Musical-Abend in Wernborn trotz Panne großer Erfolg

Da Capo kann auch im Dunkeln singen

  • vonUrsula Konder
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Stell dir vor, du stehst auf der Bühne, und plötzlich sind deine Noten und auch noch dein Dirigent weg. So geschehen beim Konzert des Wernborner Chores Da Capo. Doch wo andere in Panik verfallen, bleibt Da Capo cool.

„Licht aus, Spot an“ – so hieß es von 1971 bis 1982 in der von Ilja Richter moderierten Musiksendung „Disco“. Mit diesen Worten wurde stets ein Gewinner präsentiert. Als beim diesjährigen Konzert von Da Capo plötzlich das Licht in der Wernborner Eichkopfhalle ausging, blieb zwar auch ein einzelnes Lichtlein an, aber gewollt war das so nicht. Anfangs dirigierte Andreas Mlynek zwar noch weiter, doch nachdem die für die Lichttechnik Zuständigen nichts ausrichten konnten, verließ er in aller Seelenruhe die Bühne, um selbst nach dem Rechten zu schauen.

Die Sänger von Da Capo kratzte das wenig, Anfangs hier und da mal eine hochgezogene Augenbraue, doch wer einmal in den Da Capo-Reihen gestanden hat, kennt die Losung des Chores: Aufhören gilt nicht, the Show must go on. Glück, dass das einzige Licht dem Pianisten Hanno Lotz genau auf seine Noten strahlte.

Und so sang der Chor weiter, als sei nichts geschehen. Und als urplötzlich das Licht wieder anging, standen da lauter Sieger auf der Bühne, und das Publikum entlohnte die bravouröse Leistung mit langem Applaus. Rund 18 Monate hatten sich Mlynek und sein Chor auf den großen Musical- und Filmmusik-Abend vorbereitet und bescherten den Gästen in der restlos ausverkauften und mit Filmplakaten und überdimensionalen Filmstreifen ausstaffierten Halle einen wunderbaren Abend.

Mit Laura Stauf, Juliane Eikelmann, Emma Holzlehner und Nicole Hartart führte der Nachwuchs von Da-Capo-Sängerinnen charmant durch den Abend. Die jungen Damen plauderten über die gesungenen Werke und verrieten Details zu den Filmen. So erfuhren die Zuhörer unter anderem das „I’m walking“ 1992 durch den Aral-Werbespot in aller Munde war.

Ob „Night fever“, „Let the sunshine“, „Wer hat an der Uhr gedreht“, „Moon River“, „Pigalle“ oder „Thank you fort the music“ – es gab keinen Titel, der nicht bekannt gewesen wäre und bei dem die Gäste keinen Film vor Augen gehabt hätten. Es war ein Abend der schönen Erinnerungen und vor allem der schönen Stimmen. Stefanie Eikelmann sang das Solo im genannten ABBA-Song und Erik Hille – Sohn eines Sängerehepaares – glänzte als Solist bei „Let it go“ aus dem Disney-Film „Die Eiskönigin“.

Und als wäre der Abend nicht schon brillant genug gewesen, gab es am Ende noch eine faustdicke Überraschung in Gold. Andreas Demuth – lange einer der Aktiven – war eigens aus Süddeutschland angereist, um Andreas Mlynek einen Oscar zu überreichen. „Am 23. März 2005 hast du deine erste Probe mit Da Capo gehabt“, erinnerte Demuth, und Mlynek staunte nicht schlecht. Seitdem habe es 434 Proben und 117 Auftritte gegeben.

„Das Rhythmusgefühl und deine Geduld mit uns habe ich immer bewundert“, sagte Demuth und überreichte die Auszeichnung. Und der sonst gelassene Mlynek strahlte und riss – ganz in Preisträgermanier – stolz seinen Oscar in die Höhe. Schöner hätte dieser Abend nicht zu Ende gehen können.

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