Altweilnauer feiern zünftig wie die alten Rittersleut’

Feuer und Flamme beim Fest auf der Burg

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Der Aufstieg zur Burg Altweilnau hat sich an diesem Tag besonders gelohnt: Bürger und gemeines Volk pilgerten in Scharen zur Stätte des höfischen Gaudiums hinauf, um dort Tänzern, Musikern, Kämpfern und Gauklern zu huldigen.

Ritterlich ging’s am Sonntag auf Burg Altweilnau zu. Einmal im Jahr wird der einst herrschaftliche Sitz derer von Weilnau für das gemeine Volk geöffnet, das den Festlichkeiten in aller Regel in Scharen zuläuft und dem höfischen Treiben zu Füßen des Bergfrieds höflich den Gauklern, Tänzern und Hofnarren mit bewunderndem Handgeklapper huldigt. Anlass dazu gab es reichlich, denn das vom Kultur- und Förderkreis Burg Altweilnau gebotene Programm war eine Aneinanderreihung bekannter, aber auch neuer Höhepunkte.

Erstmals dabei war zum Beispiel Wolfgang Mairon aus Winden, und das gleich in doppelter Mission: Als Feuerspucker und als Feuerschlucker ließ er nichts anbrennen, klar, der Mann kennt sich aus, als Windener Wehrführer war er quasi seine eigene Feuerwehr.

Üblicherweise verbietet es die Höflichkeit, in diesem Fall aber konnte man es straflos behaupten: Birgit Klingelhöfer aus Finsternthal spinnt! Mit Liebe und Geschick stellte sie vor aller Augen mit dem Spinnrad und der Handspindel – der, an der sich Dornröschen dem Märchen nach stach – Wolle her. Für 100 Gramm braucht sie zwei bis drei Stunden.

Traditionell tritt beim Altweilnauer Burgfest auch das hohe Gericht zusammen. Diesmal hatte sich Richter Heinrich I. mit einem besonderen Missetäter zu befassen: Dem Knappen Quirinius war vorgeworfen worden, das Streitross des Grafen nicht weisungsgemäß hinterm Ohr gekrault zu haben. Hinterm-Ohr-kraulen ist wichtig für die Verdauung des Pferdes, weshalb das Gericht auch die „verwirrte Schnecke“, seines Zeichens vereidigter Grafenstreitrosspferdeapfelbegutachter, zwecks Wahrheitsfindung hinzugezogen hat. Am Ende aber wurde die Freveltat glimpflich geahndet, es gab ein Gottesurteil.

Zum Glück war eine „Jungfrau“ zur Stelle, deren Aufgabe es war, ganz spontan ein Gedicht zu dichten, in dem die Worte „Maid“ und „Dung“ vorkamen. Sie hat’s geschafft: Freispruch für den Knappen, der die Gerichtsstätte jedoch rasch verlassen musste, zum Mathe Lernen. Also doch kein Freispruch.

Höfische Tänze, Kinderspiele, Schwertkämpfe und Bogen- und Armbrustschießen gehörten zum Programm. Die Falkner Bernd und Liisa Lokki aus Oberursel waren mit ihrem Uhu Ukko und Wüstenbussard Pekko gekommen, Michael Marks nahm immer wieder die Trompete zur Hand – für alle Altersgruppen gab es viel zu erleben, aber auch zu schnabulieren. Nicht weniger als 40 Kuchen waren von den Altweilnauer Frauen gebacken und zur Burg hinaufgetragen worden, Stockbrot und Würstchen wurden gegrillt, und damit das alles besser rutschte, gab’s Met.

An einem Stand wurden „Sachen aus Altweilnau“ feilgeboten: die Suppen-, Salat- und Backbücher, Feigenmarmelade, Holunderessig oder aus Kronkorken gefertigte Magnete für die Pinnwand daheim.

In diesem Jahr fand das Burgfest erstmals eine Woche nach Pfingsten statt, und so soll es nach Auskunft von Karin Müller auch bleiben. Der historische Anlass – Altweilnau hatte einst 1336 zu Pfingsten Stadtrechte bekommen, wenn auch nur für neun Tage. Damals wusste man aber noch nicht, dass an Pfingsten auch das Heckenfest im beschaulichen Flecken Niederlauken und das Laubmännchen-Fest gefeiert wird. Fortan will man sich nicht länger gegenseitig das Publikum abwerben. Deshalb findet das Burgfest künftig am Sonntag nach Pfingsten statt.

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