60 Jahre Landjugend Wehrheim

Wie war das doch schön!

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Vor 60 Jahren wurde die Landjugend aus der Taufe gehoben. Von Jugend ist heute nicht mehr viel übrig, aber die Mitglieder wollen die Traditionen weiterpflegen.

Die Landjugend hat sich auf die Fahnen geschrieben alte Traditionen und Brauchtum zu erhalten. Das ist am 3. März genau 60 Jahre her. Sonnenwende, Erntedankmarkt, Theaterstücke für Jung und Alt von drei verschiedenen Gruppen, sind seither feste Veranstaltungen im Landjugendjahr. Kinder- und Erwachsenen-Volkstanzgruppen tragen hessische Tanzkultur in die Zukunft und die jährliche Feldrundfahrt bringt einer Bevölkerung die Landwirtschaft nahe, die in der hiesigen Region weiter abnimmt.

Albert Allendörfer, Fritz Weber, Ferdinand Löer, Ewald Sorg, Arnold Velte, Erwin Allendörfer, Helmut Michel, Gerhard Bender, Helmut Braum, Erich Kolaß, Julius May, Robert Werner, Robert Weber, Erhard Kolaß und Fritz Pinnow hatten bei der Gründung im Gasthaus „Zum Taunus“ eine große Portion Idealismus und Einsatzbereitschaft für die Jugend, von denen knapp die Hälfte in der Landwirtschaft groß wurde. „Wir sind eine freie, politisch unabhängige, überkonfessionelle Vereinigung junger Menschen auf dem Lande. Wir erstreben die staatsbürgerliche, berufliche und kulturelle Förderung und Weiterbildung der Landjugend. Unser Ziel ist die Persönlichkeit, die sich über alle Dinge eine eigene Meinung bilden kann, und die fähig ist, diese Meinung in der Gesellschaft zu vertreten“, so steht es in der ersten Satzung.

Der erste Vorsitzende war Fritz Weber, ihm folgte von 1956 bis 1962 Werner Störkel und nach Edwin Seng von 1964 bis 1985, lenkte und prägte der spätere Bürgermeister Helmut Michel die Geschicke des Vereins. Ihm folgten Martin Röske, Claudia Löhr, Carmen Velte-Hammen und Norbert Hartmann, die gemeinsam von 1995 an der Spitze standen, und seit 2008 ist Nicole Skibak Vorsitzende. 1958 wurde mit „Der Gänsebraten“ – von Helmut Michel selbst geschrieben – das erste Theaterstück aufgeführt. 1969 kam das Leistungsturnen hinzu, die Mitglieder spielten Fußball, 1972 stieß die Vogelschutzgruppe als Abteilung dazu und 1979 die Tanzsportgruppe, die heute noch aktiv ist.

1959 fand die erste Fahrt nach Luxemburg statt, später ging es nach Finnland, Schweden, Frankreich, Jugoslawien oder Ungarn, denn der Austausch mit Folkloregruppen im In- und Ausland war bis in die 1990er-Jahre heiß begehrt. „Damals sind junge Leute noch nicht überall in der Welt herumgereist“, erinnert die Vorsitzende. Deshalb sind die acht Folklorefeste, mit denen von 1970 an in unregelmäßigen Abstanden bis zu 300 Gäste aus dem Ausland in Wehrheim zu Gast waren, legendär. Aufgrund der veränderten Zeiten sind sie, obwohl es mehrfach Ansätze dazu gab, heute nicht mehr zu wiederholen.

1968 wurde die erste landwirtschaftliche Woche veranstaltet, die noch viele Nachfolger fand. Ein herausragendes Ereignis war es, als die Volkstanzgruppe im Jahr 1987 dem Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker in der Villa Hammerschmidt eine Erntekrone überreichen durfte. Im November dieses Jahres gründeten Carmen Velte-Hammen und Ulrike Fey die Kindervolkstanzgruppe, und 1990 fand der erste Erntedankmarkt auf dem Rathausplatz statt. Die folgenden Jahre sind von den Traditionsveranstaltungen, von zahlreichen ernsten und lustigen Theaterstücken, von Ausflügen und Begegnungen geprägt. Das 50-jährige Jubiläum im Jahr 2005 wird eine ganze Woche lang gefeiert. Hierbei gibt es auch die erste Kubanische Nacht. Großen Anklang finden auch die Mundartabende, welche die Landjugend zusammen mit dem Geschichtsverein veranstaltet. Ein großer Schlag ist 2009 der Tod des langjährigen Vorsitzenden Helmut Michel. Er habe sich in unvergleichlicher weise engagiert, sagt die Vorsitzende im Rückblick.

Auf ihrem Höhepunkt war die Landjugend im Jahr 1980 mit mehr als 600 Mitgliedern. Seitdem sinkt die Zahl, heute sind es knapp 300, ein Großteil ist älter als 30 Jahre. Dennoch möchte der Vorstand sich in Sachen Brauchtum weiter engagieren, auch mit weniger einsatzbereiten Kräften. Und der Begriff „Jugend“ ist ja in der heutigen Zeit dehnbar geworden, wenn 80-jährige sich noch nicht alt fühlen. Anlässlich des Jubiläums gibt es vor Beginn der Jahreshauptversammlung am Dienstag, 3. März, im Bürgerhaus 18.30 Uhr einen Empfang.

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