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Nach Schulschluss steigen auch in Bad Homburg viele Schüler in die Taunusbahn ein, die sie nach Hause fährt.

Mehr Lärm und Luftbelastung im Usinger Land

Der BUND ist mit der Neustrukturierung des RMV-Tarifgebietes nicht zufrieden

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Auto stehen lassen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchs Usinger Land und den Hochtaunus fahren? Möchten sicher viele Schüler, Berufstätige und Senioren gerne. Wenn da nicht die Fahrpreise wären, die nach der Neustrukturierung des Tarifgebietes zum Teil kräftig erhöht wurden.

Umweltschützer sind schon lange dafür, dass „Sprit-Schleudern“ zugunsten von Bus und Bahn in der Garage bleiben. Aber die Fahrpreise der Öffentlichen sind einfach zu teuer, erklärt jetzt der BUND Hochtaunus und fordert die Verantwortlichen im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auf, die nach der Neustrukturierung des Tarifgebietes erfolgten Fahrpreiserhöhungen für die Strecke zwischen Oberreifenberg und Feldberg nach Frankfurt wieder zu reduzieren.

Träger des RMV sind 15 Landkreise – unter anderem der Hochtaunuskreis – und elf Städte. Die Umweltschützer erwarten von den Politikern dieser kommunalen Träger, dass sie die sozialen und ökologischen Erfordernisse stärker berücksichtigen. „Der BUND fordert daher endlich das längst überfällige Verkehrskonzept für den Taunus und das Rhein-Main-Gebiet“, sagt Friederike Schulze, Vorsitzende des BUND Hochtaunus.

Ziel des öffentlichen Nahverkehrs müsse sein, den Individualverkehr mit dem Auto zu reduzieren, um Lärm und Luftbelastung sowie Staus zu verringern und dadurch Bürger und Umwelt zu entlasten, erklärt Schulze. Dieses Ziel setze als ersten Schritt für eine Attraktivitätssteigerung des ÖPNV eine sozial verträgliche und akzeptable Preisgestaltung voraus.

Die aktuelle Fahrpreiserhöhung für das Tarifgebiet Schmitten und die allgemeine Fahrplangestaltung generell sei hingegen ein Rückschritt, der bereits zu einer Zunahme des Verkehrs auf den Straßen zwischen den Gemeinden im Taunus und Frankfurt geführt habe, findet Schulze.

Wer trotzdem mit Bahn und Bus fahren will, muss tiefer ins Portemonnaie greifen. Und bei dieser Konstellation denkt Friederike Schulze noch weiter: „Lärm und Luftbelastung werden im Taunus und in Frankfurt zunehmen. Langfristig sind zudem höhere öffentliche Ausgaben für den Ausbau der zunehmend überforderten Verkehrsinfrastruktur mit Naturbelastung und Naturzerstörung zu erwarten.“ Lärm sei nicht nur für Menschen schädlich, er führe auch zu einer vermehrten Störung der Wildtiere, was ebenso zu Verbiss von Bäumen führen könne wie auch zu Wildunfällen.

„Zudem sind besonders Schüler und autolose Personen aus dem Hintertaunus durch die Preisgestaltung benachteiligt“, erklärt Schulze.

„Mit dem Tarifwechsel zum 11. Dezember vergangenen Jahres wurde das RMV-Tarifgrenzgebiet 5260 neu zugeschnitten“, erklärt Andrea Nagell, Pressesprecherin des Hochtaunuskreises. Das betrifft die Schmittener Ortsteile Niederreifenberg – mit der Bushaltestelle Großer Feldberg – und Oberreifenberg sowie die Bushaltestellen Arnoldshain, Sandplacken, Windeck und Rotes Kreuz. Sie wurden dem RMV-Tarifgebiet 5233 (Gemeinde Schmitten) zugeordnet.

Für diese Ortsteile und Haltestellen ergibt sich aus Richtung Frankfurt/Oberursel eine Erhöhung um eine Preisstufe. Bei Fahrten von Oberursel wird nun statt der Preisstufe 1 die Preisstufe 2 fällig, bei Fahrten aus Frankfurt ist die Preisstufe 5 zu entrichten (zuvor: Preisstufe 4).

„Diese Änderung wurde grundsätzlich aus zwei wirtschaftlichen Gesichtspunkten gemeinsam mit der Tarifabteilung des RMV eingeführt. Der Hochtaunuskreis wurde bei allen Fachgesprächen im Bereich immer als Beispiel für eine zu großteilige Tarifgebietseinteilung angeführt. Konkret bedeutet dies, dass bisher ein sehr großes Tarifgebiet existierte, das sich von Niederursel bis Niederreifenberg erstreckte (27 Kilometer)“, erklärt Nagell weiter.

Somit sei beim Wechsel ein gerechter, aber auch entfernungsabhängiger Tarif eingeführt worden, der wiederum bei klarer Tarifeinteilung auch für die Fahrplangestaltung neue Spielräume eröffnete. Da mit der „CleverCard kreisweit“ im Hochtaunuskreis ein kreisweites Schülerticket existiert, sei die Zielgruppe der Schüler von der Tarifänderung nicht betroffen.

„Aktuell befindet sich der VHT in Gesprächen mit dem RMV, da eine gemeinsame gute Lösung gesucht wird“, erklärt sie weiter. In erster Linie handele es sich hier um ein „touristisches Angebot“.

Auch die BUND-Vorsitzende will nicht nur meckern und fordern. Sie hat auch einige Tipps parat, die vielleicht in diese Gespräche mit einfließen können: „In verkehrsarmen Zeiten könnte beispielsweise ein Kleinbus oder Großtaxi fahren für mehr Flexibilität.“ Eltern sollten nicht gezwungen sein, ihre Kinder in die Schule zu fahren, damit sie pünktlich kommen. Und konsequenteres Vorgehen gegen Wildparker, die Umweltflächen zerstören, schlägt Schulze ebenfalls vor.

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