Seit gestern läuft die Anhörung in Bad Camberg

120 Einwände gegen Windräder am Kuhbett

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Der mögliche „Kuhbett“-Windpark-Betreiber DunoAir will sechs Anlagen betreiben, könnte aber nach eigenem Bekunden mit fünf zurechtkommen, falls die Genehmigung entsprechend ausfiele. Jetzt läuft das Erörterungsverfahren. Die Bürger kamen gestern im Kurhaus von Bad Camberg zu Wort.

Regierungspräsidium Gießen, Naturschutzbehörde, Betreiber DunoAir: Zum Erörterungstermin im Kurhaus Bad Camberg hatten sie alle Fachleute geschickt. Rund 50 Bürger waren am Morgen gekommen, um ihre Einwände zu erläutern oder einfach zuzuhören. Geplant war ein Gespräch bis zum Abend. Schon am Mittag stand fest: Es wird heute eine Fortsetzung geben.

Beim Behördentermin geht es um das Abwägen von Fakten und rechtlichen Vorgaben. Das machten Katrin Kutschera, Verfahrensführerin beim RP, und Martina Wiegand, RP-Juristin deutlich. Neben einer Vielzahl von Einzeleinwendungen, die zum Teil schriftlich vorlagen und von den anwesenden Bürgern nochmals angesprochen wurden, ging es aber auch um Verfahrensschritte, Gesetze und Verordnungen. Gleich mehrfach kam der Vorwurf auf, diese seien überaltert, würden den jetzigen Gegebenheiten nicht gerecht. Dem widersprachen Kutschera, Wiegand und ihre Kollegen aus den Naturschutzbehörden. Neue Erkenntnisse flössen stets in die Regelungen ein.

Rund 120 Einwendungen seien schriftlich eingegangen. Auch der Erörterungstermin diene dazu, „uns aufmerksam zu machen auf Gegebenheiten, die vor Ort besser bekannt sind als bei uns, die sonst vielleicht nicht so berücksichtigt würden“, sagte Kutschera.

Die Visualisierungen, die Marc Wiemann, zuständig bei DunoAir für die Windpark-Planung präsentierte, gaben einen weiteren Eindruck. Bürger aus Hasselbach und dem Bad Camberger Stadtteil Schwickershausen äußerten sich kritisch. Reinhold Kilb, ehemaliger Ortsvorsteher von Hasselbach und Sprecher der BI Rennstraße, fragte wiederholt nach dem rechtlichen Rahmen. Kutschera machte deutlich: „Es gibt einen sehr engen Bewertungs- und Entscheidungskorridor.“ Oft sei das Argument zu hören, „die entscheiden sowieso, wie sie wollen“. Doch die Behörden träfen keine Ermessensentscheidungen. Auch sei es „mittlerweile üblich, dass sowohl Genehmigungs- als auch Ablehnungsbescheide beklagt werden. Das kommt relativ häufig vor“. Damit müssen die Behörden möglicherweise auch hier rechnen, denn eine ganze Reihe Fragen ging in diese Richtung. Joachim Weimer sprach von fehlenden Unterlagen wie der Eingabe der Deutschen Flugsicherung. Darauf hatte auch Weilrods Bürgermeister Axel Bangert (SPD), der nicht beim Erörterungstermin war, sondern die Stellungnahme der Nachbargemeinde schriftlich abgegeben hatte, hingewiesen: Die Störeinwirkung der Anlagen auf das Funkfeuer Limbach sei deutlich überschritten. Die Stellungnahme liege vor und werde berücksichtigt, so Kutschera.

Auch das subjektive Empfinden spielt eine Rolle, wie es beim Stichwort Lebensqualität zum Ausdruck kam. Dr. Thomas Wilde aus Hasselbach sprach von sinkenden Grundstückspreisen durch die Windräder, die die Landflucht vorantrieben. Dies unterstützte Ulrich Graßmann aus Schwickershausen. Er überlege, wegzuziehen, eine weitere Familie ebenfalls. Er sei wegen der Windräder von Cratzenbach ins Kuhbett umgezogen, sagte Hartmut Rühl. Er bemerke erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen, nicht nur in nächster Nähe der Windräder. Er sprach von Schmerzen in der Brust und Übelkeit, durch die Windkraftanlagen verursacht.

Claudia Bröcker vom RP Gießen stellte die Frage nach den Ursachen von Landflucht: „Vielleicht liegt es auch an der mangelnden Infrastruktur?“ Auch Menschen, die an einer stark befahrenen Straße leben, haben Beeinträchtigungen in Kauf zu nehmen, erinnerte sie. Dafür gebe es den Vorteil der guten Anbindung.

„Welche Auswirkungen haben die Windkraftanlagen im Kuhbett auf Sie persönlich?“, fragte Joachim Weimer die Vertreter von DunoAir. „Keine“, antwortete Marc Wiemann. Er wohnt nicht dort. Aber: „Auch bei uns gibt es Windräder.“

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