Harry Dertinger (links) und Rolf Becker vom Eschbacher Gewerbeverein fordern, dass Schnelltests und Impfungen viel zügiger flächendeckend umgesetzt werden.
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Harry Dertinger (links) und Rolf Becker vom Eschbacher Gewerbeverein fordern, dass Schnelltests und Impfungen viel zügiger flächendeckend umgesetzt werden.

Eschbacher Gewerbeverein hofft auf schnelle Test-Lösung

"Bürokratie verhindert rasche und effiziente Öffnung"

  • vonAndreas Burger
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Vorstand fordert zügige Umsetzung der Impfung und Öffnung für den Einzelhandel

Der kleine Stadtteil Eschbach glänzt nun nicht mit einer Einkaufsmeile oder bunten Vielfalt des Einzelhandels. Dennoch finden sich 31 Mitglieder im Register des Gewerbevereins, an dessen Spitze Harry Dertinger und Rolf Becker stehen, die sich um die Interessen der Selbstständigen kümmern und gerade aufgrund der kurzen Wege wissen, wo bei wem welcher Schuh drückt.

Gestern nahmen sie sich die Zeit, mit der Taunus Zeitung über ein Jahr Ausnahmezustand zu plaudern, welche Auswirkungen die Pandemie auf den Stadtteil und seinen Handel hat - und wo es schnelle Lösungen geben könnte, etwas normales Leben zuzulassen.

Freizeitangebote boomen extrem

Rolf Becker als stärkster Einzelhändler mit seinem Fahrradshop klagt nicht, denn er "hat auch keinen Grund dazu", sagte er. Denn das Fahrradfahren sei in der Pandemiezeit von vielen Bürgern neu entdeckt worden. Und damit stieg die Nachfrage, vor allem auch die Werkstatt hat bereits Terminprobleme. "Nein, wer im Freizeitsektor beschäftigt ist oder sein Unternehmen hat, wurde von der Negativwelle, die über den Einzelhandel hereinbrach, nicht erwischt."

Aber dennoch wäre er ganz froh, wenn sich die große Politik zügig auf einheitliche Linien einigen könnte - und nicht immer jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kochen würde. "Wir wissen doch teils nicht einmal mehr,ob und wie wir öffnen dürfen, welche Regelungen gelten. Denn eine direkte Information des Handels findet nicht statt, wir erfahren nur über die Medien, was beschlossen wurde."

Handwerk ist ausgelastet

Aber die übrigen Läden sind im Stadtteil von den Schließungen genauso betroffen wie überall im Land. Was aber richtig brummt, ist das Handwerk, und hier kann Eschbach einige Unternehmen vorweisen. "Was eigentlich klar ist, denn die Bürger geben nun ihr Geld für Sanierungen, Neu- und Umbauten oder Anschaffungen aus, das eigentlich in die Urlaube geflossen wäre", sagte Dertinger. Deshalb sei es derzeit auch extrem schwer, bei einem Handwerker einen Termin zu bekommen. "Da spielt natürlich auch der günstige Zinssatz eine große Rolle." Aber: "Das kann nach Corona umschlagen, wenn alle gebaut haben und Fahrrad fahren. Dann wird ein Loch kommen."

Becker: "Aber beim Einzelhandel sehen wir, dass bei so manchem, der bisher vom Ersparten leben konnte, nun diese Reserve weg ist. Die staatlichen Hilfen oder eben Kredite sind dann der einzige Ausweg." Und er könne gut verstehen, wenn gerade bei diesen stark betroffenen Unternehmen der Geduldsfaden reiße. "Es kann ja auch nicht sinnvoll vermittelt werden, warum im Toom, Edeka oder Rewe die Menschen oft dicht gedrängt durch die Märkte drängen, während der kleine Einzelhandel, in den vielleicht ein, zwei Kunden in der Stunde kommen, geschlossen haben muss", sagte Dertinger weiter. Hier müsse dringend eine Änderung bei, denn zwischen städtischen und ländlichen Gegebenheiten werde derzeit von der Bundes- und Landespolitik überhaupt nicht unterschieden.

Die Lösung, so sind sich beide einig, liegt in den Schnelltests und einem schnellen Impfen. "Es zeigt sich doch, dass gerade Schnelltests, die oft vorgenommen werden, Menschen und Unternehmen wieder in eine normaleres Fahrwasser bringen können. Wer einen negativen Test vorweist, sollte an diesem Tag einkaufen gehen können, ins Restaurant oder auch in kulturelle Veranstaltungen. Das ist der einzige Weg, um die Wirtschaft nicht an die Wand zu fahren."

Flächendeckende Untersuchungen

Und beide sind sich auch einig, dass die Lösung nicht in überregionalen Test- oder Impfzentren liegen kann. Die lokale Ebene, der Test vor Ort, sei viel besser zu koordinieren und für die Bürger besser erreichbar als weite Wege mit vielen Menschen und hoher Ansteckungsgefahr. "Aber einer solchen sinnvollen Lösung steht derzeit auf vielen Ebenen eine Bürokratie entgegen und ein völlig überzogener Datenschutz", sagte Becker. Und Dertinger verwies auf eine neue App namens Luca. Diese wirbt mit datenschutzkonformen Verschlüsselung der persönlichen Daten, übernimmt die Dokumentationspflicht für Veranstalter und Betreiber, entlastet die Gesundheitsämter durch digitale, schlanke und integrierte Prozesse und ermöglicht effiziente und lückenlose Nachverfolgung. "Die vom Bund beworbene App hat ja bewiesen, dass es so nicht funktioniert." So könne man vor allem den Gaststätten helfen, die alle sehr zu kämpfen hätten.

Und hinzu komme, dass die Bürokratie in Deutschland verhindere, schnelle Lösungen einzuführen. "In Österreich gibt es den bereits anerkannten Spucktest. Bis der hierzulande akzeptiert wird, dürfen wir sicher noch ein halbes Jahr warten, bis alle bürokratische Ebenen ihr ,Ja' dazu gegeben haben", sagte Dertinger schmunzelnd.

Fest stehe aber, so beide Unternehmer, dass die beste Lösung die Impfung sei. Und die solle endlich vorankommen. "Ich bin sicher, dass die Impf-Ablehner immer weniger werden, denn die Einsicht wird sich durchsetzen." Bereits jetzt stelle er fest, dass sich Menschen impfen ließen, die vorher "Nein" gesagt hätten. "Aber da müssen sich auch die Medien an die Nase fassen. Kaum läuft einer ohne Maske und mit Plakat durch die Straße, drängen sich die Reporter um ihn. Dabei ist das eine absolute Minderheit, die aber dargestellt wird, als wäre es eine Mehrheit."

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