Finsternthäler in großer Sorge

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Die Pläne von Abo-Wind, auf dem Schmittener Pferdskopf eine Windkraftanlage zu errichten, stoßen auch im Weilroder Ortsteil Finsternthal auf erheblichen Widerstand. Eine neue Interessengemeinschaft unterstützt aktive Initiativen aus Treisberg und Neu-Anspach.

Auch in Finsternthal hat sich nun eine Interessengemeinschaft gegen den Bau einer Windkraftanlage auf dem Pferdskopf gegründet. In einer Pressemitteilung schreibt Patrick Ensgraber, ein Sprecher der IG, was zu diesem Zusammenschluss geführt hat.

Ausschlaggebend sei die Informationsveranstaltung der Firma Abo-Wind im vergangenen Dezember gewesen und die Tatsache, dass drei Jahre nach Beginn der Planungen nun auch die Finsternthäler in die öffentliche Diskussion mit einbezogen wurden. Es sei Verwunderung bei den Bürgern aufgekommen. Denn, wie bekannt, soll das Windrad auf dem Treisberg und damit in der Gemarkung Schmitten errichtet werden.

Doch die Informationen während der Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus brachten schnell Klarheit darüber, warum auch Finsternthal vom Bau der Windkraftanlage betroffen ist. Denn der angedachte Standort ist gerade mal 1008 Meter von den ersten Wohnhäusern entfernt und weist noch dazu einen Höhenunterschied von 200 Metern zu Finsternthal auf (wir berichteten).

„Unter Berücksichtigung der gewaltigen Dimensionen der geplanten Anlage wurde schnell jedem bewusst, dass in Zukunft ein fast 120 Meter großer Rotor knapp 400 Höhenmeter über dem Dorf kreisen könnte und dass die ohnehin zu erwartenden Zusatzbelastungen wie Schall, Infraschall und Schattenwurf durch die besondere Kessellage des Orts möglicherweise um ein Vielfaches verstärkt wird“, erklärt die Interessengemeinschaft.

Die Verunstaltung des Landschaftsbilds, die Beeinträchtigung der Lebensqualität und die mögliche Abwertung privater Immobilien seien nur einige von vielen weiteren Auswirkungen, die den Finsternthälern nun große Sorgen bereiten würden.

Wie die Bürgerinitiativen Treisberg und Neu-Anspach sind sich auch die Finsternthäler einig, dass ein Windrad katastrophale Folgen für die vielen Tiere in dem Gebiet, besonders für Rot-Milane und Schwarzstörche, haben könne. „Nicht nur die unmittelbare Gefahr durch die Rotoren selber, sondern ganz besonders die baulichen Maßnahmen und Eingriffe in die Natur beunruhigen die Menschen“, so Ensgraber in seinem Schreiben weiter.

Und er ruft noch einmal in Erinnerung: „Für Standort und Zuwegung müssen mindestens zwei Hektar Wald weichen. Wahrscheinlich wird es noch viel mehr, denn die Stromtrasse nach Dorfweil ist noch gar nicht berücksichtigt.“

Weiter müsse das Fundament auf einer Fläche von einem Hektar begradigt werden – in einem Steilhang mit 30 Prozent Gefälle. Die dafür notwendigen gewaltigen Sprengungen des felsigen Untergrunds gefährdeten zahlreiche Quellen in unmittelbarer Nähe, welche wiederum eine elementare Rolle innerhalb des natürlichen Systems einnähmen.

Hinzu kämen riesige Mengen an Geröll und Schutt, die über mehrere Kilometer quer durch den Wald abtransportiert werden müssten. Gleichzeitig müsse neues Material angeliefert werden, um die Zuwegung für die ganzjährige Nutzung zu präparieren.

„Ruft man sich nun wieder die Tatsache ins Gedächtnis, dass all das notwendig ist, um nur ein einziges Windrad auf dem Pferdskopf zu errichten, so kann man die Ablehnung der Finsternthäler gegenüber den Plänen von Abo-Wind durchaus nachvollziehen“, meint Patrick Ensgraber.

Und genau an dieser Stelle hier setze die neu gegründete Interessengemeinschaft Finsternthal an. „Die gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien für den Ausbau von Windkraftanlagen beruhen zentral auf dem Gebot der Rücksichtnahme und der Verhältnismäßigkeit. Beides scheint für das Projekt auf dem Pferdskopf völlig außer Acht geraten zu sein“, meint Ensgraber in seiner Mitteilung.

Gespannt würden die Finsternthäler nun die aktuelle politische Entwicklung in der Nachbargemeinde verfolgen. Durch den Stimmungswechsel in Schmitten, vorangetrieben durch FWG und FDP, und den jüngsten Antrag auf einen Ausstieg aus den Verträgen mit der Hessischen Windpark Entwicklungsgesellschaft (WPE) fühlen sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft bestätigt, dass die Wirtschaftlichkeit und der Beitrag zur Energiewende der einen noch verbleibenden Anlage sehr fraglich erscheinen.

„In diesem Zusammenhang ist für die IG völlig unverständlich, dass ausgerechnet eine Partei, die den Umwelt- und Artenschutz als zentrale Grundwerte für sich beansprucht, weiterhin das Projekt auf dem Pferdskopf befürwortet“, schreibt Patrick Ensgraber.

Wer Kontakt mit der Interessengemeinschaft aufnehmen will, kann das per Mail tun: wka@finsternthal.de.

(cwa)

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