Er ist neben der Dürre das große Übel für den Wald: der Borkenkäfer.
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Er ist neben der Dürre das große Übel für den Wald: der Borkenkäfer.

Weilroder Förster schlägt Alarm

Die Borkenkäfer fliegen wieder

  • vonAlexander Schneider
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USINGER LAND Thomas Götz zeigt Galgenhumor: Ungeziefer frisst sich die Nahrungsgrundlage selbst weg

Ende Februar kratzten die Temperaturen an der 20 Grad-Marke - das erfreute zwar das Pandemie-geplagte, ins Freie drängende Volk, nicht aber die Förster, denn die sind alarmiert: "Drei Tage lang 15 Grad, und schon sind sie wieder am Fliegen, ja, es geht schon wieder los, und wir haben kaum eine Chance, die neue Käferflut aufzuhalten", sagt , stellvertretender Leiter des Forstamtes Weilrod, Thomas Götz.

Im November des letzten Jahren haben sich Myriaden von Borkenkäfern in verschiedenen Entwicklungsstadien entweder unter der Rinde der Fichten oder in der Bodenstreu zur Winterruhe begeben und werden nun von den für Ende Februar ungewöhnlich hohen Temperaturen geweckt. Götz: "Adulte Käfer überleben bis zu 20 Grad minus problemlos und bei Jungkäfern werden auch nur 20 bis 30 Prozent von der Kälte abgetötet." Wissenschaftliche Studien, bei denen Käfer, auch Käferlarven, mehrmals eingefroren und wieder aufgetaut wurden, belegen das.

Dass Problem dabei: Es gab im Herbst Unmengen erwachsene Käfer, die jetzt in rauen Mengen ausfliegen und ihr Werk vollenden wollen". 70 bis 80 Prozent der Fichtenbestände in den Taunuswäldern sind dem Käfer bereits zum Opfer gefallen. "In den höheren Lagen sieht es etwas besser aus, weiter unten jedoch machen wir uns keine Hoffnungen mehr, den Rest noch retten zu können", sagt Götz, den nun veröffentlichten nationalen Waldschadensbericht hat er im Ohr: "Wir liegen mittendrin, genau im bundesdeutschen Mittel, es ist katastrophal."

Markt für Fichtenholz hat sich stabilisiert

Zwar werde man im Bereich Wehrheim, Mauloff und Obernhain jetzt im Frühjahr verstärkt Monitoring betreiben, um frisch befallene Bäume frühzeitig zu erkennen und "mit den Käfern an Bord" aus dem Wald zu holen. Ziel ist es, zu verhindern, dass vielleicht noch gesunde Nachbarbäume durch Umsteigen der Käfer, die einen Aktionsradius von vier Kilometern befliegen, befallen werden. Auch lasse sich Fichtenholz momentan wieder zu besseren Preisen und auch in größeren Mengen vermarkten, erklärt Götz.

Letzten Endes werde es jedoch ein Kampf gegen Windmühlenflügel, befürchtet man beim Forst. Immerhin, aber das klingt aus dem Mund eines Försters fast schon zynisch, werde sich das Thema Borkenkäfer spätestens im nächsten Jahr von ganz alleine lösen, "dann dürften auch die letzten Fichten gefällt sein", sagt Götz, es klingt nach Galgenhumor.

Der Käfer werde in seiner Not dann zwar versuchen, Douglasien zu befallen, damit aber wenig Erfolg haben. Der Harzdruck bei Douglasien ist höher als bei Fichten, so dass die Käfer vom Harz getötet werden: "Die Populationen werden dann binnen relativ kurzer Zeit zusammenbrechen."

Forstwirtschaftliche Katastrophe

Besonders bitter werde der großflächige Verlust an Fichten für Forstwirtschaftsbetriebe wie dem Nassauischen Zentralstudienfond, dessen Wälder bisher zu 40 Prozent aus Fichten bestanden haben, von denen in absehbarer Zeit aber kaum noch etwas übrig sein werde, "forstwirtschaftlich eine Katastrophe, die nächsten zehn, fünfzehn Jahre wird dort kein Geld mehr verdient, denn bis die teure Wiederaufforstung wieder erste Erträge bringt, vergehen Jahrzehnte", befürchtet Götz. Erste "zarte" Durchforstungsmaßnahm in jungen Buchenbeständen könnten frühestens in 30 Jahren beginnen, "30 Festmeter pro Hektar, mehr kommt dabei nicht rum und mehr als Industrie- oder Energieholz wird es auch nicht sein", erklärt Götz die frühe Entnahme als notwendige Maßnahme, die Zukunftsbäumen Luft und Licht verschaffe.

Besonders spannend wird es in den nächsten Wochen bei den Buchen, denn deren kollektives Sterben hat im Herbst ebenfalls begonnen. Durch die Trockenheit und den "Sonnenbrand" haben auch diese Bäume stark gelitten. Ihre Rinde hat Risse, die zu Eintrittspforten für Pilzsporen geworden sind. Die schwirren immer und überall in der Luft umher, können aber nur über Wunden ins Holz eindringen und es zersetzen. Götz: "Wir müssen abwarten und schauen, wo es im Frühjahr wieder grün wird." Alexander Schneider

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