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In der Zitzergasse 10 in Usingen hatte früher Vivat-Immobilien seinen Sitz. Eine ganz andere Nutzung schwebt Steven Dören vor. Er will das Ladengeschäft zur Food-Manufaktur umbauen.

Usinger Land

Eine Food-Manufaktur für Usingen

Neue Geschäftsidee: Steven Dören will im April 2021 einen Bauernladen mit Delikatessenverkauf in Usingen eröffnen.

Usingen -Vom Küchenchef zum Geschäftsinhaber; Steven Dören möchte diesen Schritt wagen. Er plant die Eröffnung einer Food-Manufaktur in der Zitzergasse 10 in Usingen im April kommenden Jahres. Sie soll "MULK" heißen, das steht für "Marktplatz und liebevolles Kochen". "Ich spinne gerne mit Abkürzungen herum, und auf einmal war der Name einfach da", sagt Dören. Als künftige Zielgruppe sieht er zum Beispiel die Angestellten in Usingen, die auf der Suche nach einem gesunden Mittagessen statt Fast-Food sind.

Am Montag, 14. Dezember, startet der Koch mit einer Mischung aus Crowdfunding und Werbeaktion. Dafür habe er 10 000 Flyer gedruckt, die er in Wehrheim, Neu-Anspach, Weilrod und Grävenwiesbach verteilen werde - und zwar im Weihnachtsmannkostüm und unter Einhaltung der Corona-Regeln. Außerdem sind Dören und seine Freundin am Freitag, 18., und Samstag, 19. Dezember, 10 bis 20 Uhr, vor dem künftigen Ladengeschäft in der Zitzergasse anzutreffen und wollen ihre Idee erklären: "Ich suche 999 Menschen, die einen Genussgutschein kaufen." Mit ihm erhält der Besitzer zehn Jahre lang einmal jährlich ein Geschenkset für 22,50 Euro oder einen Verzehrgutschein in dieser Höhe. Pro Gutschein zahlt man 99,90 Euro, der Wert beträgt jedoch 225 Euro (mehr zur Flyer-Aktion unter www.mulk.shop).

Das Konzept, das er so ähnlich bei einer Brauerei entdeckt habe, sei mutig. "Aber ich kann garantieren, dass jeder Gutscheininhaber auch sein Geschenk bekommt", betont der 36-Jährige aus Naunstadt. "Ich bin Koch und kann immer alles selbst auch in Heimarbeit produzieren. Das Angebot ist durchkalkuliert - selbst wenn ich wieder als Koch arbeiten würde, würde es funktionieren", so Dören. Zudem habe er Rücklagen gebildet.

Der Koch hat viele Jahre in Hotels in Tirol gearbeitet und dort viel gelernt, aber auch viel Stress gehabt, der auch der Gesundheit nicht zuträglich war. Zuletzt, um wieder näher bei den Eltern zu sein, war er als Küchenchef der Wehrheimer Gastronomie Löwenherz tätig, bis er den Entschluss fasste, sich selbstständig zu machen.

English Breakfast und Pulled Pork

"Ich bin ein guter Koch und kann ziemlich viel." Und was er nicht könne, wolle er sich selbst beibringen - die Einflüsse der Mutter (Engländerin) werden jedenfalls spürbar sein. Er möchte im MULK English Breakfast anbieten, aber auch typische Pies und Marmeladen sowie Pulled Pork, Suppen, Soßen und Brühen (zwischen 5 und 15 Euro) sollen zum Mitnehmen bereit stehen - die Bandbreite ist groß. "Alles, was ich anbiete, verarbeite ich auch und alles, was ich verarbeite, biete ich auch an."

Für die angebotenen saisonalen Speisen möchte er nicht nur Obst und Gemüse aus dem Schrebergarten der Freundin in Grävenwiesbach verwenden, sondern denkt auch daran, älteren Mitbürgern mit großen Grundstücken voller Obstbäume eine Art Erntehilfe anzubieten - im Gegenzug gibt's Marmelade.

Die Theke bildet das Zentrum

Das MULK soll ein Bauernladen mit Delikatessenabteilung sein. "Es werden hauptsächlich die Produkte und Erzeugnisse regionaler Bauern verwendet", sagt Dören - Gespräche mit regionalen Erzeugern liefen bereits, im Frühjahr möchte er dann Entscheidungen treffen.

Rund 140 Quadratmeter sind die Räume in der Zitzergasse 10 (ehemals Vivat-Immobilien) groß. "Die Grundsubstanz ist da, jetzt muss noch renoviert werden", so Dören beim Rundgang über die Baustelle. Die Wände werden später mit abgeflämmtem Holz und Kupfer verkleidet und mit historischem Bauern-Werkzeug dekoriert; das erinnert an die Einrichtung von Hütten, etwa im Skiurlaub in Tirol. Das Ladengeschäft umfasst zwei Räume plus Küche sowie das Lager. Perspektivisch möchte Dören auch den Hinterhof für die Gäste öffnen. Im Zentrum und von drei Seiten erreichbar soll die Verkaufstheke/Essensausgabe stehen, rechts die Sitzplätze und links die Verkaufsregale. Über eine Treppe gelangt man nicht nur in die Küche, sondern auch in einen weiteren Raum. Die selbst eingezogene Wand zwischen diesem und der Küche will er mit einem Plexiglas versehen, so dass man ihm auch bei der Arbeit über die Schulter schauen kann ("wie im Lautenschläger in Frankfurt"). Ein Marmortisch für bis zu 15 Personen stehe im Zentrum des Raums. An dem Tisch finde die Produktion statt, aber er werde auch für mehrgängige Menüs vermietet. Von Nina Fachinger

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