Die Corona-Pandemie belastet die Vereine im Usinger Land. Noch sind die Mitglieder ihren Klubs aber treu.
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Die Corona-Pandemie belastet die Vereine im Usinger Land. Noch sind die Mitglieder ihren Klubs aber treu.

Pandemie

Corona-Krise setzt Sportvereinen zu – Sorge wegen langfristiger Folgen

  • vonAlexander Schneider
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Der Wegfall von Veranstaltungen wegen der Corona-Krise trifft vor allem Sportvereine. Sie sorgen sich wegen der langfristigen Folgen.

Usingen - Sport im Usinger Land? Zurzeit ein Problem. Die Sportvereine kämpfen sich durch die Krise, sind schon froh, dass ihnen die Mitglieder nicht in Scharen davonlaufen. Mit einer Ausnahme: Golf! Thorsten Göbel, Präsident des Golfclubs Taunus Weilrod: „Am Wochenende gab es keine Startzeiten mehr, so viel Betrieb war.“ Die Spieler seien aber alle sehr diszipliniert auf die Runde gegangen und hätten das Hygienekonzept in allen Punkten befolgt. „Unser Sport boomt zurzeit ein wenig, die Leute fühlen sich aber auch sicher, denn über die Startzeitenbuchung per Spielerausweis wissen wir immer ganz genau, wer wie lang da war und wer wen getroffen haben könnte“, sagt Göbel.

Anders die Lage beim TuS Weilnau. „Schlimm ist es für unsere Kinder, in den Hallen und im Sportlerheim geht gar nichts“, sagt Gabi Böff, Vorsitzende des TuS. Teamsport scheide trotz der Lockerungen ohnehin aus. Allenfalls ein paar Läufer könnten sich treffen, aber auch nur in Minigruppen. „Noch haben wir keinen Überblick, was uns die ganze Sache kostet. Trainerhonorare fallen zwar weg, das Gras wächst aber weiter“, so Böff. Die Mitglieder seien noch geduldig, corona-bedingte Austritte gebe es nicht, aber das Jahr sei ja auch noch nicht am Ende. Das nächste große Loch in der Kasse ist schon in Sicht. TuS und Feuerwehr haben nun die Fastnachtssitzungen offiziell abgesagt.

Spitzensport ist nicht möglich

Ferdinand Hnatkow, Vorsitzender der SG Anspach, hält die derzeitige Situation für sehr unbefriedigend, „als Ehrenamtlicher für die Mitglieder da zu sein, ist jetzt schwierig“, sagt er. Sportlich tut sich im Verein in diesen Tagen des Lockdowns so gut wie nichts. In den Abteilungen mache man sich zwar Gedanken, was in kleinsten Gruppen gehen könnte, Ergebnisse habe er aber noch nicht. Ein Problem sieht Hnatkow beim Badminton: „Unser Spitzenteam spielt in der Regionalliga länderübergreifend, schwierig ohne einheitliche Regeln der Länder untereinander, wenn in dem einen Land gespielt werden darf, im anderen aber nicht.“ Der Rückhalt der Mitglieder zum Verein und das Verständnis für die Maßnahmen seien noch sehr gut, Austritte hielten sich in Grenzen. Wie das weitergehe, wenn es mit dem November nicht getan sein sollte, wisse aber niemand, sagte Hnatkow, der sich auch Sorgen um die Vereinskasse macht: „Alle Veranstaltungen, das Pfingstturnier, die Auftritte des Musikzugs und der Kioskbetrieb bei unseren Spielen - alles fällt in diesem Jahr weg. Das merken wir schon jetzt massiv.“

Ähnlich sieht das auch Thomas Wagner, Vorsitzender der TSG Wehrheim. Die Geduld der Mitglieder sei groß und man plane auch für 2021 erstmal „ganz normal“, hoffe also, dass die Corona-Krise dann ein Ende hat. Das wäre schon wichtig, denn es gehe auch um das Trainingslager der Leichtathleten in Italien.

Kugelstoßer sind solidarisch und pausieren

Auf den Sportanlagen in Wehrheim laufe trotz der jüngsten Lockerungen derzeit aber gar nichts. Disziplinen wie Hammerwurf oder Kugelstoßen könnten zwar ausgeübt werden. Dennoch werde aus Solidarität den Vereinskameraden gegenüber, vor allem den Kindern, denen sportlich die Hände gebunden sind, darauf verzichtet, sagte Wagner. Auch sei der Erlass „Auslegungssache“.

Sinkende Mitgliederzahl

„Mannschaftssport geht momentan ohnehin nicht, die Hallen sind zu und auch sonst sind die Möglichkeiten, Sport zu treiben, sehr bescheiden“, sagt Matthias Drexelius, Chef der Usinger TSG. Individualsportlern im Klub sei es freigestellt, im Rahmen des Erlaubten zu trainieren, er verlange von ihnen aber ein Hygienekonzept. Ob Mitglieder davon Gebrauch machten, könne er noch nicht sagen. Problemlos laufe dagegen bei regem Zuspruch Online-Gymnastik. Eine Austrittswelle gebe es nicht, sagt Drexelius. Dennoch fehlten der UTSG 100 Mitglieder, darunter seien aber viele, die von Usingen weggezogen sind: „Das Problem ist, dass es jetzt kaum Neueintritte, die den Verlust ausgleichen könnten, gibt. Wer tritt in Zeiten wie diesen schon in einen Sportverein ein?“ (Alexander Schneider)

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