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Anja Wirth und ihr Mann Rolf sitzen im Wohnzimmer in Arnoldshain zusammen mit ihren Haustieren: Huhn Gisela, Kaninchen Berlioz, Golden Retriever Emma, Bluthund O?Melly und Katze Marie. Bei der Familie werden immer wieder Hühner im Haus aufgepäppelt.

Mensch und Tier unter einem Dach

Bei Familie Wirth wohnen frohe Hühner

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Die Hobby-Hühnerhalterin Anja Wirth aus Arnoldshain lebt mit ihrer Familie in einer glücklichen Tier-WG. Weniger glücklich ist sie allerdings darüber, wie schlecht Hobby-Züchter von Behörden über die neuesten Entwicklungen bei der Vogelgrippe informiert werden.

Gisela ist derzeit etwas unpässlich. Mit ihren neun Monaten ist sie eigentlich noch ein junges Hühnchen und damit noch keine Kandidatin für Alterswehwehchen. Die ältesten Hühnerdamen im Arnoldshainer Stall haben dagegen schon fünf Jahre auf dem Gefieder. Doch auch junge Hühner haben mal Probleme, deshalb lebt Gisela zurzeit im Haus. „Durch die Vogelgrippe müssen die Hühner im Stall bleiben und von außen kann ich nicht sehen, wie sie sich untereinander verhalten, ob sie Gisela ans Futter lassen, ob sie überhaupt frisst“, sagt die Arnoldshainerin Anja Wirth.

Die 48-Jährige hält gemeinsam mit Mann Rolf (61) und Tochter Emely (16) 15 Hühner in einem Stall im heimischen Garten. Zu den Tieren der Familie gehören außerdem noch die Katze Marie, die beiden Hunde O’Malley (Jagdhund) und Golden-Retriever-Hündin Emma, mehrere Kaninchen und ein Bartagame (gehört zu den Reptilien). Eine große Tier-WG, in der alle gut miteinander auskommen.

Im Hühnerstall selbst herrscht aber eine etwas andere Hackordnung als im Wohnzimmer. Die Schwächste im Hühnerstall, also Gisela, würde von den anderen fortgejagt werden. Dazu kommen die frostigen Temperaturen von bis zu minus 10 Grad nachts. „Sie ist seit drei Wochen im Haus und nun andere Temperaturen gewöhnt“, sagt Anja Wirth.

Auch die anderen Hühner, die von einem Hahn betreut werden, bleiben bei der Kälte lieber im 250 Quadratmeter großen Stall. Der drei mal drei Meter große Vorbau ist verwaist. Ihn hat Wirth mit einem dichten Netz wegen des Grippevirus (Influenza vom Typ H5N8) so geschützt, dass nicht mal ein Spatz durch die Masche passen würde. „Aber bei Sonnenschein sind die Hühner gerne draußen.“

Doch weder Sonne noch ein Ende der Geflügelpest sind in Sicht. Seit Ende November vergangenen Jahres herrscht wegen der Vogelgrippe Stallpflicht, voraussichtlich noch bis Ende Mai, sagt Wirth, die sichtlich frustriert ist darüber, wie wenig die privaten Hobby-Hühnerzüchter über aktuelle Entwicklungen beim Vogelgrippevirus informiert werden. „Ich bin beim Veterinäramt des Hochtaunuskreises gemeldet und bei der Tierseuchenkasse Hessen, aber mein Eindruck ist, private Hühnerhalter werden einfach nicht informiert.“

Dabei seien doch gerade sie die, die Tiere oft draußen im Garten halten würden und daher Informationen dringend benötigten. Denn infizierte Vögel in Hessen waren bisher primär Wildvögel, die quasi in jeden Garten gelangen könnten. „Das tut schon ein bisschen weh, weil es ja Möglichkeiten gibt, uns zu informieren“, sagt Wirth.

Die Arnoldshainerin ist mit Leib und Seele Tierfreundin. Sie behandelt etwa Hühner, die sich erkältet haben, im Badezimmer mit ätherischen Ölen. Das bereits betagte Huhn Miss Potter nächtigte einen ganzen Winter lang in einem Korb neben dem Ehebett. Und auch das Konsumverhalten ihrer Familie habe sich geändert.

Hähnchenfleisch kommt nur noch aus der eigenen Haltung auf den Esstisch, sonst gibt es nur sehr selten Fleisch und bevorzugt wiederum dann Wildfleisch aus der Region oder vom Metzger in der Nähe. „Es gibt aber kein festes Datum, wann wir ein Tier schlachten, mal sind es drei auf einmal und dann wieder länger keines“, sagt Wirth. Geschlachtet werden sie von Rolf Wirth, der als Konditor in Frankfurt arbeitet. „Sie werden alle hier geschlachtet. Sie sind es gewohnt, hochgehoben zu werden, bis zum Schluss wissen sie nichts“, sagt Anja Wirth.

Neben dem Fleisch werden auch Federn und Eier verarbeiten, etwa für selbst gebastelte kleine Feder-Engel. Die ausgeblasenen Eier bemalt Wirth, auch Eierlikör stellt sie selbst her.

Die Hennen, alles holländische Zwerghühner, dürfen die gelegten Eier auch ausbrüten. Wenn aber ein männliches Küken im Nest ausgebrütet wird, verbringt das jedoch mit Sicherheit weniger Zeit in Arnoldshain als die zum Teil schon fünf Jahre alten Hennen. „Unser Hahn ist zwar sehr gelassen, aber mehr als ein Hahn überlebt in keinem Hühnerstall“, sagt Wirth. Denn Hühner sind

Kannibalen

, Hähne dulden kein weiteres Männchen neben sich. Wenn alles gut geht, leben die beiden aktuellen Jung-Hähne noch bis zum Frühjahr harmonisch mit im Stall.

Im Haus selbst ist es wiederum immer harmonisch. Huhn Gisela wirkt nicht so, als ob es Angst hätte. Gerne faulenzt sie neben Emma oder läuft im Wohnzimmer herum, dort hängen an den Wänden von Anja Wirth selbst gemalte Bilder von Hühnern und Kühen. Ihren Schlafplatz hat Gisela im Obergeschoss des Hauses.

Für die Familie Wirth hat das Zusammenleben mit Hühnern im Haus allerdings auch seine Nachteile – die Tiere werden nicht stubenrein. Feuchttücher liegen deshalb immer griffbereit in der Nähe. (mit dpa)

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