Die beiden Pitou haben Uli und Claudia Zwermann besonders ins Herz geschlossen.
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Die beiden Pitou haben Uli und Claudia Zwermann besonders ins Herz geschlossen.

Usinger Gnadenhof Zwermann ist Besuchermagnet

Das Interesse an Tieren ist gewachsen

  • vonTatjana Seibt
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Familie spricht über die positiven und negativen Corona-Folgen

Friedlich grasen die Lamas und Alpakas auf der Wiese am Haus von Claudia und Uli Zwermann. Wer den Stadtteil Wernborn verlässt und sich Richtung Eschbach begibt, der kann die Tiere schon von Weitem sehen. "Am Wochenende haben wir inzwischen sehr viele Menschen hier, die am Zaun stehen und die Tiere beobachten", erzählen Claudia und Uli Zwermann, die den privaten Gnadenhof Casa Zwermann betreiben.

Der hat auch in der Vergangenheit immer wieder Menschen dazu bewogen, stehenzubleiben, sich ungläubig die Augen zu reiben und genauer hinzusehen. Denn neben Lamas und Alpakas hüpfen dort auch fröhlich Kängurus, Ponys, Hunde, Esel und Gänse friedlich nebeneinander umher. Über 200 Tiere dürfen bei Zwermanns den Lebensabend verbringen.

Zeitlich und finanziell ist das für das Paar eine große Herausforderung, doch sie meistern sie, indem wirklich jeder Cent ihres Einkommens in die Tiere fließt. "Allein für die normale Unterhaltung sind das 2800 Euro", sagt Uli Zwermann, der das im vergangenen Jahr mal ausgerechnet hat. Außerplanmäßige Tierkosten, wie zum Beispiel für das alte Pony Fritzi, das zwei Wochen lang in der Uniklinik Gießen eine Box belegen musste, sind da noch nicht eingerechnet. Oder aber die Neuzugänge, die auch im vergangenen Jahr kamen, weil sie niemand wollte. Wie zum Beispiel Welpe Emma, die schnell vermittelt werden musste, aber auch noch intensive Pflege brauchte, "weil es wirklich nur eine Handvoll Hund war", sagt Claudia Zwermann. Das hat das Paar nicht kalt gelassen, und schon zog das kleine Hündchen bei ihnen ein.

Ein Spagat zwischen Wunsch und Möglichkeit

Alle Tiere, die ihnen angeboten werden, können sie nicht nehmen, wie zum Beispiel ein neugeborenes Lamm. Das haben sie dann allerdings erfolgreich vermitteln können. Anders hingegen ein Graugans-Paar aus Kransberg, dessen Besitzerin verstorben war und das sie auf dem Gnadenhof aufnahmen. "Tiere, die zu uns kommen, die dürfen auch bis zum Lebensende bleiben", betont das Paar. Deshalb stehen sie immer im Spagat zwischen dem, was finanziell und von ihrem Platz leistbar ist und dem Wunsch, kein Tier im Stich zu lassen.

Noch vor Corona gab's auch mal Unterstützungen von Menschen, die kamen, um sich die Tiere anzusehen. Das hat inzwischen stark nachgelassen, "denn wir können aufgrund der Pandemie nicht mehr einfach jeden reinlassen", erklärt Claudia Zwermann. Das sei sehr schade, denn auch das Paar hat Spaß daran, wenn sich Menschen für ihr Hobby interessieren und es unterstützen.

Was hingegen zugenommen hat, ist die Zahl der Zaungäste. Am Wochenende sei immer Betrieb, und Menschen stünden, um zu schauen. "Inzwischen bringen sie schon Klappstühle mit", sagt Uli Zwermann schmunzelnd. Auch würde vermehrt über den Zaun gefragt, was die Tiere brauchen, wie sie leben und warum sie da sind. Gerne informiert das Paar die Menschen. Während Corona habe das Interesse an Tieren wieder zugenommen, zumal die Zoos ja lange Zeit geschlossen waren. "Das haben wir schon gemerkt", sagen beide unisono.

Auf ehrenamtliche Helfer ist Verlass

Samstags ist bei Zwermanns Helfertag und Großputz. "Das ist sicherlich etwas sehr Positives, wir haben keine Helfer verloren", sagt Uli Zwermann. Ausnahme sei ein Mann gewesen, der privat mehr gefordert war, doch alle anderen seien mit Freude geblieben. Denn diese ehrenamtliche Arbeit habe den Menschen über Monate eine Struktur geboten "und sie konnten raus". Auch die Arbeit mit den Tieren sei eine sehr schöne, was den Menschen zusätzlich noch einmal Kraft in der schweren Zeit gegeben habe.

Kraft und Trost spenden, das war und ist auch in der Corona-Pandemie gefragt. Und ganz heimlich erfüllen die beiden deshalb auch noch große Herzenswünsche. Wie den einer älteren Dame, die besonders gerne Esel mag.

Da sie schwer erkrankt ist, gab es auch nichts mehr zu verlieren. Also durfte sie Zwermanns einen Besuch abstatten und einen Nachmittag lang mit den Eseln verbringen. Als sie auf einem Stuhl zwischen den Eseln saß, da seien ihr die Tränen gekommen. Ein Moment, der auch Zwermanns zu Tränen rührte. Zeigte er doch, dass das Glück, das sie selbst mit den Tieren empfinden, auch andere fühlen können.

"Das ist wie ein bisschen Therapie für die Seele", ist Uli Zwermann überzeugt. Und gerade das sei in den Zeiten von Kontaktbeschränkungen, Verlusten, und Ängsten so wichtig. "Wenn wir derzeit wenigstens das teilen können, dann ist doch schon wirklich viel erreicht", ist das Paar überzeugt. Tatjana Seibt

Mehr Infos . . .

. . .zum Gnadenhof gibt es sehr bilderreich unter https://casa-zwermann.jimdofree.com.

Zweieinhalb Wochen musste das Pony vom Gnadenhof Zwermann tierärztlich versorgt werden.

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