Ensemble Flautando

Feurig, fetzig und mit Flötencharme

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Und noch ein Highlight im Allegro-Programm: Das Blockflöten-Ensemble Flautando Köln verzauberte die Konzertfreunde aus dem Usinger Land mit virtuosem Können und viel Gefühl.

„In der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu“, aus einer Pfingstsequenz zitierte Diakon Joachim Pauli, als er das Publikum zum Allegro-Konzert in der katholischen Laurentiuskirche willkommen hieß und er gestand gleich ein: „Ich hatte mir vorgestellt, dass es hier in der Kirche kühler wäre.“

In dieser Beziehung irrte er sich, aber in einer anderen nicht, nämlich als er das Flautando Köln als Quartett von Weltformat ankündigte. Auch das mit dem Zuhauchen der Kühlung blieb ein frommer Wunsch, denn es war eher heißer Atem, der die Luftsäulen in den Blockflöten zu Schwingung brachte. Und der wiederum brachte die Zuhörer praktisch aus dem Stand heraus von Null auf Hundert und aus dem Häuschen. Mit drei Stücken – publiziert von John Playford (1651-1721) – hätten die vier Frauen kaum besser beginnen können. Kaum waren sie verklungen, da prasselte regelrecht frenetischer Applaus auf die Künstlerinnen ein, und sie kamen nicht um Verbeugungen herum, die es sonst bei andern Konzerten erst am Schluss gibt.

Die drei Stücke „Red House“, „Never love thee more“ und „An Italian Rant“ verbreiteten aber auch sofort eine wunderbare „Insel“-Stimmung. Die englischen Tunes gingen mit ihrem mythisch anmutenden Klängen gleich unter die Haut, jeder Ton hallte im Kirchenraum nach und verlieh den Flötentönen eine zusätzliche sphärische Weite. Vogelgezwitscher, Holzpercussion, Orgelpfeifen, heiterer Tanz, alle das konnten die Gäste heraushören, und damit zeigten die Blockflöten gleich eindrucksvoll, wie vielfältig, virtuos und kreativ sie einsetzbar sind.

Auf eine Nachfrage in der Pause erklärten die Musikerinnen Susanne Hochscheid, Katrin Krauß, Kerstin de Witt und Ursula Thelen ihre Instrumente. Bis dahin verblieb das Staunen, über die so unterschiedlichen Bauarten vom gelochten kleinen Röhrchen bis zum kastenartigen Großformat mit Holzklappen. „Das alles sind Blockflöten“, erklärte Katrin Krauß und verwies dabei auf den allen eigenen hölzernen Block, mit dem die Töne erzeugt werden.

Mit Palestrina ging es zeitlich noch einen Schritt weiter zurück, aber nur um dann wieder in die andere Richtung vorzustoßen: minimalistisch-meditative Stimmung bei Satie und unerfüllte Sehnsüchte bei Kurt Weil, beides kombinierten die Künstlerinnen, und der Tango Habanera wurde von Ursula Thelen vokal vorgetragen. Auch als Chansonnette erwies sich Thelen als eine Klasse für sich. Und das Arrangement mit Bass und zwei Kontrabassblockflöten ist sicher so selten wie passend für den Song der Weilschen Prostituierten mit der Sehnsucht nach der imaginären Insel der Wünsche und der Hoffnung.

Hoffnung auf Liebe war das Thema bei mehreren türkischen Volksliedern, die Thelen zum Spiel der Blockflöten sang. Auch wer der Sprache nicht mächtig war, und das dürfte bei den meisten Zuhörern der Fall gewesen sein, wurde doch im Inneren von den sehnsüchtigen Weisen berührt oder von dem launigen Tanz mitgerissen.

Von Ohrwurm-Qualität konnte da schon die Rede sein. Von der sprach Thelen aber bereits bei Mozart, wie beim Ohrwurm „Morgen kommt der Weihnachtsmann“, das er in zahlreichen Variationen abgewandelt hatte und von denen die Flötistinnen einige in einem humorigen „Holzflötenblock“ zum Besten gaben.

Nach der Pause, in die das Publikum die Musikerinnen mit erneut tosendem Applaus entließen, wurde es modern. Die „Clockwork Toccata“ von Fulvio Caldini erforderte die Umstellung von Ohrwurm auf anspruchsvoll, aber dann schnell wieder zurück ins Träumerische, mit drei Stücken aus England und Irland, darunter das bekannte „Scarborough Fair“, erneut gesungen von Thelen. Und auf den Gänsehauteffekt braucht gar nicht erst hingewiesen zu werden, der war nämlich Dauergast.

Eine Telemann-Sonate, das können die vier Frauen auch und bewiesen es, obwohl mancher sich dabei doch lieber einen gestrichenen Kontrabass gewünscht hätte. Und dann gab es vor den Zugaben noch einen Höhepunkt: Mit der „Balkanology“ vom Zeitgenossen Jan Rokyta brannten die vier ein Feuerwerk der Musik ab, das jeden Puszta-Geiger in den Schatten gestellt hätte – feurig, fetzig aber zusätzlich noch mit Flötencharme. Das Publikum war restlos erobert.

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