Vortrag in der Usinger Hugenottenkirche

Der fast unbekannte Widerstand der Usinger gegen das Nazi-Regime

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Es gab sie selbstverständlich auch im Usinger Land, die Nazis und auch die, die sich dagegen widersetzten. Dr. Horst Zimmermann referierte im Auftrag des Geschichtsvereins über dieses Thema in der Hugenottenkirche.

Nicht nur in Usingen, im gesamten Usinger Land hinterließen Gegner des Nazi-Regimes Spuren. Und genau diesen geht Dr. Horst Zimmermann nach, der seine Erkenntnisse nun präsentierte.

Der Widerstand wurde von der Kommunistischen Partei Deutschland unterstützt, berichtete Zimmermann. „Es gibt dennoch keine einzige Straße in Usingen, die nach einem dieser Widerstandskämpfer benannt wurde“, bedauerte er.

In der damaligen Zeit standen viele Menschen schnell unter dem Verdacht, im Widerstand mitzuarbeiten. Bestraft wurde das nicht selten mit dem Tode. Da reichte schon ein unbedachter Satz. „Der Widerstand startete bereits 1933, scheiterte aber kurz nach der Machtergreifung Hitlers“, so Zimmermann. Einen Fackelzug habe es am 30. Januar 1933 auch in Usingen gegeben. Das war der Tag, als Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde. Immerhin hatte es die NSDAP in Usingen als Hochburg auf 63 Prozent gebracht.

Bereits im Februar fanden Demonstrationen gegen die Naziherrschaft statt, bei denen in Frankfurt 10 000 Bürger, in Offenbach 8000 und ins Wiesbaden 3000 zusammenkamen.

Jede Menge Namen hatte er dabei. Namen, die den älteren Usingern noch bekannt sind, etwa der Usinger Bürgermeister Ernst Ludwig Lißmann, der Journalist Albert Nees oder Lehrer Heinrich Müller. Sie wurden verhaftet. Zimmermann berichtete auch von einem Maurer aus Neu-Anspach, der bis 1933 im KZ eingesperrt war und von der brutalen Behandlung der Häftlinge berichtete. „Der Mann wurde daraufhin für ein Jahr erneut eingesperrt“, berichtete Zimmermann. Die Begründung: Gräuelmärchen. Das war auch der Zeitpunkt, als Juden vom öffentlichen Leben ausgeschlossen wurden.

Zimmermann nannte Namen wie Dr. Walter, Klein, Ehlert und auch Polizeiwachtmeister Mayer. Auf den schwarzen Listen der Arbeitgeber hätten aber auch SPD-Anhänger gestanden. Er erinnerte, dass dies alles den Widerstand herausforderte. Illegale Organisationen etwa verteilten Flugblätter.

Der Widerstand wurde brutal unterdrückt, konnte aber nicht ganz verhindert werden. Nichtjüdische Deutsche halfen verfolgten Juden. Und auch die Kirchen zeigten Widerstand. Die Folge: Immer wieder wurden Bürger in Haft genommen oder gar getötet.

Der Eschbacher Pfarrer Paul Schneider war bekannter Nazi-Gegner und kam deswegen im KZ um. Dem Anspacher Heinrich Maas wurde Hochverrat vorgeworfen, weshalb er 1942 enthauptet wurde. Hans Adam gab das Signal zum Streik in einem Hüttenwerk. Die Folge: Enthauptung. Küster Georg Schmidt und Elisabeth Straninger, beide aus Usingen, kamen ins KZ. Sie hielten sich an den Leitspruch: „Die Freiheit und das Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“

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