Südkoreanischer Korruptionsskandal reicht bis in den Taunus

Festnahme in der Schmittener Hotel-Affäre

Sie ist eine Schlüsselfigur im südkoreanischen Korruptionsskandal „Park-Gate“, der auch medienwirksam Auswirkungen auf eine Schmittener Liegenschaft hatte: Chung Yoo Ra, die Tochter von Choi Soon Sil, ist in der dänischen Stadt Aalborg festgenommen worden. Tochter und Mutter hatten 2016 in der Feldberggemeinde gelebt.

Die südkoreanische Dressurreiterin Chung Yoo Ra, die Tochter von Choi Soon Sil, einer engen Freundin der südkoreanischen Präsidentin Park, gegen die ein Amtsenthebungsverfahren anhängig ist, wurde am Sonntag in der dänischen Stadt Aalborg festgenommen. Sie soll sich illegal in Dänemark aufgehalten haben, ihr Visum war abgelaufen. Mit ihr wurden drei weitere Personen festgenommen, darunter ein Junge, dem Vernehmen nach der Sohn Chungs.

Die 20-Jährige wird voraussichtlich den südkoreanischen Strafermittlungsbehörden überstellt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt ferner gegen zwei Manager eines südkoreanischen Elektronikkonzerns. Unter anderem sollen sie Chung Reitunterricht in Deutschland finanziert haben.

Die Reiterin stand bereits seit Monaten auf der Fahndungsliste der koreanischen Behörden und im Mittelpunkt eines Spenden-Skandals, der in Südkorea längst „Park-Gate“ genannt wird. Ihre Festnahme erfolgte rund 1000 km von ihrem letzten bekannten Aufenthaltsort entfernt: Schmitten. Dort, im Ortsteil Arnoldshain, hatte Chungs Mutter Choi Soon Sil das Widec Taunushotel sowie einen nahegelegenen Bungalow gekauft. Mutter und Tochter hatten dort einige Zeit gelebt. Ziel war es offenbar, in Schmitten eine Art Kaderschmiede für die südkoreanische Spitzenreiterei zur Vorbereitung der Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio einzurichten.

Choi Soon Sil, die im Zentrum des Korruptionsskandals steht und deshalb nach ihrer Festnahme in Seoul Anfang November in Südkorea bereits vor Gericht steht, wollte auf diese Weise ihrer Tochter den Weg aufs olympische Podest ebnen. Allerdings räumten sie in Nacht und Nebel das Haus, die Umstände sind noch nicht geklärt. Medienberichten zufolge soll Choi, der von der Präsidentin geduldete Einmischung in Staatsgeschäfte vorgeworfen wird, Vorzugsbehandlungen von einer Elite-Universität in Seoul für ihre Tochter erreicht haben.

Mit nicht weniger als 18 Millionen US-Dollar sollen die beiden Elektronik-Manager die Reitkarriere der jungen Frau gefördert haben. Choi und Chung waren im vergangenen Jahr nach Schmitten gekommen nachdem sie zuvor über Monate mit Sponsorengeldern in Millionenhöhe ein Trainingsquartier auf dem Jägerhof im südhessischen Biblis eingerichtet hatten. Von Schmitten aus waren Mutter und Tochter dann im Spätherbst mit zunächst unbekanntem Ziel geflohen. Nach TZ-Informationen waren beide bereits damals nach Dänemark geflohen, wo sie offenbar die Nähe eines dänischen, international erfolgreichen Dressurreiters gesucht haben. Der Festnahmeort im Norden des Landes ist nicht weit von dessen Ausbildungsbetrieb entfernt. Es gab bereits zuvor geschäftliche Beziehungen zu dem dänischen Reitbetrieb. as  

 

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