Bürgermeister Axel Bangert im Interview

„Frühverrentung ist keine Option“

Im Weilroder Rathaus wird heute wohl der eine oder andere Sektkorken knallen. Es gibt etwas zu feiern: Hausherr Bürgermeister Axel Bangert (SPD) hat heute auf den Tag genau vor zehn Jahren seinen Dienst als Verwaltungschef angetreten. Die Weilroder hatten ihn zum Nachfolger von Hartmut Haibach (58, FWG) gewählt. In Bangerts Amtszeit fallen für Weilrod wichtige Entscheidungen und Entwicklungen: Unter seiner Ägide wurde ein bis dato einmaliges Straßenbauprojekt gestartet, bei dem zehn Straßen praktisch auf einmal saniert wurden. Weilrod ist, obwohl Bangert sich erst mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hat, unter den Rettungsschirm des Landes geschlüpft, es wurden sieben Windräder errichtet und die Gemeinde hat gemeinsam mit anderen Kommunen ihr Stromnetz zurückgekauft. Wie sich „10 Jahre Rathauschef“ noch so anfühlen, hat TZ-Mitarbeiter Alexander Schneider in einem Interview geklärt.

Herr Bangert, erinnern Sie sich noch an ihre erste Unterschrift als Bürgermeister?

AXEL BANGERT: Die Niederschrift über meinen Diensteid.

Was war Ihre teuerste Unterschrift?

BANGERT: Neben den Haushalten von derzeit bis zu 12 Millionen Euro war es das Straßenbauprogramm der Gemeinde mit fast 2 Millionen Euro.

Und welche die bedeutsamste?

BANGERT: Die Schutzschirmvereinbarungen zu unterzeichnen war ein tiefgreifender Schritt, wie auch der Beitritt zur Energie-Region-Taunus/Goldener Grund mit der Übernahme der Stromnetze.

Ihre schwerste Entscheidung als Bürgermeister?

BANGERT: Die Schutzschirmvereinbarungen zu akzeptieren. Für die Windräder einzutreten. Und neue Herausforderungen in den Kindergärten erforderten personelle Veränderungen die nicht immer einmütig waren . . .

Welches war der bislang schönste Moment als Bürgermeister?

BANGERT: Davon gibt es nicht wenige. Es sind die kleinen Erfolge im direkten Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern, aber vor allem auch die großen, die mich mit Zufriedenheit und auch Stolz erfüllen.

Wie hat sich Weilrod in den zehn Jahren gewandelt?

BANGERT: Wir können mittlerweile eine Infrastruktur vorweisen, die viel zu bieten hat. Betreuung unserer Kinder von den Kleinsten ab einem Jahr – auch ganztägig. Wir haben zwei moderne Grundschulen, die Haupt- und Realschule – alle mit Nachmittagsbetreuung, außerdem zwei Einkaufsmärkte, die Senioreneinrichtung, gute ärztliche Versorgung, die Apotheke, die Rettungswache, das Gewerbegebiet in Riedelbach und Baugebiete . . . Durch das Dorferneuerungsprogramm wird sich Weilrod auch in den nächsten Jahren mit Hilfe der Bürger positiv weiterentwickeln. Dazu gibt es vielversprechende Ansätze.

Gibt es Entscheidungen, die Sie bereut haben?

BANGERT: Natürlich gibt es Vorgänge und Entscheidungen die nicht immer den gewünschten Erfolg hatten. Aber es gab nach meiner Wahrnehmung keine die so gravierend wären, dass ich etwas zu bereuen hätte.

Was würden Sie heute anders machen?

BANGERT: Die Dinge die nicht optimal laufen oder gelaufen sind aufnehmen und besser machen.

Haben Sie es jemals bereut, Weilroder Bürgermeister geworden zu sein?

BANGERT: Nein, ich bin gerne Bürgermeister. Ich habe höchstens zu bereuen, dass ich manchen Anspruch an mich selbst nicht immer erfüllen kann, zum Beispiel nicht auf allen Festen und Veranstaltungen präsent zu sein.

Worin sehen Sie die größte Herausforderung für Weilrod für die nächsten Jahre?

BANGERT: Der demografische Wandel und seine Folgen. Die Infrastruktur erhalten, wenn möglich verbessern. Unternehmen Plattform für gutes Wirtschaften bieten. Kommunalfinanzen werden immer ein Thema sein. Für eine weiterhin handlungsfähige Verwaltung ist die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden zu intensivieren. Gemeinsam mit unseren Bürgern unsere Gemeinde so attraktiv machen, dass sie sich hier wohlfühlen. Dazu gibt es mit der Dorferneuerung vielversprechende Ansätze.

Haben Sie bereits entschieden, ob Sie für eine dritte Amtszeit kandidieren?

BANGERT: Dazu ist die Zeit noch nicht reif. Klar ist für mich schon, wenn es die Gesundheit zulässt, dass eine Frühverrentung für mich keine Option ist.

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