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Der Umsatz bei Anja Homms „Augenweide und Geschmackssinn“ ging durch die Bauarbeiten in der Innenstadt Usingens zurück.

Obergasse

Einzelhändler: Umsatzrückgang wegen Baustelle

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Die Baustelle erreicht langsam, aber stetig das Herz der Stadt. Sie nähert sich Schritt für Schritt der Obergasse - zur Sorge einiger dort angesiedelter Einzelhändler. Manche machen ihrem Ärger deutlich Luft.

In der kommenden Woche beginnen die Bauarbeiten im Bereich des Alten Marktplatzes in Usingen. „Das wird zwei bis drei Wochen dauern. Danach wird zunächst vom Alten Marktplatz bis zur Zitzergasse gearbeitet, bevor es dann bis zur Obergasse weitergeht“, sagt Clemens Konieczny, Leiter des Tiefbauamtes der Stadt auf TZ-Anfrage.

Manchem Einzelhändler steht ob dieser Aussichten schon der Angstschweiß auf der Stirn. Zum Beispiel Ilona Nieten, die ihr kleines Geschäft „Modetreff“ in der Obergasse gegenüber vom Café Keth hat und sichtlich verärgert ist: „Usingen stirbt aus. Es ist ganz schlimm, ich hatte schon kein Weihnachtsgeschäft und der Januar war so grausam, dass ich den Laden besser zu gelassen hätte“, so Nieten. Schon die Aufgabe des Textilhauses Schäfer 2017 habe die Kundenzahl schrumpfen lassen.

Sie habe in diesem Jahr zwei Mitarbeiterinnen entlassen müssen, arbeite manchmal zwei Wochen für 200 Euro, sagt Nieten, die je ein weiteres Geschäft in Wehrheim und in Neu-Anspach hat. Die aktuell prekäre Situation führt sie auf die Baustelle zurück, jedoch auch auf den Zustand der Obergasse. Die Straße werde nicht ausreichend gekehrt, die Blumenkübel seien ungepflegt und „überall diese Lkw“.

Schnelles Arbeiten wichtig

Doch wie sieht es bei den anderen Geschäften in der Obergasse aus, die ja noch keine Baustelle ist? Bei Meyer-Optik von Rudolf Jenisch, Obergasse 8, herrscht reger Betrieb, ein ähnliches Bild zeigt sich in der Adler-Apotheke, Obergasse 13. Jenisch deutet nur an, dass er trotz Baustelle viel zu tun hat, mehr möchte er dazu nicht sagen.

„Wir merken es schon“, sagt hingegen Apotheken-Inhaberin Simone Hahn. „Die Leute fahren anders, versorgen sich anders, aber ich sage auch, dass die Straße gemacht werden muss. Die Frage ist, ob sich die Situation danach normalisiert“. Die Stammkunden kämen jedenfalls weiterhin.

Hahn betont: „Auf einer Großbaustelle sollte dann auch gearbeitet werden, das wäre wünschenswert.“ Mehr als der Zustand der Straße und Fußwege – „für Blumenkübel sind die Gehwege zu schmal“ –, stören die Apothekerin die leeren Häuser, „das sieht schmuddelig aus“. Auch die Parksituation sei nicht optimal, „die Parkplätze nutzen die Bauarbeiter – ansonsten werden sie aufgeschrieben“, sagt Hahn.

Bereits direkt neben der Baustelle arbeitet Anja Homm, Inhaberin von „Augenweide und Geschmacksinn“, Kreuzgasse 26. Auch ihr macht die Baustelle Angst. „Seit dem ersten Tag merken wir den Umsatzrückgang“, sagt Homm, die mit ihrem Modegeschäft im März Elfjähriges feiern kann (8,5 Jahre davon am aktuellen Standort). Ihre Kunden kommen aus dem Usinger Land und dem Vordertaunus, aber auch aus dem Wetteraukreis, aus dem Lahn-Dill-Kreis und Frankfurt, „Frauen im Alter von 8 bis 80“, beschreibt Homm, die ihren Schmuck selbst herstellt, ihre Kunden.

Schild am Fachmarkt

„Als die Buchhandlung nicht mehr da war, das haben wir sehr gemerkt“, sagt Homm zur allgemeinen Entwicklung in der Innenstadt. Das war 2016. Die Nähe zum Fachmarktzentrum mit dem Edeka habe noch nicht die erhoffte Laufkundschaft gebracht.

Viele wüssten schlicht nichts von der Treppe und dem Aufzug, der Kunden direkt zum Alten Marktplatz befördert. „Ein Schild am Fachmarktzentrum wäre gut, das auf den Fahrstuhl und die Geschäfte in der Kreuzgasse hinweist“, sagt Homm. Lobend erwähnt die 54-Jährige den Flyer mit allen Parkplätzen während der Bauphase, den die Stadt aufgelegt hat. Die Parkplätze am Alten Marktplatz fallen nicht weg, nur in den Zubringerstraßen.

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