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Fuchs, nimm lieber die Maus

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Von: Dorit Lohrmann

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Dieser Fuchs auf einer Wiese in Wehrheim hatte Glück: Er traf auf Beute, nicht auf Jäger. Was er gefangen hat, war nicht zu erkennen.
Dieser Fuchs auf einer Wiese in Wehrheim hatte Glück: Er traf auf Beute, nicht auf Jäger. Was er gefangen hat, war nicht zu erkennen. © Dorit Lohrmann

Die einen halten ihn für einen gerissenen Räuber, andere für ein argloses Geschöpf, das dieselbe Existenzberechtigung habe wie jede andere Kreatur auch: Die Rede ist vom Fuchs. Warum er bejagt wird, leuchtet manchem nicht ein, und so gibt es Petitionen gegen die Fuchsjagd. Zuletzt im Kreis Gießen gegen die Fuchswochen. Jäger wiederum schütteln den Kopf über die in Hessen verordnete Schonzeit, die heute beginnt.

Listig soll er sein, der Fuchs. Mit Lügengeschichten und Bosheiten soll er sich stets gegen seine Widersacher durchgesetzt haben. Das wurde ihm schon im 16. Jahrhundert nachgesagt, als ein Epos mit „Reineke Fuchs“ als gewieftem Hauptdarsteller entstand. Die vermeintlichen Eigenschaften haften dem Tier bis heute an. Noch immer wird er als verschlagen beschrieben, als raffinierter Gesell, den es zu überlisten gelte.

Wobei – gelangt man auf den Boden der Tatsachen zurück – wird sicherlich jedem einleuchten, dass dem Fuchs hierbei menschliche Charakterzüge bloß angedichtet wurden, dass das Tier indes nichts weiter im Sinne führt, als zu fressen, seine Jungen zu füttern und sich und den Nachwuchs vor Feinden zu schützen. Mal mag es ihm gelingen, mal mag er vielleicht den Kürzeren ziehen.

Als Gefahr gilt er trotzdem. Nämlich dann, wenn er seine Beute auf Geflügelhöfen sucht. Davon können die Hühnerhalter vom Bauernhof Etzel in Wehrheim ein Lied singen. „Wenn wir wüssten, wie der Fuchs es schafft, trotz der Umzäunung ins Gehege zu gelangen, könnten wir etwas dagegen tun“, sagt Beate Illbruck. Sogar eine Lebendfalle sei schon aufgestellt worden – ohne Erfolg.

„Der Fuchs frisst alles, was ihm vor die Schnauze kommt“, sagt Klaus Pöhlmann, Vorsitzender der Jägervereinigung Usingen. Er klingt dabei richtig verdrossen. Fast, als sei er sauer auf den bösen, bösen Fuchs. Der habe das Rebhuhn praktisch ausgerottet, den Fasan, und nun gefährde er noch den letzten verbliebenen Bodenbrüter, die Feldlerche. „Und er frisst die jungen Feldhasen“, sagt Pöhlmann.

Damit wird der vierbeinige Jäger quasi zum Nahrungskonkurrenten des zweibeinigen, der dem Niederwild ebenfalls nachstellt.

Darüber kann Horst Wolff wiederum nur den Kopf schütteln. „Der Rebhuhnbestand ist deshalb zurückgegangen, weil es auf den Feldern kaum noch Wildkräuter gibt“, kontert der Vorsitzende der Vogelschutzgruppe Usingen. „Dazu könnte ich eine lange Geschichte erzählen.“ Die würde aber vom Thema abschweifen. Nur in Kürze: Keinesfalls sei der Fuchs schuld am Rückgang des Rebhuhns. Auch nicht an den anderen aus ihrem Lebensraum vertriebenen Tierarten.

Online-Petition

„Der Fuchs ernährt sich vorwiegend von Mäusen“, statuiert der frühere Förster. „Für jeden erlegten Fuchs müsste ein Jäger 700 Mäuse fressen.“ Sagt’s, und kichert. Ob Wolff damit den Tierschützern in die Hände spielt? Denjenigen, die, wie jüngst in Biebertal (Kreis Gießen) mit Petitionen für ein Verbot der Fuchsjagd plädieren, weil sie die sowieso für ökologisch sinnlos halten? Die Online-Petition hatte bis zu ihrem Abschluss vor zwei Wochen rund 11 000 Unterstützer.

Jäger Klaus Pöhlmann führt noch ein anderes Argument für die Bejagung des Fuchses an: Das Wildtier übertrage Krankheiten wie etwa den für Menschen gefährliche Fuchsbandwurm sowie die Staupe, die ungeimpften Hunden zum Verhängnis werden könne. Laut der Gießener Allgemeinen Zeitung hatte das Veterinäramt im Landkreis Gießen im Herbst 2016 bei drei Füchsen und drei Waschbären Staupe festgestellt. Dass sich die Landespolitik angesichts all der vom Fuchs ausgehenden Gefahren dennoch für eine Schonzeit entschieden habe, leuchtet dem Merzhausener Jäger nicht ein. Das hätten die Grünen angerichtet, namentlich Umweltministerin Priska Hinz.

In Hessen darf der Rotfuchs demnach in der Zeit vom 28. Februar bis zum 15. August seinen Nachwuchs ungehindert aufziehen. Das bedeutet laut Pöhlmann für Jäger, in den verbliebenen Monaten dem Fuchs noch eifriger nachzustellen, um die Quote zu erreichen.

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