einen Punkt herauszugreifen. Gerade die letzte Frage zeigt, dass es auch eine wichtige Aufgabe ist und sein wird, kommende Herausforderungen zu erkennen, die Aufgabenstellungen zu analysieren und zusammen mit den Kreisen frühzeitig nach Lösungen zu suchen.

Sie sind einer von zwei Geschäftsführern des Landkreistags. Wie sind die Aufgaben zwischen Ihnen und Dr. Jan Hilligardt verteilt?

DREXELIUS: Nach dem Geschäftsverteilungsplan wird Dr. Hilligardt die Referate Recht, Verfassung und Europa, Soziales sowie Gesundheit führen und ich die Referate Wirtschaft, Umwelt und Verkehr, Finanzen, Schule und Kultur.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare