Leerrohre fürs Internet: Jetzt haben die Usinger die Möglichkeit, Glasfaseranschlüsse zu bekommen - wenn genügend Bürger mitmachen.
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Leerrohre fürs Internet: Jetzt haben die Usinger die Möglichkeit, Glasfaseranschlüsse zu bekommen - wenn genügend Bürger mitmachen.

Usingen

Der Glasfaserausbau in Usingen und seine Kosten

Investition ins schnelle Internet ist auch ein Stück Investition in die Zukunft - ein Erklärstück

Usingen -Alle reden vom schnellen Internet per Glasfaser. Die Stadt hat nun das Unternehmen Deutsche Glasfaser (DG) als Partner für die Gesamtstadt ausgedeutet, um die Bürger ins schnelle Internet zu bringen. Das hört sich gut an. Und wer riesige Datenmengen durch die Leitung schickt, kommt sicher an einem Anschluss kaum herum. Aber: Was sind "riesige Datenmengen"? Und was kostet der Spaß am Ende für Otto Normalbürger. Fragen, die inzwischen bei Online-Terminen der DG erläutert wurden.

Die Kosten

Beginnen wir mit dem wichtigsten Faktor, Kosten. Erfreulich: Durch Förderung von Land und Kreis ist die Verlegung bis zur Hauswand kostenfrei. Na ja. Einmalig nimmt die DG für die "Anschlussbereitstellung" 69,99 Euro.

Nun kann man sich entscheiden, wie schnell man ins Internet möchte. 300 Mbit/s (Bitte Lesen Sie dazu auch beistehende Erklär-Box) als Grundtarif kosten in der ersten 12 Monaten 24,99, ab dann 44,99 Euro. Gleiches gilt für 400 Mbit/s, ab 600 Mbit/s sind es dann ab dem zweiten Jahr 79,99 Euro. Beim Tarif DG Giga 1000 mit Highspeed-Internet von bis zu 1000 Mbit/s werden ab dem 13. Monat 89,99 Euro fällig. Mindestlaufzeit: 24 Monate.

Nun brauchts aber noch einen sogenannten Router, der, je nach gebuchter Variante zwischen 5 und 15 Euro im Monat kostet - nur Giga 1000 bietet den kostenfrei. Man kann aber auch selbst einen kaufen - oder mieten.

Wer dann noch Fernsehen möchte via Leitung der DG, zahlt auch zwischen 5 und 15 Euro monatlich - auch hier ist im Großtarif das Angebot kostenfrei. Hinzu kommen die "Baunebenkosten". Denn die DG legt das Kabel von der Straße bis ins Haus an den NT (Netzanschlussgerät). Von dort muss der Kunde dann den Anschluss an den Router bringen. Die eigentlichen Montagen macht die DG - außer den Router. Wer Glasfaser möchte, hat also neben den einmaligen Anschlusskosten von knapp 70 Euro im teuersten Fall monatlich 119,99 Euro zu zahlen.

Anschluss

Und: Es gibt natürlich Verluste. Wo 500 draufsteht, können eventuell nur 480 ankommen oder weniger. Denn wie bei einem Wasserschlauch der Druck mit der Länge der Leitung abnimmt, gehen auch hier Bits verloren. Das ist normal.

Die DG buddelt sich sozusagen durch Usingen. Finden sich genügend Nutzer, sind zehn Baukolonnen unterwegs, um die Wege und Straßen aufzubuddeln, Kabel zu verlegen und die Löcher wieder zu schließen. Das ganze bis Ende 2022.

Über 13 kleine Verteiler und einem etwa Garagen-großen Zentralverteiler gelangt dann das fixe Internet in den Haushalt. Von der Straße aus schießen die Mitarbeiter das Kabel unterirdisch an die Hauswand, bohren dort ein Loch ins Haus und verschließen dieses wieder wasserdicht. Dort installiert der Fachmann den NT. Von dort aus muss der Kunde dann seinen Router versorgen.

Braucht man's?

Die Frage kann nur jeder selbst im Rahmen seiner Nutzung beantworten. Zum einen ist natürlich die Geschwindigkeit unschlagbar. Aber: Wer lediglich ab und an Filme im Internet schaut (streamt), seiner Tante hin und wieder Fotos schickt und Kochrezepte herunterlädt, ist mit 100 Mbit/s gut versorgt.

