Freiwilligendienst: Ein goldener Weg in die Ausbildung

  • VonMatthias Pieren
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Mit dem Aus für den Zivildienst gingen im Jahre 2011 neue Freiwilligendienste an den Start. Auch im Usinger Land engagieren sich seither junge Menschen in ganz vielen unterschiedlichen Bereichen.

„Essen auf Rädern“ – kaum ein Aufgabengebiet der Zivis stand so gleichbedeutend für den Zivildienst. Nach dem Aus für diesen Pflichtdienst ist es für die Diakoniestation Taunus gar nicht mehr so einfach, junge Menschen für ein freiwilliges Engagement zu gewinnen. „Wir haben zunehmend Schwierigkeiten, unsere Stellen für ein Freiwilliges Soziales Jahr zu besetzen“, berichteten Mitarbeiterinnen der Diakoniestation jüngst den Mitgliedern des Diakonie-Fördervereins Weilrod. „Derzeit sind nur drei junge Menschen im Rahmen eines FSJ bei uns im Einsatz.“

Sechs Zivis und ein FSJ’ler waren vor fünf Jahren für die Diakoniestation im Usinger Land auf Achse. Die Konkurrenz der Freiwilligendienste und die Breite der heute angebotenen Einsatzgebiete sind groß. Nachdem die Grundschule Grävenwiesbach bereits im vergangenen Jahr eine FSJ-Stelle eingerichtet hat, zieht im kommenden Schuljahr die Grundschule im Weiltal in Rod an der Weil nach.

„Die Freiwilligen ersetzen bei uns keine regulären Arbeitskräfte. Sie sind zusätzlich in den Klassen eingesetzt“, sagt der Schulleiter der Wiesbachschule, Jan Drumla. „Lehrer werden bei der Gruppenarbeit im Unterricht ebenso eingesetzt wie in der Einzelförderung. Zudem hilft unsere FSJ’lerin in der Nachmittagsbetreuung. Wir sind froh, dass sie bei außerschulischem Unterricht und Ausflügen unsere Klassenlehrer als zusätzliche Aufsichts- und Begleitperson begleiten.“

Seit vergangenem Jahr bietet auch das Forstamt Weilrod eine Stelle für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) an. Hessen Forst möchte den jungen Menschen nach der Schulzeit die Möglichkeit geben, sich beruflich zu orientieren – verfolgt aber auch eigene Interessen bei der Personalplanung.

Die Freiwilligen unterstützen die Revierförster im Alltagsgeschäft, betreuen aber auch eigene Projekte. „In Naturschutzgebieten und FFH-Gebieten kartieren sie die Tier- und Pflanzenwelt in den Feuchtbiotopen“, sagt Thomas Götz. „Wir hoffen, über diesen Weg junge Menschen für den Beruf des Försters begeistern zu können.“

Der Hintergrund: In den kommenden fünf Jahren werden zahlreiche Förster in Hessen in Ruhestand gehen. Hessen Forst hat mit nunmehr 23 Stellen im Bereich des Freiwilligen Ökologischen Jahres die Grundlage geschaffen, jungen Menschen über ein Jahr das vielfältige Aufgabengebiet von Revierförstern näher zu bringen.

Der erste FÖJ-ler beim Forstamt Weilrod hat in diesem Herbst tatsächlich auch ein Forstwirtschaftsstudium begonnen. Auch im Bereich der Altenpflege ermöglichen die FSJ-Stellen den jungen Menschen erste Erfahrungen in einem späteren Berufsfeld – im Idealfall mündet das Freiwilligenjahr sogar in einem Ausbildungsverhältnis.

Im Altenpflegeheim Kortheuerhaus in Usingen hat eine ehemalige FSJ’lerin in diesem Jahr eine Ausbildung zur Fachkraft für Altenpflege begonnen. „Natürlich versuchen wir auch, durch die Freiwilligendienste für unseren Berufsstand zu werben. Es ist doch gut, wenn am Ende eine bewusste Entscheidung für die Berufsausbildung im Bereich der Altenpflege steht“, sagt Heimleiterin Cornelia Franke.

(map)

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