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Dieses Weisergatter im Staatswald oberhalb des Schnepfenbachtals wurde bereits vor zwei Jahren angelegt. Der stellvertretende Forstamtsleiter Thomas Götz sieht bereits erste Erfolge, unter anderem bei der Naturverjüngung durch die Früchte der Eiche (links im Bild).

Förster im Usinger Land ruft zur stärkeren Bejagung auf

Forstwirtschaft mit Messer und Gabel

  • vonAlexander Schneider
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Jörg Deutschländer-Wolff weist auf Wildverbiss als großes Problem für die Verjüngung des Waldes hin, denn gerade Rehe machen jungen Trieben den Garaus

Fragt man Forstamtsleiter Jörg Deutschländer-Wolff nach einem Gespräch, beispielsweise zum Thema Wiederbewaldung nach der Borkenkäfer-Katastrophe, ob man sonst noch etwas für ihn tun kann, so antwortet er spontan: "Mehr Wild essen, das hilft!" Klingt aus dem Munde eines Mannes, der selbst mit gutem Beispiel vorangeht und fast nur Wild isst, lecker, ist aber sein bitterer Ernst. "Wenn es nach all den Rodungen mit der Wiederbewaldung etwas werden soll, dann geht das nur mit einer deutlichen Reduzierung des Wildbestandes, anders haben die kleinen Bäumchen keine Chance."

Sein Appell, den Beutetrieb der Jäger praktisch "mit Messer und Gabel" zu fördern, klingt etwas ungewöhnlich, hat aber seinen waldbaulichen Hintergrund: Vor allem Rehe als "Konzentrat-Selektierer" müssten über vier bis sechs Jahre verstärkt bejagt werden, freilich ohne sie auszurotten. Die Feinschmecker richteten in den neu angelegten Kulturen oder auf Naturverjüngungsflächen den meisten Schaden an.

Protagonisten im Wald müssen sich abstimmen

Ziel der Wiederaufforstung sei die Schaffung eines artenreichen und damit widerstandsfähigen Zukunftswaldes, der aber naturgemäß lange braucht, nicht nur Käfer-, sondern auch wildresistent zu werden, sagt Deutschländer-Wolff. Die Regulierung der Wildbestände sei die "entscheidende Stellschraube". Dieses Werkzeug zu nutzen, müsse das Interesse der Waldbesitzer sein und bedürfe der interaktiven Abstimmung zwischen allen Protagonisten. Dazu zählten die Jagdausübenden, also Pächter, die Untere und Obere Jagdbehörde, die Hegegemeinschaften, die Rotwildjägervereinigung und auch der Forst. Wenn diese Abstimmung bei der Abschussplanung auf Augenhöhe unterbleibe oder nicht vollständig genutzt werde, blieben alle Planzahlen "graue Theorie". Er ruft die Waldbesitzer auf, ihre Mitwirkungsmöglichkeiten zu nutzen. Manche dächten, mit der Verpachtung gäben sie die Verantwortung für den Wald ab. Das sei aber falsch, Pächter seien zwar jagdausübungsberechtigt, die Waldbesitzer blieben aber weiterhin Jagdrechtsinhaber, könnten, sollten und müssten also diesen Einfluss bei der Abschussplanung geltend machen. Beteiligt sei aber auch der Forst. Dieser erstelle für die Rotwildjagd (jährlich) und die Rehjagd (dreijährig) forstliche Gutachten über die Verbissschäden, diese müssten ebenfalls in die Planung einfließen, was aber nicht immer der Fall sei, so der Forstamtsleiter.

Suche nach Bäumen mit Zukunftsperspektive

Die Wiederaufforstung der durch die Borkenkäferkalamität entstandenen riesigen Freiflächen im Privat- und im Staatswald hänge von vielen Faktoren ab und sei ein großes Problem, forstfachlich, aber auch finanziell. Entschieden werden müsse, in welchem Verhältnis Naturverjüngung und Neupflanzung stattfinden sollen, aber auch welche Baumarten den Wald der Zukunft in welchem Artenmix bilden sollen. Dabei spiele auch die Attraktivität der jungen Bäumchen für das Wild eine entscheidende Rolle. Im Staatswald, so Deutschländer-Wolff, arbeite man bereits seit Jahren mit "Weiserflächen" (siehe Box). Sie ermöglichten ein ziemlich genaues Monitoring und zeigten wie unterschiedlich nebeneinander liegende, geschützte und nicht geschützte Flächen sich entwickeln. Deutschländer-Wolff will dies im Einvernehmen mit den Eigentümern der von Hessen Forst betreuten Flächen privater und kommunaler Wälder auch außerhalb des Staatsforstes etablieren. Pro Jagdbezirk, besser pro 250 Hektar, sollte es eine Weiserfläche mit einer gleichgroßen benachbarten "Nullfläche" geben. Im Aufwuchsstadium hätten darauf bis zu zwölf Baumarten Platz. Im gesamten Forstamtsbereich wären etwa 30 Weiserflächen sinnvoll, für den Weilroder Gemeindewald schlägt Deutschländer-Wolff acht bis zehn vor. Alexander Schneider

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