Was, nebenbei, im Usinger Land vielerorts noch Luxus ist. Bei vier Kinder, die online lernen, Filme schauen oder Spiele laden, der Papa als Architekt Pläne verschickt und Muttern als Lehrerin im Chat Unterricht gibt, wird es dann aber schon eng. So als Beispiel: Filme via Internet schauen geht bei 100 Mbit/s ordentlich. Auch mehrere Filme gleichzeitig. Aber noch größere Datenmengen sorgen dann fürs "ruckeln" der Bilder. Für Gewerbetreibende, die per Internet Dienste anbieten, Kontakt zu Kunden halten, Videokonferenzen haben und eine aufwendige Homepage, Youtube-Werbefilme einstellen oder noch auf anderen sozialen Medien unterwegs sind, ist Glasfaser ein Segen. Vor allem bei Firmen, in denen Mitarbeiter das Netz nutzen.

Wie kommt man ran?

Und: Wer weiß, was die Zukunft bringt? Denn die digitalen Angebote explodieren derzeit und belasten das "alte Netz" extrem. Da auch die Nutzerzahlen deutlich klettern, nimmt die Leistungsfähigkeit des Netzes derzeit immer mehr ab.

Inzwischen hat die DG in Usingen ein Büro eingerichtet (Obergasse 24, Öffnungszeiten dienstags 12 bis 15 Uhr, 16 bis 18 Uhr, mittwochs 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr, donnerstags 9 bis 11.30 Uhr und 12.30 bis 15 Uhr), es gibt zusätzlich individuelle Beratungstermine für Usinger unter (0 28 61) 8 13 34 21, wer in Eschbach, Wernborn, Michelbach, Kransberg, Merzhausen und Wilhelmsdorf wohnt, wählt (0 28 61) 8 13 34 20.

Voraussetzung für den Ausbau ist, dass sich bis zum 26. Juni mindestens 40 Prozent der Haushalte in Usingen für einen Vertrag mit Deutsche Glasfaser entscheiden und diesen abschließen. Wer damit liebäugelt, sollte jetzt zuschlagen: Ist die Ausbauphase erst mal abgeschlossen, kann zwar jeder sich auch danach noch anschließen lassen, aber dann für viel Geld. Den durch die Förderung von Land und Kreis sind die Arbeiten auf den Straßen derzeit für die Kunden kostenfrei. Spät-Entscheider zahlen dann aber die komplette Baumaßnahme selbst. Was schnell dick vierstellig wird.

Gewerbeangebote

Im Gewerbegebiet Achtzehnmorgenweg und Riedwiese sowie im Gewerbepark Südtangente haben die rund 150 Unternehmen die Chance, sich kostenlos ans Gigabit-Hochgeschwindigkeitsnetz der Telekom anschließen zu lassen. Wenn sich bis zum 1. August mindestens 30 Prozent der dort ansässigen Firmen für einen Glasfaseranschluss der Telekom entscheiden, werden die Gewerbegebiete ausgebaut.

Zudem erhalten die Firmen den Einbau des Gigabit-Anschlusses ohne zusätzliche Kosten. Das Angebot auf Glasfaser reicht vom asymmetrischen 100 MBit/s-Geschäftskundenanschluss über den symmetrischen 1 GBit/s-Anschluss bis hin zu direkten Übertragungswegen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 GBit/s.

Die Telekom wird dafür mehr als zehn Kilometer Glasfaser verlegen und die Unternehmensstandorte direkt an das Glasfaser-Netz anbinden.

Mehr Infos unter (08 00) 3 30 67 09 oder per mail an vollglas@telekom.de.

Die Sache mit den Bits und Bytes

Um die Geschwindigkeit einer Internet-Verbindung zu definieren, wird die Datenübertragungsrate genutzt, also was fließt an Daten in der Sekunde (s) durch die Leitung? Als kleinste Daten-Einheit dient das Bit (b). Eine mögliche Beschreibung der Internet-Geschwindigkeit wäre somit 100 Bit pro Sekunde, kurz 100 bit/s. Da ein Bit jedoch sehr klein ist, werden solche Geschwindigkeiten oft in MBit/s gemessen. Für noch höhere Geschwindigkeiten gibt es die Bezeichnung GBit/s. Das "M" steht dabei für Mega, das "G" für Giga. Vergleichbar sind Bit, MBit und GBit mit Gramm, Kilogramm und Tonnen. Bei der Internet-Geschwindigkeit lohnt sich einfach die Angabe in MBit. Personen lassen sich auch in Gramm oder Tonnen wiegen, in Kilogramm macht die Angabe jedoch am meisten Sinn. 1 000 000 bit/s entsprechen einem MBit/s. Internet-Anschlüsse werden in der Regel mit einer Leistung von 6000 bis zu 100 000 kbit/s (Kilobit), also 6 bis 100 MBit/s angeboten.

Aber: Die Größen von Dateien werden auf einem Computer stets in Byte und nicht in Bit angegeben. Es handelt sich einfach nur um das achtfache. Bei einer Geschwindigkeit von 8 MBit/s werden demnach 1 MByte an Daten pro Sekunde befördert. Von Andreas Burger

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