Wehrheim kämpft mit dem Verkehr im Ortskern

Und ab durch die Mitte . . .

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Dass Autos in den Ortskern fahren, ist ausdrücklich gewollt – immerhin sollen in der Mitte das Leben und der Handel pulsieren. Doch das bringt auch Probleme mit sich, die einige Wehrheimer nerven.

Das Verkehrsproblem im Apfeldorf kocht nicht, aber es schwelt. Wie berichtet hatten Anwohner des Obernhainer Wegs über die Belastung geklagt, ein anonymes Flugblatt warnte vor einer Zunahme des Schwerverkehrs durch das geplante Gewerbegebiet Wehrheim Süd. Am vergangenen Freitag lehnte das Parlament einen Antrag der Grünen ab, die ein Konzept für bestimmte Bereiche der Kerngemeinde forderten (Lesen Sie auch unten stehenden Bericht).

Derweil haben sich weitere Wehrheimer bei der TZ gemeldet. Sie verteufeln den Verkehr nicht, beklagen aber, dass die Gemeinde zu wenig unternehme, um die Einhaltung der Geschwindigkeitsbeschränkungen zu überwachen. Da werden Forderungen nach Blitzern laut – oder zumindest nach Geschwindigkeitsmesstafeln, wie etwa ein Exemplar in der Hauptstraße steht. Tenor: Da passiert zu wenig.

Das sieht Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) etwas anders. „Wir haben solche Anzeigetafeln, die immer wieder wechselweise an verschiedenen Punkten aufgestellt werden. Dabei gehen wir auch auf die Vorschläge der Bürger ein.“

Er werde die Thematik gerne an die Mitarbeiter im Ordnungsamt weiterleiten mit der Bitte, die Anlage dann auch gezielt im Obernhainer Weg aufzustellen. „Wir können anschließend entsprechende Daten über die vorhandene Software herausziehen und legen ja auch in entsprechenden zeitlichen Abständen entsprechende Auswertungen den Gemeindevertretern vor, wie auch zur letzten Gemeindevertreter-Sitzung ausführlich allen Beteiligten übermittelt.“

Die entsprechenden Geschwindigkeits-Anzeigetafeln (ohne Blitzer) werden laut Sommer in allen Ortsteilen konsequent aufgestellt, auch die Standorte wechseln. Und tatsächlich: Gestern dann die Meldung aus dem Rathaus, dass das Ordnungsamt als Reaktion auf die Anfrage der TZ in den kommenden Tagen eine solche Anlage auf Höhe des Altenheims installieren wird.

Allerdings sind auch die Tafeln nicht der Weisheit letzter Schluss, wie ein spontaner Ortstermin in der Hauptstraße am zweiten Ferientag zeigt. Dort zeigt das Exemplar vor allem eins: „Langsam!“ Interessanterweise sind es meist Fahrzeuge mit HG-Kennzeichen, die diese Botschaft empfangen – auswärtige Karossen halten sich häufiger ans Tempolimit. Die Beobachtung, dass die 30 Kilometer pro Stunde eher als Empfehlung gesehen werden, deckt sich mit dem, was die Passanten auf der Straße sagen.

Tenor: Lästig, ärgerlich, gefährlich – nicht nur in der Hauptstraße oder im Obernhainer Weg. Am Wallgraben warten die Radfahrer auf eine Entschärfung, ebenso am Ortseingang in der Pfaffenwiesbacher Straße, wo einst ein Blitzer stand, fahren viele Autofahrer „zügig“ in den Ort ein. Den bremsenden Effekt, den der Kreisel auf der Usinger Straße hat, erreicht die geteilte Fahrbahn lange nicht.

Apropos Kreisel: Dass es einen solchen ja auch mal für den unübersichtlichen Kreuzungsbereich von Haupt-, Oranien- und Bahnhofstraße geben sollte, ist bei den Wehrheimern noch nicht vergessen. „Nehme se des emal uff!“, bittet eine Passantin, nach den Verkehrsproblemen gefragt. Und tatsächlich, so lange ist das noch nicht her – noch im Bürgermeisterwahlkampf Ende 2013 hatten sich beide Kandidaten, Sitzmann und Sommer, dafür ausgesprochen, die Kreuzung zu entschärfen.

Doch der Kreisel wurde zur Sackgasse. Sommer rekapituliert: „Ein großer Kreisel schied bereits wegen Platzmangels aus. Dann wurde eine Lösung mit zwei „Mini-Kreisel“ in Betracht gezogen.“ Doch hätten Fahrsimulationen mit Lkw-Schleppkurven ergeben, dass die sogenannten „Mini-Kreisel“ durch die Lastwagen überfahren werden müssen. „Dies hätte baulich wiederum bedeutet, dass die „Mini-Kreisel“ mit der Oberkante Asphalt abschließen müssen – und das hätte in der Konsequenz verkehrstechnisch zu keiner Verbesserung geführt“, ist sich Sommer sicher.

Anlässlich eines Ortstermins mit den Vertretern des Hochtaunuskreises, Hessen-Mobil wie auch der Gemeinde Wehrheim wurde die Lösung mit der Einrichtung von „Mini-Kreisel“ durch Hessen-Mobil abgelehnt. Seitdem seien keine weiteren Planungen für diesen Bereich durchgeführt worden. Im gesamten „Prüfungs-Prozess“ waren die parlamentarischen Gremien eingebunden, es fanden auch Ortsbegehungen durch die zuständigen Ausschuss-Mitglieder statt.

Das bestätigt auch der Kreis, der wegen des Status der Bahnhof- und Hauptstraße als Kreisstraße als Kapitän mit im Boot sitzt. Für den ist das Thema wenig akut. „Das letzte Gespräch mit der Gemeinde hat im Mai 2013 stattgefunden. Seitdem gab es keinen Kontakt mehr, um das Projekt aufzugreifen/zu beleben“, erklärt Kreissprecherin Andrea Nagell.

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