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Der Usinger Stadtförster Karl-Matthias Groß freut sich über die inzwischen 13 verschiedene Initiativen, die sich um den Stadtwald kümmern wollen. Auf der gezeigten Fläche hat er Mammutbäume gesetzt, die Bürger mit Wachshilfen versehen haben.

In Usingen wollen 13 Bürgerinitiativen dem Stadtwald zur Seite stehen

Wald in Usingen retten: Förster testet den Mammutbaum als Alternative

  • vonAndreas Burger
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Was im trockenen Kalifornien wächst, kann auch für Usingen gut sein – wie der Mammutbaum. Insgesamt 13 Bürgerinitiativen wollen dem Stadtwald zur Seite stehen.

Stadtförster Karl-Matthias Groß hatte noch nie so viele Mitarbeiter für den Stadtwald. Zugegeben: Bezahlen muss er die Helfer nicht. Aber mit inzwischen 13 Initiativen aus der Bürgerschaft, die bei der Rettung des angeschlagenen Waldes helfen wollen, ist er gut personell bestückt, wenn es um einfache Aufgaben geht. Wie etwa oberhalb des Hattsteinweihers. Dort musste eine große Fläche gerodet werden, weil Trockenheit und Borkenkäfer ganze Arbeit leisteten. Und genau dort hat Groß eine pfiffige Idee umgesetzt.

Denn wenn im trockenen Kalifornien diese Bäume wachsen, warum sollte das dann nicht auch im sich abzeichnenden künftig trockenen Deutschland funktionieren? Und so finden sich auf der Fläche nun kleine Mammutbäume. Damit diese eine gewisse Standfestigkeit haben, half eine Initiative, Stöcke zu setzen und den Setzlingen etwas Platz zu schaffen. „Wir hoffen, dass die Bürger nun hin und wieder zu der Fläche kommen und helfen, die Setzlinge vor Überwucherung zu schützen“, sagte Groß bei einem Rundgang - und trat schon mal eine Brombeerhecke runter.

Wald in Usingen retten: Bürgerin hilft bei Koordination

Eine, die den Förster inzwischen auch bei der Koordination unterstützt, ist Jutta Zimmermann aus Merzhausen. Sie wollte schon im Frühjahr eine große Pflanzaktion starten, zu der sich 300 Bürger meldeten - aber Corona machte dann einen Strich durch die Rechnung. Aber mit ihrer Hilfe können die vielen Bürger, die sich engagieren wollen, nun koordiniert werden.

Auf Grün steht die Ampel für den Stadtwald noch lange nicht. Seit 2018 hat Usingen 300 Hektar Schadwald zu verzeichnen. Und das Problem ist ein hausgemachtes. „Deshalb spreche ich beim Borkenkäfer auch nicht vom Schädling. Der Mensch hat die Monokulturen angelegt und damit dem Borkenkäfer sozusagen Geburtshilfe gegeben“, sagte Groß. Und da es noch immer größere Flächen mit dem für Käfer schmackhaften Nadelholz gibt - Fichten und Kiefern - gibt, ist der Populationszenit noch nicht überschritten. Nur eine gute Mischung macht‘s. Deshalb gilt derzeit bei Aufforstung die Mosaik-Regel: Eine Baumart wird nur in einem Radius von rund 40 Metern gepflanzt, dann kommt eine andere Sorte zum Zug. „Natürlich wachsen auch wieder Fichten, aber wenn die Bestände klein sind, dann ist auch der Bestand an Borkenkäfern gering.“

Usingen: Jeder Baum hat einen Sicherheitscode

Dass die Käfer auf eine andere Nadelholzart wie etwa die Douglasie überspringen, die Gefahr sieht Groß nicht. „Jedes Nadelholz hat seine eigenen Sicherheitsmechanismen gegen Ungeziefer. Den Code bei der Fichte hat der Borkenkäfer geknackt, für die Douglasie nicht“, so der Förster. Was aber nicht bedeute, dass es nun Monokulturen mit Douglasien geben soll. Für die Zukunft des Stadtwaldes hat der Förster durchaus pfiffige Ideen. Derzeit wird die Großindustrie mit dem Holz beliefert. „Ich denke, dass eine Möglichkeit ist, wertvolles Holz mit hohen Preisen für die heimische Industrie mit Nischenprodukten anzupflanzen. Der Preis für solches Holz ist deutlich höher, zugleich könnte man auf die großflächige ,Baumindustrie‘ verzichten. Wenig Holz mit hoher Qualität statt Monokulturen.“

Mammutbäume gegen den Borkenkäfer: Qualität statt Quantität

Da wären dann die Mammutbäume schon mal ein Anfang, wenngleich sicher nicht alle 100 Setzlinge angehen. „Ob das überhaupt ein Weg ist, wird sich erst in vielen Jahren zeigen. Aber so könnten auch heimische mittelständische Betriebe mit ins Boot genommen werden.“

Eine weitere Möglichkeit, Geld für die Stadtkasse zu generieren, könnte die Möglichkeit über Ökopunkte-Einnahmen sein. Derzeit muss immer, wenn eine Fläche versiegelt wird, eine Ersatzmaßnahme ausgewiesen werden. Das könnte, da die Flächen irgendwann knapp werden, auch mit Bäumen möglich sein, wie Groß sinnierte. Wer baut, kauft sozusagen eine entsprechende Menge an wertvollen Bäumen, die dann nicht geschlagen werden dürfen, sondern dem natürlichen Verfall anheim stehen. „Das muss natürlich im Wald sein, damit ein Sturz-gefährdeter Baum nicht am Wegesrand Menschen gefährdet“, sagte Groß. Aber damit wären zum einen Einnahmen generiert, zum anderen der Wald geschützt.

Der Mammut ist nicht der einzige Baum aus anderen Ländern. Die Baumhasel etwa stammt aus dem Balkan und wird derzeit ebenfalls als Test gepflanzt. Was den Vorteil hat: Dafür haben noch keine Schädlinge den Weg in den Wald gefunden.

Wald retten: Viele Helfer stehen in den Startlöchern

Helfer sind also nun einige in den Startlöchern. Aber natürlich kann man nie genug haben. Über die Homepage der Stadt können sich weitere Bürger melden. Aber auch Geldspenden werden nicht abgelehnt, denn die Setzlinge kosten ein paar Euro. Mit den Spenden wäre dann möglich, teure Hölzer für den Stadtwald zu kaufen, um ihn aufzuwerten und den Borkenkäfer zurückzudrängen. Derzeit kostet die Aufforstung von nur einem Hektar Wald im Durchschnitt 20 000 Euro, wenn es besondere Bäume sind. Bei der Douglasie rechnet Groß mit 2500 Euro für den Hektar.

Auch wenn derzeit die Holzpreise wieder etwas stabiler werden: Jede helfende Hand ist willkommen, denn gerade zu dieser Jahreszeit könnten Pflanzungen gut vorgenommen werden. Andreas Burger

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