Dominic Hermann vom Ordnungsamt hält auf der Kamera fest, was der Fahrer der Drehleiter schon weiß: Hier gibt&#39s kein Durchkommen.
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Dominic Hermann vom Ordnungsamt hält auf der Kamera fest, was der Fahrer der Drehleiter schon weiß: Hier gibt's kein Durchkommen.

In Usingens Innenstadt hat's die Drehleiter oft schwer

Feuerwehr startet Testfahrt - und die Ordnungspolizei klärt Anwohner auf

  • vonTatjana Seibt
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In engen Wohngebieten können Falschparken oder einfach nur Gedankenlosigkeit bei einem Einsatz der Retter wertvolle Sekunden kosten

Wenn Sven Blecher und Tobias Schönborn von der Freiwilligen Feuerwehr Usingen in aller Eile in ihre Ausrüstung springen und kurz darauf den Motor der Drehleiter starten, dann sind in aller Regel schon die ersten vier Minuten vergangenen. Vier von zehn die es dauern darf, bis die Hilfe der Feuerwehr am Einsatzort ist.

"Der Adrenalinspiegel ist da schon hoch", räumen die beiden jungen Männer ein, die am Dienstagabend vergleichsweise entspannt wirken. Noch. Denn was sie in den folgenden zwei Stunden erwartet, wird auch ihre Nervenstärke herausfordern.

Und das nicht nur, weil sie Minuten zuvor schon zu einem Einsatz auf der Erdfunkstelle ausrücken mussten. "Es ist das erste Mal, dass wir das in einer so groß angelegten Aktion in der ganzen Stadt machen", erklärt der stellvertretende Stadtbrandinspektor Andreas Lang. Ziel ist es, mit der Drehleiter durch die Kernstadt Usingens zu fahren und die parkenden Anwohner an kritischen Stellen dafür zu sensibilisieren, dass von ihrem Parkverhalten wertvolle Sekunden und Minuten abhängen.

Minuten, die darüber entscheiden, ob ein Mensch überleben oder sterben wird, Sekunden die es ausmachen, ob Hab und Gut noch gerettet werden können oder in Flammen aufgehen.

Parken in der Kurve verboten

Mit dabei sind auch Daniela Sorg-Meghawry und Dominic Hermann vom Ordnungsamt. Sie haben nicht nur jede Menge Flyer dabei, die ebenfalls auf das sensible Parkthema hinweisen sollen, sondern auch Geduld. Die werden sie brauchen, wie sich schon kurz darauf zeigt. Zur besten Feierabendzeit starten die beiden Fahrzeuge vom Stützpunkt aus und zunächst in die Albert-Franke-Straße. Die wird gerne eng beparkt, doch heute geht es mühelos. "Man ist schnell, aber umsichtig unterwegs", sagt Blecher.

Der Adrenalinspiegel des Fahrers ist entsprechend hoch, die Anspannung groß, denn vom Fahrer hängt einiges ab. Die zunächst gemütliche Fahrt endet schnell in der Limesstraße. Ein Fahrzeug parkt auf der ohnehin engen Straße - und nun muss Schönborn sich in Millimeterarbeit vortasten. Das dauert, denn die Drehleiter gleicht einem ungelenken Riesen, der nicht überall einsehbar ist. Gefühl ist gefragt, Erfahrung und Augenmaß, "und das normalerweise in einem Zustand höchster Anspannung", erklärt Lang.

Wendehammer zu schmal

Das parkende Fahrzeug ist ein Fall für die Ordnungspolizei, die sich aber zunächst für einen freundlichen Hinweis entscheidet, während Schönborn sich weiterhin millimeterweise vorarbeitet. In der Saalburgstraße ist es nicht besser. Dieses Mal erschwert ein geparkter Transporter in der Kurve die Fahrt. Die Drehleiter schiebt sich an der Hecke und über den Bürgersteig langsam vorbei. "Das Parken in der Kurve ist nicht erlaubt", erklärt Dominic Hermann, und deshalb gibt's für diesen Fahrer auch ein Knöllchen.

Die dichte Wohnbebauung ist das eine, "die Straßenbreite das andere", erklärt Lang. Nur wo ein Lkw durchpasst, hat auch die Drehleiter freie Fahrt. Das zeigt sich besonders Schleichenbach I. Dorthin lenkt Schönborn das Fahrzeug und hängt prompt im Wendehammer der Bartholomäus-Arnoldi-Straße fest. Die Anwohner parken legal, für die Durchfahrt reicht es dennoch nicht. Rangieren, kurbeln, Zentimeter vor und wieder zurück. Der Berufsfahrer kommt jetzt ins Schwitzen und die Ordnungspolizei mit den Anwohnern ins Diskutieren. "Wo sollen wir denn parken?", lautet die Frage einer Anwohnerin mit Blick aufs Wohnmobil. Die Frage müsse womöglich vor dem Kauf geklärt werden, so die Ordnungspolizistin.

"Im Ernstfall fliegt dann mal der Seitenspiegel weg", sagt Blecher, der diese Entscheidung schon treffen musste. Schön sei das nicht. Über die Situation im Wendehammer wird sich das Ordnungsamt nun beraten. Leichter ist es da in der Straße "Auf der Schießmauer. Die Anwohner parken vor ihren Häusern anstelle auf ihren Parkplätzen. Bis sie Platz gemacht haben, vergehen Minuten. Dominic Hermann erklärt ruhig, verteilt Flyer, die Anwohner zeigen Verständnis. "Wir wollen die Leute nicht schikanieren, aber sensibilisieren", betont Lang. Vier Knöllchen gibt's an diesem Tag, über 30 Hinweise und zahlreiche Gespräche. Ob's zur Verhaltensänderung reicht, wird vielleicht erst der nächste Einsatz zeigen. Tatjana Seibt

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