Jetzt wird für die Treisberger Institution ein Käufer gesucht

Café Sachs schließt

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Brigitte und Robert Bermbach verwöhnen heute zum letzten Mal ihre Gäste. Manche kamen mehrmals in der Woche, Wanderer auch zweimal am Tag.

Bienenstich und Sachertorte, Quiche und Schnitzel gehen immer, gerade hat Erdbeertorte Hochsaison. „Alles hat seine Zeit, und jetzt ist es an der Zeit, Abschied zu nehmen“, heißt es beim Café Sachs in Treisberg.

Brigitte Bermbach erzählt von einem 97-jährigen Frankfurter, der fast von Anfang an zu den Stammgästen zählte, und jungen Familien mit Kindern, die jedes Wochenende zum Kuchen- und Eisessen kommen. Die 68-Jährige kennt ihre Kunden genau, denn sie hat schon mit sieben Jahren mitgeholfen. Ihr Vater Walter Sachs arbeitete als Bäcker in Friedrichsdorf und stand vor der Entscheidung, mit der Familie dorthin zu ziehen oder sich in Treisberg selbstständig zu machen. „Als er 1954 hier auf der grünen Wiese baute, das war ein echtes Wagnis“, erinnert sich Brigitte Bermbach, „aber es kam immer jemand ins Café.“ Weil das Reiseverhalten damals anders war, hätten anfangs viele Pensionsgäste bis zu zwei Wochen Urlaub in Treisberg gemacht. Ende der 70er Jahre lohnte sich das nicht mehr, aber das Café Sachs blieb weit über das Usinger Land hinaus bekannt und beliebt – eine echte Institution.

„Dass manche Genießer 50 Kilometer gefahren sind für ein Stück Kuchen, das muss man sich mal vorstellen“, sagt Brigitte Bermbach. Eine typische Haustorte gab es nie, aber Robert Bermbach hat eigene Rezepte entwickelt, stand jeden Morgen ab 5 Uhr mit einem oder zwei Mitarbeitern in der Backstube. Das Wichtigste war für den Konditor eine gute Qualität mit hochwertigen Zutaten. Kuchen vom Vortag gab es nicht im Café.

Manche Gäste haben sich schon zum Mittagessen gestärkt, sind eine Runde gewandert und haben dann die verbrauchte Energie beim Kaffeetrinken wieder aufgetankt. Für den kleinen Mittagstisch war Brigitte Bermbach zuständig. Die schon legendären Quiches und das Baguette gab es frisch aus der Backstube, die kleinen Gerichte bereitete sie zu. Und sie hatte den Draht zu den Menschen. „Ich glaube, wir haben ihnen auch ein Stück Heimat gegeben“, meinte sie. Warum sonst sollte extra eine Tochter mit ihren Eltern, die seit 50 Jahren hier ein- und ausgehen, noch einmal zum Abschiedskuchenessen mitkommen. Und ein Junge habe ihr zum Abschied eine Blume geschenkt, „weil es immer so schön war.“

„Trotz der vielen Arbeit haben die vielen schönen Momente immer überwogen“, sind sich die Bermbachs einig. Bald können sie ihr Leben etwas gelassener angehen, zuletzt hatten sie aber noch richtig viel zu tun, weil Stammgäste und ehemalige Mitarbeiter reinschauten. Unterstützung gibt es seit gestern von den beiden Söhnen: Gregor, der aus Salzburg angereist ist, und Alexander, der in Frankfurt wohnt. Morgen fährt Brigitte Bermbach nach Hamburg zu Tochter Tanja und der Abifeier ihrer Enkelin. Mehr Zeit für ihre Enkel wollen sich die Bermbachs jetzt nehmen und für kleine Reisen in den Schwarzwald, die Eifel oder an die Mosel. „Das Faltboot, das seit zehn Jahren im Keller liegt, muss raus“, sagte Robert Bermbach. Wenn ein Käufer für das Café gefunden ist, wird das Paar Treisberg verlassen. Die beiden wollen sich im Usinger Land dort ansiedeln, wo die Infrastruktur für Senioren besser ist.

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