„Fast täglich werden es mehr“

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Noch nie waren so viele Flüchtlinge in Schmitten untergebracht, und noch nie wollten so viele Bürger im Freundeskreis Asyl Schmitten mithelfen und sich um Menschen kümmern, die Zuflucht suchen. Aber ohne Strukturen und Unterstützung von oben geht es nicht.

Im Seniorentreff Silbergrau fanden kaum alle 45 Interessierten Platz. Wieder waren Bürger aus verschiedenen Ortsteilen dazugestoßen, die sich im Freundeskreis engagieren wollen, aber nicht wissen, wie, wo und wann.

Den Neulingen gab Initiatorin Ilona Fritsch-Strauß einen Rückblick über die bisherigen Tätigkeiten des Freundeskreises. Solange dieser klein und die Zahl der Flüchtlinge einigermaßen überschaubar gewesen sei, hätten schlanke Strukturen gereicht. Jeder habe mit angepackt: Fahrdienste, Deutschkurse, Begleitung zu Ärzten, Behörden oder Anwälten, Spenden sammeln und verteilen. „Den Integrationspreis des Hochtaunuskreises haben wir zwar nicht bekommen, aber eine Urkunde, quasi als Zertifikat für unsere Arbeit“, berichtete Fritsch-Strauß. Aus ihrer Sicht ist vor allem die menschliche Zuwendung wichtig.

Doch weil der Kreis zu wenige und die Gemeinde gar keinen Sozialarbeiter für die Flüchtlinge habe, müsse der Freundeskreis meist Aufgaben lösen, die eigentlich Sache der Behörden seien. „Wir sind eigentlich dafür da, die Menschen willkommen zu heißen, auch im Behördendschungel zu unterstützen und menschliche Kontakte herzustellen.“ Natürlich organisieren die Helfer schon mal Geschirr oder einen Kochtopf. Aber: „Wir übernehmen keine Arbeiten, für die der Vermieter oder der Kreis zuständig sind.“

Die Zahl der Flüchtlinge sei noch nie so hoch gewesen, und fast täglich würden es mehr, berichtete Rathausmitarbeiter Marius Müller-Braun. Die 27 Minderjährigen nicht mitgerechnet, seien es in Schmitten schon über 100 Menschen. „Für so viele Flüchtlinge müsste eigentlich eine hauptamtliche Kraft zur Verfügung stehen“, stellte Fritsch-Strauß fest. Stattdessen sei die Sozialarbeiterin des Kreises nur stundenweise in Schmitten im Einsatz, weil sie auch noch Flüchtlinge in anderen Kommunen zu betreuen habe. Sinnvoll wäre auch ein Raum im Schmittener Rathaus für die Beratung der Flüchtlinge, damit diese nicht wegen jeder Angelegenheit nach Bad Homburg fahren müssten.

So wie Fritsch-Strauß sind viele Helfer berufstätig und können sich nur abends oder am Wochenende engagieren. Gerade Familien mit Kindern brauchen aber auch tagsüber Unterstützung. „Das alles gilt es zu koordinieren und das wird schwieriger, je mehr Leute helfen wollen“, stellte sie fest und regte Arbeits- und Expertengruppen an. Die sollen sich mit Schwerpunktthemen wie Organisation und Koordination von Fahrdiensten, Deutschkursen, Gesundheit, Rechtsbeistand, Kinder und Schule, Beruf und Qualifikation für anerkannte Flüchtlinge, gemeinsame Unternehmungen und Begleitung zu kulturellen Veranstaltungen beschäftigen und als Ansprechpartner für die anderen zur Verfügung stehen.

Die Vernetzung untereinander funktioniert inzwischen, soll aber noch verbessert werden. In Hunoldstal, wo sich ein vom Kreis angemietetes Haus nach und nach mit Flüchtlingen füllt, hat sich spontan eine Gruppe Helfer gebildet. Auch in der Brombacher Straße in Dorfweil ist ein mehrköpfiges Helferteam aktiv. Für kleinere Unterkünfte existieren feste Patenschaften. Beides gilt es auszubauen.

Ein weiteres Thema war die Haftpflichtversicherung für die Helfer, denn der Freundeskreis ist kein Verein. Hier gibt es laut Müller-Braun eine Lösung für Ehrenamtliche über die Gemeinde. Entgegenkommen signalisierte er auch beim Führungszeugnis, das diejenigen brauchen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, und eigentlich selbst bezahlen müssen. Ein gemeinsames Fest und eine Aktion „Weihnachten im Schuhkarton für Flüchtlinge“ soll auch organisiert werden. Kurzum: Es gibt viel zu tun für den Freundeskreis. Vor allem die Neuen fühlten sich von der Fülle der Informationen regelrecht erschlagen. „Ich muss jetzt erst mal schauen, wo ich mich am besten einbringen kann“, meinte Brigitte Kral. Wer den Freundeskreis unterstützen will kann sich mit Ilona Fritsch-Strauß, (01 79) 6 96 65 85, yusupash@t-online.de, in Verbindung setzen.

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