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Mit schwerem Gerät wird den verschneiten Bäumen im Taunus zu Leibe gerückt.

Straßen wegen brechender Bäume gesperrt

Chaos im Taunus

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Der für diese Jahreszeit „völlig überraschende“ Wintereinbruch in den Höhenlagen hat mal wieder viele Autofahrer kalt erwischt. Fürs Wetter sind nicht beeinflussbare Kräfte zuständig. Nur: Was ist mit dem gefährlichen Schneebruch? Wer kümmert sich um die Bäume im Taunus am Straßenrand? Schau’n wir mal.

Schneebruch, allein bei diesem Wortkonstrukt könnte man die Kettensäge bemühen. Schnee bricht nicht, er fällt. Oder taut. Bäume brechen wegen der Schneelast. Und genau diese Bäume haben gestern dafür gesorgt, dass Tausende Pendler nur wenig zum Bruttosozialprodukt beitragen konnten. Im Stau arbeitet es sich schlecht. Und der war kurz gesagt „mega“.

Gegen Schnee und Eis helfen Winterreifen und ein Fahrkurs beim ADAC. Gegen Bäume, die gerne mit Ästen werfen oder gleich ganz auf die Fahrbahn kippen, die Kettensäge. Oder? Jochen Kilian, Chef der Usinger Straßenmeisterei und Hüter der Straßen im Taunus, kann da nur seufzen. „Natürlich schauen wir, ob Bäume standfest sind oder Äste vertrocknet. Dann wird das Forstamt informiert. Wir sind aber nur für die Bäume direkt an den Straßen zuständig. Aber Bäume werden 30 Meter hoch. Wie breit soll denn eine Sicherheitsschneise sein?“ Er verweist auf die Forstämter und vor allem darauf, dass bei seinem Mitarbeiterstand derzeit gerade mal der Winterdienst gesichert sei.

Dann fragen wir also beim Forstamt nach – in diesem Fall die Königsteiner Damen und Herren. Chef der Truppe ist Ralf Heitmann, der gestern einen durchaus arbeitsreichen Tag hatte. Um 16 Uhr auf jeden Fall waren noch nicht alle Feldberg-Straßen offen. Immerhin: Der Weg über die Kanonenstraße (L 3004) war gegen Mittag wieder frei. Die Bundesstraße 8 bei Königstein hingegen war bis Redaktionsschluss noch gesperrt.

Blickt man hingegen mal aufs durchaus vergleichbare Gebiet am Hoherodskopf im Vogelsberg, sieht man, welche Maßnahmen auch möglich sind. Dort sind teils rechts und links der größeren Straßen Freiflächen bis zu 20 Meter abgeholzt.

„Nicht vergleichbar“, urteilt Heitmann. Denn im Taunus gebe es wesentlich mehr Straßen. „Und dann müssten wir 60 Meter breite Schneisen schlagen. Das ist wohl auch keine Lösung.“ Generell sei eine solche Wetterlage wie gestern nicht vorhersehbar. „Die fehlenden Frostnächte haben dazu geführt, dass die Laubbäume alle noch gut mit Blattwerk bestückt sind. Darauf bleibt der Schnee liegen, gefriert und schon kann der Ast die Last nicht mehr tragen. Normalerweise sind um diese Jahreszeit keine Blätter mehr an den Bäumen.“ Und man könne ja wohl nicht ernsthaft das Forstamt fürs Wetter verantwortlich machen. Schade eigentlich, wo wir Deutschen doch so gerne Schuldige suchen.

Natürlich reagiere das Forstamt sofort, wenn Gefahr bestehe, und beseitige nicht mehr standhafte Bäume schon vor dem Winter. Aber eine große Schneise entlang der Straßen? Undenkbar. Heitmann verwies auch darauf, dass es keine Gesetzeslage gebe, die Straßen auch über der Fahrbahn von Grün freizuhalten. „Wir müssen die Verkehrssicherheit gewährleisten. Wie – das bleibt die Sache der Forstämter.“ Und Bäume hätten eben die Eigenschaft, dem Licht entgegen zu wachsen, was im Wald die breiten Fahrbahnen bedeuteten.

Nun hat’s Dienstag wegen eines schwindsüchtigen Baums in Schmitten gekracht. Einer Frau fiel das mit Schnee behaftete Grün direkt vors Auto, sie fuhr rein und wurde leicht verletzt. Wer haftet? „Das ist immer eine Einzelfallentscheidung. Es muss nachgewiesen werden, dass der Baum nicht standfest war. Aber das kann doch nur schwer vorab festgestellt werden“, sagt Heitmann. Eine solche Wetterlage sei eben nicht planbar.

Nein, das sehen auch unsere Facebook-User so – allerdings verweisen sie auf die Möglichkeit, sich auf bestimmte Wetterlagen vorzubereiten. „Hat ja auch keiner vorhergesagt (das Wetter ). Der Winterdienst ist ein Witz. Da kann man nicht mal Bäume am Straßenrand beschneiden und Salz auf die Gasse hauen“, wettert ein User. Ein anderer witzelt: „Jedes Jahr wieder . . . Der Winter ist eine spontane Sache, kommt unvorhersehbar Ende des Jahres.“ Und wieder ein anderer sagt: „Wenn die Strecken in den letzten Tagen beobachtet worden wären, dann hätte das Amt Hessen Mobil schon Maßnahmen ergreifen können.“

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