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Die große Sause fällt verhalten aus

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Von: Evelyn Kreutz

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Turmbesteigung durchs bemalte Treppenhaus: Kurt Hohmann, Hajo Scholz, Anneliese Schönfelder und Sabine Heinze aus Frankfurt.
Turmbesteigung durchs bemalte Treppenhaus: Kurt Hohmann, Hajo Scholz, Anneliese Schönfelder und Sabine Heinze aus Frankfurt. © Evelyn Kreutz

120 Jahre Feldbergturm: Brandschutzauflagen sind ein großes Thema

Usinger Land -Dicker Nebel umwaberte am Samstag das Feldbergplateau. Nur wenige Ausflügler hatten sich auf den Weg hinauf auf den Berg gemacht. Vor 120 Jahren war das anders. Am 12. Oktober 1902 um 12 Uhr bevölkerten der Überlieferung zufolge mehr als 10 000 Personen den Berggipfel. Zur Einweihung des Aussichtsturms waren nicht nur die Zweigvereine des Taunusklubs, fast alle Bürgermeister der Taunusstädte und -dörfer sowie die Landräte gekommen. Auch zahlreiche Bürger und Persönlichkeiten aus Frankfurt wohnten damals der Feierstunde bei.

Das Feldbergwetter hielt zum Bedauern von Wolfgang Lenz, dem zweiten Vorsitzenden des Taunusklub-Stammklubs, die Teilnahme an der Feier zum 120-jährigen Bestehen stark in Grenzen. Nur wenige Frankfurter und andere Tauniden beteiligten sich an der geführten Wanderung von der Hohemark über den „Jubiläumsweg“ zum Gipfel. Oben böllerten zum Auftakt der kleinen Feierstunde Mitglieder der Kanoniergesellschaft Oberreifenberg, die von Freunden der „1. Frankfurter Böllerschützen“ unterstützt wurden.

Produkt kaiserlicher Burgenromantik

Im Eingangsbereich des Turms enthüllte Lenz im Beisein von Alexander Simon, dem Vorsitzenden des Taunusklub-Gesamtvereins, Landrat Ulrich Krebs und Schmittens Erstem Beigeordneten Hartmut Müller (beide CDU), die Tafel, die 1902 zur Einweihung angefertigt worden und jahrzehntelang verschollen war. Im untersten Gemeinschaftsraum dankte Simon im Beisein einiger Wanderfreunde dem Kreis, den Zweigvereinen und den Kommunen für ihren unermüdlichen Einsatz für den Aussichtsturm.

Mit einem Blick auf die Anfänge stellte der Vorsitzende fest: „Es waren bewegende Zeiten damals, getragen von dem Gedanken und dem Willen, diesen Turm zu errichten.“ Rekordverdächtig sei, wie der Turm unter den damaligen Bedingungen in Handarbeit entstanden ist, um für alle Zukunft ein Wahrzeichen zu schaffen. Die ursprüngliche Mittelalterarchitektur als Produkt der kaiserlichen Burgenromantik hat laut Simon zwei Weltkriege überstanden, aber Archiv und Bibliothek gingen unwiederbringlich verloren.

Simon hob hervor, dass der Taunusklub nie Eigentümer des Turmes war und bis heute keine dinglichen Rechte habe. Das habe den Verein aber nie daran gehindert, erhebliche eigene finanzielle Mittel und unzählige Arbeitsstunden seiner Mitglieder in das Bauwerk zu investieren. Inzwischen ist der Hessische Rundfunk Eigentümer. Simon: „Seine Strahlkraft hat der Feldbergturm nicht nur durch die Antennen, sondern auch durch die Wanderbewegung.“

„Der Turm ist von überall zu sehen und steht für die Taunusbegeisterung“, meinte der Landrat und stellte fest, dass dies das ohne das Engagement des Stammklubs nicht möglich gewesen wäre. Krebs wandte vor allem seinen Blick in Richtung Zukunft. Weil es Probleme mit dem Brandschutz gibt, darf der Taunusklub, der bereits einen Teil der Innensanierung gestemmt hat, derzeit bis auf den Kiosk den Turm nicht benutzen. Auch die Aussichtsplattform ist nur einzeln begehbar, wenn nicht wie am Samstag die Freiwillige Feuerwehr Niederreifenberg als Brandsicherheitsdienst im Einsatz ist.

HR soll sich beteiligen

„Bauliche Maßnahmen für den Brandschutz sollten wir über Sponsoring in den Griff bekommen“, stellte der Landrat in Aussicht. Er machte aber auch deutlich: „Wir erwarten natürlich auch einen entsprechenden Beitrag des Eigentümers.“ Wie Lenz auf Anfrage mitteilte, wurden schon mehrere vom Stammklub vorgeschlagene Bauvorhaben aus den verschiedensten Gründen abgelehnt. Vom HR kämen nur sporadisch Informationen, was möglich sei. „Ursprünglich waren mal 300 000 Euro für den Brandschutz im Gespräch, aktuell sind es 130 000 Euro“, so Lenz. Bei Beteiligung des HR wäre diese Summe aus Sicht des Landrates zu stemmen.

Dies würde auch Müller begrüßen, für den der Aussichtsturm schon von Kindheit an nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel war, sondern auch ein Zeichen für Heimat. „Von wo ich auch komme, er weist mir den Weg nach Hause“, sagte er.

Seit Corona und der folgenden Schließung wegen der Brandschutzauflagen haben viele Tauniden ein Stück Heimat verloren. „Wir haben hier oben oft Advents- und Neujahrsfeiern veranstaltet“, erzählten Anneliese Schönfelder, Hajo Scholz und Sabine Heinze aus Frankfurt. Nach der Traditionswanderung im Januar träfen sich normalerweise alle Wanderer zur Erbsensuppe im Turm. „Ich musste in diesem Jahr 63 Anfragen für Übernachtungen von Wandergruppen absagen“, so Lenz. Auch er hofft auf eine baldige Lösung. VON EVELYN KREUTZ

Wolfgang Lenz (Taunusklub-Stammklub), Schmittens Erster Beigeordneter Hartmut Müller, Alexander Simon (Vorsitzender Taunusklub) und Landrat Ulrich Krebs (von links) vor der Plakette.
Wolfgang Lenz (Taunusklub-Stammklub), Schmittens Erster Beigeordneter Hartmut Müller, Alexander Simon (Vorsitzender Taunusklub) und Landrat Ulrich Krebs (von links) vor der Plakette. © Evelyn Kreutz

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