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Die Usinger Tafel Aufgetischt setzt stark auf Ehrenamtliche, die sich zum Glück auch melden. Jetzt fehlen aber noch Lebensmittel, die auch an Weihnachten bei Kindern für Freude sorgen.

Usinger DRK fehlen für die Tafel die kleinen Gaben für die vielen Kinder

Die Pandemie sorgt für fast leere Spendentöpfe

  • vonAndreas Burger
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Aufgetischt will den Kleinen zum Fest eine besondere Freude machen

Selten war ein Gedenktag so wichtig wie jener am Samstag - der Tag des Ehrenamtes. Und kaum ein Jahr hat besser gezeigt, dass es sehr viele Menschen sind, die kostenlos ihre Freizeit für andere spenden, teils sogar noch Geld mitgebracht haben - etwa in Form von Benzinkosten, um für ältere Menschen und Risikogruppen wegen der Pandemie-Einschränkungen einzukaufen. Oder die sich durch die Katastrophe im Wald plötzlich per Initiative ums Grün kümmern.

Das Rote Kreuz in Usingen kann ein Lied vom Einsatz der Ehrenamtlichen singen. In den beiden großen Bereichen, die auf Freiwilligkeit setzen müssen, kann die Liste der Helfer nicht lang genug sein. Da wäre zum einen die Abteilung Bereitschaft für Rettungseinsätze und Hilfeleistungen. "Gerade in diesem Bereich freuen wir uns über jeden, der Engagement zeigt und die Gruppe unterstützen will", sagte Usingens DRK-Chef Alexander Jackson. Auch wer keine Ausbildung hat, kann sich melden, denn das DRK bietet die entsprechenden Kurse und Lehrgänge gleich mit an.

Es ist immer was zu tun

Vor allem aber im Bereich der Usinger Tafel namens Aufgetischt ist der Einsatz der Ehrenamtlichen groß. Lebensmittel müssen von den Märkten geholt, sortiert und ausgegeben werden. Listen sind zu führen, die Verwaltung ist zu stemmen, der Einsatz der Ehrenamtlichen zu planen.

Birgit Hahn, die Aufgetischt leitet, ist mächtig stolz aufs Team. "Durch unseren jüngsten Aufruf, bei dem wir vor allem Helfer bei der Fahrerei suchten, haben sich eine ganze Reihe Bürger gemeldet, sicher auch coronabedingt. Denn viele sind auf Kurzarbeit oder haben gar keine Arbeit - und damit Zeit."

Was macht einen Ehrenamtlichen eigentlich aus? Da hat Hahn schon so ziemlich alles erlebt. Und am liebsten sind ihr die Menschen, die es einfach tun, ohne den großen Dank zu erwarten oder in dem Job eine Selbstbestätigung suchen.

"Alle Institutionen, die aufs Ehrenamt setzen müssen, kennen die verschiedenen ehrenamtlichen Typen." Da gibt es jene, die nach jedem Handschlag Streicheleinheiten brauchen. Andere, die das Ehrenamt als Erfüllung ihres Lebens sehen und entsprechend agieren.

Und dann wäre da noch die überwiegende Zahl jener Helfer, die die Arbeit machen, weil sie gemacht werden muss - ohne an sich selbst zu denken. "Und genau diese haben ich bei Aufgetischt dabei, ob als Fahrer oder bei der Ausgabe." Nur: Auch wer etwas mehr Lob für seine Tätigkeit benötige, sei willkommen, "es sei ja nichts Verwerfliches".

Birgit Hahn hat schon mal Ehrenamtlichen den Laufpass gegeben oder abgelehnt, gerade bei der Tafel. "Wir können zum Beispiel niemanden beschäftigen, der selbst Klient der Tafel ist", sagte sie. Und: Bei dem einen oder anderen Helfer war dann die Zuwendung von Lebensmitteln eher persönlich angesiedelt oder bei der Familie statt bei den Bedürftigen. "Aber das ist schon länger her", sagt sie schmunzelnd.

Der kleine "Weihnachtsbonus"

Ehrenamtlich heißt inzwischen auch oft, projektbezogen zu arbeiten. Also sich nicht länger binden zu wollen. "Alle sind bei uns willkommen. Und mancher, der bei Aufgetischt mitgeholfen hat, war am Ende beeindruckt, was hier an Arbeit geleistet wird."

Außer dem Dank ist nicht viel zu erwarten, wenn jemand seine Freizeit opfert. "Wir zahlen natürlich niemanden Geld", so Hahn. Das Äußerste sei, wenn sie persönlich die Helfer einmal im Jahr zum Essen einladen, wobei auch nur ein Teil der Getränke bezahlt werde. "Oder wir treffen uns mal zu Kaffee und Kuchen im privaten Rahmen."

Ehrenamt kann vieles ersetzen - aber kein Geld. Und genau darauf beruht bei der Tafel in diesem Jahr ein Problem, das vom Roten Kreuz nicht alleine gelöst werden kann.

"Wir haben knapp 200 Kinder in unserem Einzugsbereich der Tafel, die auf unsere Lebensmittel angewiesen sind. Bisher konnten wir jedes Jahr zu Weihnachten ein kleines Geschenktütchen packen und mit ausgeben. Aber in diesem Jahr haben die Hilfsorganisationen, die uns hier unterstützten, wegen der Pandemie und den ausgefallenen Veranstaltungen keine Einnahmen gehabt. Also können sie uns auch nicht helfen. Im Moment sind wir froh, wenn wir die eigentlichen Lebensmittel an alle ausgeben können", sagte Hahn.

Von dem kleinen Bonbon für die Kinder könne gar keine Rede sein. "Klar: Ab und an kommen Privatpersonen und bringen ein paar Süßigkeiten. Aber das Weihnachtspaket für die Kinder ist derzeit nicht drin." Aber: Gespendetes darf keinen Alkohol enthalten, der ist bei Aufgetischt außen vor.

Freuen würde sich die Aufgetischt-Gruppe auch, wenn für die Erwachsenen zu Weihnachten ein kleiner Zusatz möglich wäre. "Das kann ein Päckchen Kaffee sein oder Gebäck, Nudeln, Reis, alles, was bei den Märkten eben nicht so oft anfällt, weil das Verfallsdatum länger ist."

Wer helfen möchte: Birgit Hahn ist per Mail unter birgit.hahn-usi@t-online.de, der DRK-Chef Jackson unter drk-usingen@t-online.de zu erreichen.

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