Eva Arzt wird 90, von Ruhestand noch immer keine Spur. Sie vermisst aber vor allem den Kontakt zu Kindern, Enkeln und zu ihren Freunden.
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Eva Arzt wird 90, von Ruhestand noch immer keine Spur. Sie vermisst aber vor allem den Kontakt zu Kindern, Enkeln und zu ihren Freunden.

Usinger Künstlerin wird heute 90

Eva Arzt musste viele Rückschläge hinnehmen, ist aber immer wieder aufgestanden

  • vonFrank Saltenberger
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"Ein bisher überaus reiches Leben"

Die Malerin und diplomierte Modegrafikerin Eva Arzt wird heute 90 Jahre alt. In ihrem aktualisierten Lebenslauf schreibt sie zurückschauend: "Es war ein buntes, interessantes Leben, in das ich geraten bin. Es gab Höhepunkte und Niederlagen, wie sie überall geschehen, aber es war ein überaus reiches Leben".

Und bei der Schaffenskraft und Vitalität der Seniorin dürfte es noch lange weitergehen. Ein Abschnitt am Ende der Vita fällt auf: "Dann begann Corona und geht noch immer nicht fort. Wie alle freiberuflichen Künstler liegt auch hinter mir kein sorgenfreies Jahr. Die geplanten Auftragsarbeiten schrumpften zusammen, trotzdem gelangen einige Arbeiten". Dies wirft ein Licht auf die Schaffenskraft der Usingerin und auf die der freischaffenden Künstler aller Sparten schlechthin, ob in Corona-Zeiten oder nicht.

Dennoch, von Resignation, Verbitterung und Forderungen an den Staat, wie sie zurzeit aus allen Ecken kommen, keine Spur. Dabei hätte sie sogar Grund, von einer "gestohlenen Kindheit" zu sprechen, denn ihr Leben begann am 19. Februar 1931 in Hameln an der Weser. Im gleichen Monat wurden unter anderen James Dean, Thomas Bernhard und Boris Jelzin geboren, und das nationalsozialistische Unheil nahm fortschreitend seinen Lauf.

Gefragte Designerin

Als der Krieg ausbrach war sie acht Jahre alt, als Deutschland zusammenbrach 14: Man trug damals Gasmasken statt FFP2. "Krieg und Ende in Berlin. Schrecken und unvergessenes Grauen beim Einmarsch der Roten Armee", schreibt Arzt und weiter: " . . halb verhungert, erschöpft und schmutzig im Herbst 1945 die amerikanische Besatzungszone erreicht". Im Haus der verstorbenen Großeltern in Bad Sooden-Allendorf hatte die Familie eine neue Heimat gefunden. Ihr Bruder, ein junger Offizier, überlebte den Krieg nicht.

Nach dem Gymnasium studierte sie in Frankfurt am Main und schloss das Studium an der Hochschule für bildende Kunst in Offenbach ab. Dann begann ihr Berufsleben, und sie wurde eine gefragte Designerin.

Eine erste Ehe zerbrach. Eva Arzt arbeitete für Agenturen und bekannte Modehäuser und profitierte vom Wirtschaftswunder. "Das hört sich heute so einfach an, aber ich habe schnell gelernt: Fleiß, Disziplin aber auch Glück gehören dazu." Talent sei noch hinzugefügt.

Mit der Heirat des Künstlers Rudolf Arzt begann ein weiterer Lebensabschnitt, der dem Paar zwei Söhne schenkte. Man zog nach Schmitten-Oberreifenberg und nach zehn Jahren weiter nach Usingen, wo die Familie im alten Forsthaus in der Wilhelm-Martin-Dienstbach-Straße neue Wurzeln schlug.

Als Rudolf Arzt 1993 verstarb, und mit dem Auszug aus dem geliebten Forsthaus war sie zu einem weiteren Neuanfang verdammt. Aber es kamen immer wieder glückliche Momente und berufliche Erfolge: "Zu den schönsten Aufgaben gehörte die Ausmalung einer Gründerzeitvilla in Bad Homburg, verteilt über zehn Jahre", stellt sie heraus. Vor allem aber bereicherten acht Enkel ihr Leben nachhaltig.

Feine Feder ist gefragt

Noch immer ist die feine Feder der Grafikerin gefragt, und eine ihrer Spezialitäten sind inzwischen gemalte Lebensgeschichten. Den Usingern, Eva Arzt war auch Mitbegründerin des Kulturkreises Usinger Land, ist sie durch Motive aus der Geschichte der Stadt bekannt, mit denen sie zahlreiche Publikationen bereichert und der alten Residenzstadt mit historischem Wissen und Fantasie ein Gesicht gegeben hat. Viele ihrer Arbeiten schmücken private oder öffentliche Räume.

"Mit allen Menschen hoffe ich auf ein baldiges Ende dieser belastenden Zeit, vor allem, um meine Kinder, Enkel und Freude wieder umarmen zu können und mit ihnen noch ein Weilchen zu leben", so Eva Arzt. Dieser Wunsch sei herzlichst unterstrichen. Frank Saltenberger

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