Endlich läuft der Skilift an der Jugendherberge

  • schließen

Bei Bilderbuchwetter zog es am Wochenende wieder unzählige Wintersportler auf die Skihänge im Feldberggebiet. Die haben Glück, dass es Enthusiasten wie die Liftbetreiber gibt. Sie haben in den vergangenen Jahren draufgelegt und hoffen, dass es noch eine Weile genug Schnee gibt.

Am Skilift an der Jugendherberge herrscht am Wochenende Hochbetrieb. Teilhaber Frank Pirr kassiert selbst und knipst die Karten ab. Nach einer Stunde hat er eiskalte Hände und muss sich aufwärmen. Sobald die Ablösung da ist, nimmt er sich Zeit für ein Gespräch mit der TZ.

Am ersten Schneewochenende im Taunus stand der Lift noch still. „Wir mussten erst die Finanzierung sichern“, gibt er zu. Die Versicherung werde jedes Jahr teurer, und nach nur drei Tagen Betrieb im Vorjahr habe er mit seinen Teilhabern – Emanuel Henke und dessen Mutter – erst noch überlegt, ob sie in dieser Saison überhaupt investieren. Nicht nur Versicherung und TÜV kosteten. „Wir beauftragen auch jemanden, der uns zusätzliche Parkplätze frei schiebt“, erzählt Pirr. In der Hoffnung auf einen Skiwinter werde jeden Sommer die Wiese gepflegt, „auch mähen und mulchen kosten“.

Als reiner Hobby-Betrieb, der keinen Profit mache und nichts anderes wolle, als die Wintersporttradition im Taunus zu erhalten, bekämen sie von der Gemeinde, vom Regierungspräsidium, vom Naturpark Hochtaunus oder dem Taunus-Touristik-Service keinerlei Subventionen, erzählt der 61-Jährige. Der Ober-Mörlener erinnert sich noch gut an den Flop mit den Sommerski-Matten. Das Land Hessen habe 1973 satte 300 000 D-Mark in den Sand gesetzt. Im ersten Winter seien die Matten von den Skifahrern abrasiert und damit untauglich gemacht worden. In die Nordbahn habe das Land dann gar nicht erst investiert. „Übrig geblieben sind wir Enthusiasten, die den Skibetrieb aufrechterhalten“, sagt Pirr. Auf dem Hausberg der Frankfurter gebe es im Winter keine Attraktionen außer den 40 Jahre alten Liften. „Es ist ein Trauerspiel, wenn man sieht, dass es in der Rhön und sogar im Vogelsberg Top-Wintersportgebiete gibt.“

Pirr erinnert sich daran, wie er als 16-Jähriger mit seinem Vater und Henkes Großvater in den Liftbetrieb in Treisberg eingestiegen ist und sich dann in die Anlage an der Jugendherberge eingekauft hat. „Ein Geschäft war es nie, denn man muss auch regelmäßig Geld reinstecken“, beteuert der Krankenpfleger. Seinen Anteil in Treisberg, wo er mit dem Wintersportclub (WSC) Bad Camberg und einem weiteren Teilhaber zwei Lifte betreibt, würde er gerne verkaufen. Die Anlage in Treisberg wurde erst vor wenigen Jahren aufwendig erneuert, während das desolate Lifthaus in Oberreifenberg dringend saniert werden müsste. Aber nach mehreren defizitären Jahren hat Pirr kein Interesse, dafür auch noch sein Privatvermögen aufzubringen.

Im Vorjahr wurden zum ersten Mal nach 15 Jahren für den Lift an der Jugendherberge die Preise erhöht. „Aber es lohnt sich trotzdem“, findet Snowboarder Andreas Fischer aus Frankfurt und auch Franziska und Maria aus Oberreifenberg kosten den Skispaß voll aus. Wenn genug Schnee da ist, geht der Skizirkus an der Jugendherberge aber erst am Wochenende weiter, denn Montag bis Donnerstag ist der Lift geschlossen. Pirr und seine Mitstreiter nehmen erst am Freitag ab 14 Uhr wieder den Betrieb auf. Die Lifte in Treisberg und am Pechberg sind auch werktags ab dem frühen Nachmittag geöffnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare