Die evangelische Kirchengemeinde feierte erstmals einen live im Internet übertragenen Gottesdienst. Nun wird der Kirchenvorstand darüber entscheiden, ob diese kein Einzelfall bleibt, sondern die technische Grundausstattung dafür gekauft wird.
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Die evangelische Kirchengemeinde feierte erstmals einen live im Internet übertragenen Gottesdienst. Nun wird der Kirchenvorstand darüber entscheiden, ob diese kein Einzelfall bleibt, sondern die technische Grundausstattung dafür gekauft wird.

Live-Übertragung der Usinger Gottesdienste

Ein Experiment soll mehr Gläubige erreichen

  • vonMatthias Pieren
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Kirchenvorstand entscheidet über Investition in neue Live-Stream-Technik

Nein, die Höhe der Klickzahlen der ersten Live-Stream-Übertragung eines Gottesdienstes aus der Laurentiuskirche im Internet wird nicht darüber entscheiden, ob die evangelische Kirchengemeinde in die dafür notwendige Technik investiert. Andere Überlegungen werden dafür entscheidender sein.

Dennoch: Die auf Youtube ausgewiesenen über 200 Aufrufe für den ersten live im Internet übertragenen Gottesdienst haben die Verantwortlichen der Usinger Gemeinde positiv überrascht. Vorausgesetzt, dass Zuhause vor den Bildschirmen nicht nur eine Person die Live-Übertragung des experimentellen Gottesdienstes am vergangenen Sonntag verfolgt hat, wird die Zahl derer, die die Premiere gesehen haben, nochmals höher sein.

Gemeinsamkeit fehlt Gläubigen

Offensichtlich aber besteht eine Nachfrage an dieser Alternative für den Besuch eines Gottesdienstes. Für gewöhnlich - also vor der Corona-Pandemie - besuchen 40 bis 50 Menschen die Sonntags-Gottesdienste in der Kirche. "Wir erleben eine besondere Zeit, die wir so noch nicht erlebt haben", sagte Pfarrer Hans-Jörg Wahl bei der Begrüßung der "Fernsehzuschauer" und der rund 20 Besucher vor Ort in der Kirche. "Einschränkungen bestimmen unseren Alltag. Viele sagen, dass sie es nicht mehr aushalten. Der Verzicht auf so viele Dinge schmerzt."

Der Gemeindepfarrer leitete damit inhaltlich in den experimentellen Gottesdienst ein, der vom Pianisten Marcel Neeb und dem Künstler Pascal Decang, beide aus Usingen, bereichert wurde. (Lesen Sie mehr zu seiner Predigt und der musikalischen sowie künstlerischen Gestaltung in der morgigen Samstagsausgabe).

Die Mitglieder des Kirchenvorstandes (KV) verfolgten den Gottesdienst zum Teil im eigenen Heim bei der Live-Übertragung vor den Bildschirmen. Die anderen KV-Mitglieder waren als Besucher des Gottesdienstes in der Kirche. Sie nutzten die Möglichkeit, im Anschluss an den Gottesdienst mit René Einsiedel und Ergin Akbulak von TVE-Technik in Wehrheim über die technischen Voraussetzungen zu sprechen.

Besucherzahlen sinken

"Kirchengemeinden haben nach wie vor die Möglichkeit, unter Einhaltung eines klar mit dem Gesundheitsamt abgestimmten Hygiene- und Sicherheitskonzept Gottesdienste zu feiern - wenn auch mit einer deutlich reduzierten Besucherzahl in der Kirche", erläutert Michael Roßbach als Vorsitzender des Kirchenvorstandes. "Die evangelische Laurentiuskirche ist zum Glück so groß, dass wir Gottesdienste mit knapp 60 Menschen feiern dürfen."

Doch infolge der Pandemie sei auch die Besucherzahl der Usinger Gottesdienste auf 20 bis 30 zurückgegangen. Es gebe Gottesdienstbesucher, die aufgrund der persönlichen und der allgemeinen Situation derzeit nicht kommen. "Zudem gibt es andere Gemeindemitglieder, die aus Krankheitsgründen oder als Bewohner der Altenpflegeheimen nicht mehr in die Gottesdienste kommen", sagt Roßbach.

Wieder andere Gemeindemitglieder, zum Beispiel jüngere Eltern mit kleinen Kindern oder Angehörige von Pflegebedürftigen sowie weggezogene frühere Gemeindemitglieder wären auch froh, wenn sie die Gottesdienste aus der Usinger Kirche Zuhause mitfeiern könnten. Es gebe zudem engagierte Gemeindemitglieder, die aus unterschiedlichsten Gründen nur selten am Sonntagvormittag in den Gottesdiensten erschienen - sich aber dafür sehr wohl vorstellen könnten, einen Gottesdienst zeitversetzt zu Hause über das Internet abzurufen und ihn so nachzuholen. Die Predigten und der geistliche Zuspruch von Pfarrerin Doreen Stelter sowie Pfarrer Hans-Jörg Wahl zu sehen und zu hören ist für viele evangelische Christen der Usinger Gemeinde eben deutlich bedeutsamer als das "Wort zum Sonntag" im Samstagabendprogramm oder der Fernsehgottesdienst am Sonntagvormittag im Fernsehen.

Matthias Pieren

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