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Marvin Müller fotografiert und dokumentiert für Wikipedia die Baudenkmäler Usingens.

Usingens Lexikon

Dieser Junge schreibt auf Wikipedia über Usingen

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Usinger Geschichte? Dafür interessieren sich doch nur Ältere und die wenigen Touristen, die sich in die einstige Kreis- und Residenzstadt verirren. Weit gefehlt: Ein CWS-Schüler füttert Wikipedia mit aktuellen Bildern und Texten über Usingens und Eschbachs Geschichte. Warum?

„Osingar“ – wer verflixt noch mal steckt hinter diesem Pseudonym? Die Namensgebung des Fotografen überrascht nicht weiter: Seit September tauchen seine Fotomotive im Internet auf der Seite der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia auf.

Und nicht nur dort ist Osingar aktiv: Auch auf den entsprechenden Seiten der Usinger Stadtteile sowie der von Ober-Mörlen und Weilburg haben seine starken Bilder die Wikipedia-Seiten deutlich aufgefrischt. Die TZ war neugierig und hat das Rätsel gelöst.

Wenn sie nur wüssten . . .! Die Mitglieder des Usinger Geschichtsverein – allen voran Fürst Walrad (alias Heribert Daume) – und die beiden Stadtarchivare Helmut Fritz und Gerd Velte können sich glücklich schätzen. Von wegen: „Die Jugend engagiert sich nicht und interessiert sich schon gar nicht für Geschichte“.

Osingar ist das Pseudonym von Marvin Müller. Der 17-Jährige nutzte die Zeit zwischen den Sommerferien und dem Mitte Oktober beginnenden einjährigen Auslandsaufenthalt in Spanien mit seiner neu entdeckten Leidenschaft, der Fotografie.

Die Nikon D3200 besitzt er schon seit zwei Jahren. Doch erst jetzt kam die digitale Spiegelreflex-Kamera so richtig zum Einsatz.

„Als ich die Wikipedia-Seiten von Usingen sah, überraschte mich, wie alt die Fotos waren. Auch die Inhalte sind zum Teil völlig veraltet. Darin wird Matthias Drexelius noch als Bürgermeister geführt“, berichtet Marvin von seiner Motivation, das Lexikon zu aktualisieren. „Ich mache das für Usingen und nicht für Wikipedia.“

Woher kommt überhaupt sein Interesse an der (Heimat-)Geschichte? 17-Jährige machen doch eigentlich eher einen Bogen um das staubtrockene Metier. Eines gleich vorneweg: Der Geschichtsunterricht in der Schule war nicht Auslöser. „Heimatgeschichte spielt da keine Rolle“, sagt Marvin. „Meine Eltern engagieren sich stark in Usingen. Zuhause sprechen wir immer wieder darüber, wie Usingen attraktiver werden könnte. Da ist doch so viel Potenzial.“

Ein Blick auf sein Elternhaus in Eschbach erklärt vieles: Ina Besemann-Müller ist lange Jahre schon im Förderverein der CWS aktiv und Ralf Müller bekanntlich der Vorsitzende des Usinger Gewerbevereins. Ganz entscheidend ist aber Marvins grundlegendes Interesse an Geschichte. „Zuerst interessierte mich europäische Geschichte, dann die deutsche Geschichte. Dann habe ich mich auch intensiv mit der Usinger Geschichte befasst“, sagt der Oberstufenschüler der CWS.

„Da sind viele große Persönlichkeiten. Neben Fürst Walrad, gehören auch August Hergenhahn, Christian Wirth und August Wilhelmj zur Usinger Geschichte.“ Allen voran ist der Internet-Chronist von Fürst Walrad fasziniert: als Retter und Förderer von Usingen. Er habe Usingen 1659 übernommen und bewusst hier seine Residenz und nicht in Neuweilnau errichtet. „Nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg und den Stadtbränden hat Usingen unter seiner Regie eine unglaubliche Blüte erlebt“, ist Marvin Müller angetan. „Er hat die Neustadt errichten lassen und mit der Ansiedlung der Hugenotten eine wirtschaftliche Blüte ermöglicht.“ Eines dürfte klar sein: Ohne frische Impulse des Gymnasiasten würde Usingens Geschichte auch weiterhin nur im Stadtarchiv und im Stadtmuseum nachzuschlagen sein.

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