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Seit 330 Jahren hat die Usinger Verwaltung hier ihren Sitz ? und Dank eines Bürgerbegehrens und einer umfassenden Sanierung wird das Rathaus auch im Fachwerkbau bleiben.

Der „ewige“ Verwaltungssitz

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In unserer Serie über alte Rathäuser und alte Schulen im Usinger Land schauen wir in die ehemalige Kreisstadt. Das Rathaus ist über 330 Jahre alt und noch heute in seiner ursprünglichen Funktion erhalten. Fast wäre es schon fünf Jahre nach dem Bau wieder zerstört worden.

Das alte Usinger Rathaus wurde im Jahr 1687 errichtet und wird heute noch als Rathaus genutzt. Mit dieser über 330-jährigen Geschichte ist es eine Besonderheit im Usinger Land.

Die Fachwerkkonstruktion wurde in einer Zeit erbaut, in der die Einwohnerzahl der Stadt langsam wieder anstieg. Denn im Dreißigjährigen Krieg war sie stark zurückgegangen. Sie lag 1648 gerade mal noch bei 225. Graf Walrad, dem Usingen, Grävenwiesbach, Alt- und Neuweilnau unterstanden, erhob Usingen zur Residenzstadt der selbständigen Grafschaft Nassau-Usingen und bestimmte es zugleich als Sitz der zentralen Verwaltung. Die Einwohnerzahl stieg bis zum Jahr 1698 auf immerhin rund 540 an.

Das Rathaus hat drei Geschosse. Im Erdgeschoss befand sich eine offene Halle mit Verkaufsständen, an denen die Usinger Bäcker beispielsweise ihr Brot verkauften. Damit wurde eine Tradition aus dem Spätmittelalter weitergeführt, in denen Rathäuser multifunktional genutzt wurden. Das Rathaus fungierte also nicht nur als Verwaltungsmittelpunkt der Stadt sondern auch als Ort der Marktverwaltung und Marktkontrolle. Im ersten Stock des Rathauses befand sich außerdem ein größerer Raum, der den Bürgern für Veranstaltungen zur Verfügung stand. Daneben gab es eine Ratsstube mit Kanzlei. Der zweite Stock wurde anfänglich nicht oder nur wenig genutzt.

Dort, wo sich heute das Rathaus befindet, stand zuvor ein spätmittelalterliches Gebäude, das als Mehl-Lager diente, berichtet Heribert Daume, Vorsitzender des Usinger Geschichtsvereins. Sieben Mühlen gab es zu dieser Zeit entlang des Stockheimer Bachs. Dieses Gebäude wurde abgerissen und 1687 das Rathaus errichtet.

Ein Teil der dafür verwendeten Balken stammt aus dem Jahr 1450, vermutlich aus dem zuvor abgerissenen Gebäude. Auch der unter dem mittlerweile geschützten Baudenkmal liegender Gewölbekeller, der zwischenzeitlich als städtischer Weinkeller genutzt wurde, stammt noch aus dem Vorgängerbau.

„Die Usinger Bürger waren immer sehr stolz auf ihr Rathaus“, sagt der Vorsitzende des Geschichtsvereins und erklärt weiter: „Es ist das schönste Rathaus zwischen Limburg und Frankfurt.“ Fast wäre es aber schon kurz nach dem Bau wieder zerstört worden. Als ein großer Stadtbrand 1692 halb Usingen in Schutt und Asche legte, stand der Wind allerdings für das alte Fachwerkgebäude so günstig, das die Feuersbrunst an ihm vorbeifegte.

Dass es noch heute als Rathaus dient, ist übrigens ein Verdienst der Usinger Bürger, die sich 1998 gegen den Vorschlag wehrten, das Rathaus an den neuen Marktplatz zu verlegen. Mit einer Unterschriftensammlung erklärten sie, dass sie ihr altes Rathaus an dem Ort, an dem es 1687 erbaut wurde, behalten wollen.

Doch auch wenn die Marktstände mittlerweile verschwunden waren: Eine Kommune mit 14 000 Einwohnern in sieben Stadtteilen und moderner Bürokratie lässt sich nicht auf dem selben Raum verwalten, der für einen 500-Seelen-Ort reicht. Und so bekam der alte Bau bei der umfassenden, bis Dezember 2001 währenden Sanierung einen kleinen Bruder an die Seite gesetzt, mit dem er heute architektonisch wie funktional komplett verschmolzen ist.

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