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Erlebnisausstellung „Wanderlust“ eröffnet

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Von: Frank Saltenberger

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Stockmacher Rolf Meyer hatte zur Ausstellungseröffnung Sonderschicht und viel zu tun, um den Kindern einen Stock zu verpassen.
Stockmacher Rolf Meyer hatte zur Ausstellungseröffnung Sonderschicht und viel zu tun, um den Kindern einen Stock zu verpassen. © Frank Saltenberger

Knickerbocker und Holzstock statt Funktionsjacken und Karbonstäben. Eine Ausstellung zur Kulturgeschichte des Wanderns ist ab sofort im Hessenpark zu sehen.

„Wanderlust. Zwei Jahrhunderte Naturbegehung im Taunus“ heißt die mit Saisonbeginn Anfang des Monats eröffnete Sonderausstellung im Hessenpark, die mit dem Taunusklub zusammen anlässlich seines 150 -jährigen Jubiläums erstellt wurde. Im Februar 1868 wurde der Klub auf dem Feldberg gegründet und ist hierzulande immer noch der größte und bekannteste Wanderverein mit zahlreichen Zweigvereinen.

Zwei Jahrhunderte alt ist das Lied von der Wanderlust, die vom Dichter namens Wilhelm Müller dem Berufs-Müller in die Schuhe geschoben und im Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ 1823 veröffentlicht wurde. Waren Schusters Rappen in alter Zeit gerade für Gesellen das „öffentliche Verkehrsmittel“ Nummer eins, denn die waren zur Wanderschaft verpflichtet, so avancierte das Wandern mit einsetzender Romantik mit ihrer Entdeckung der Natur sowie der Entstehung bürgerlicher Vereine zum Freizeitvergnügen.

Einsatz neuer Medien

Das Wandern wurde durch Wandervereine organisiert und war Ausdruck freiheitlicher Gesinnung. Als Freizeitvergnügen hat es heute starke Konkurrenz bekommen, gegen die es sich zu behaupten gilt. So sorgen sich heute auch die Wandervereine um den Nachwuchs und das war Gegenstand einer kleinen Talkrunde zur Ausstellungseröffnung, an der, moderiert von Hessenpark-Mitarbeiterin Dr. Petra Naumann, unter anderem Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Jutta Nothacker, Geschäftsführerin der Stiftung Flughafen Frankfurt für die Region, sowie Gregor Maier als Hauptkulturwart des Taunusklubs teilnahmen. Neue Medien zu nutzen, um an die Klientel der Zukunft heranzukommen, war eine von allen mitgetragene Herausforderung, aber Maier warnte davor, nur auf die Jugend zu schielen. 70-Jährige dürften nicht zu Mitgliedern zweiter Klasse werden. Aufgrund der demografischen Entwicklung müssten auch die älteren Generationen und zunehmend Alleinstehende im Wandern und in Vereinen Gleichgesinnte und Geselligkeit finden, meinte er.

Holz ist das beste Material

In der Ausstellung wird die Kulturgeschichte des Wanderns, einschließlich wechselnder Naturvorstellungen in vielen Facetten beleuchtet. Und ohne Wanderstock geht es nicht: „Wer zwei Stöcke benutzt, rennt durch die Landschaft, wer einen Stock benutzt, genießt diese“, gab Rolf Meyer interessierten Besuchern eine Stockmacher-Weisheit mit auf die Routen. Und er erklärte, warum die Stöcke aus Holz den Karbon- und Alu-Stöcken überlegen sind. „Holz nimmt die Stöße auf, und das belastet die Schulter nicht.“

Die Ausstellung ist als Erlebnisausstellung konzipiert, es gibt verschiedene Routen, die, je nach Interesse, mit Rucksack und Stock ausgerüstet, „abgewandert“ werden können, und für die Rallye braucht man zum Punktesammeln unbedingt einen Wanderstab. Einige alte Exemplare sind auch zu finden und nach alter Sitte mit den Plaketten der besuchten Orte benagelt.

Souvenirs für Wanderer sind in Vitrinen zu bestaunen sowie alte Wander-Utensilien wie der Kompass, das Fernglas oder die Wanderkarte, die längst den Display-Geräten gewichen ist. Wie in Schulen das Wandern und die Natur vermittelt wurden, ist dargestellt, alte Besucher-Bücher des Taunusklubs mit Eintragungen früherer Feldbergbesucher sind einzusehen, und Erklärungen zum Thema Wandern sind über Kopfhörer oder visuell in einer Dunkelkammer abrufbar. Auch Randthemen wie das Beschildern der Wanderwege, die Korbflechtschule in Grävenwiesbach oder der Wegebau werden gestreift, und Spielstationen lockern den historischen Stoff auf.

Für ein naturnahes Wald-Ambiente sorgen die vielen Holzstapel, bis hin zu Baumstümpfen um eine Lagerfeuer-Illustration auf dem Boden.

Bis zum 2. Dezember

Die Ausstellung „Wanderlust. Zwei Jahrhunderte Naturbegehung im Taunus“ ist bis zum 2. Dezember des laufenden Taunusklub-Jubiläumsjahres zu den Öffnungszeiten des Freilichtmuseums in Neu-Anspach zu sehen. Ort ist die Stallscheune aus Asterode, Baugruppe Nordhessen.

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