„Das Gästebuch war mein Leben“

  • schließen

Irmgard Brendel hat im Haus Hattstein Kunden aus aller Welt und manche Berühmtheit bewirtet. Was im Gästebuch alles festgehalten ist, kann man künftig im Kreisarchiv nachblättern.

Für Kreisarchivar Gregor Maier ist das Gästebuch vom Haus Hattstein ein „zeitgeschichtliches Dokument von hohem Rang und eine spannende historische Quelle“. Für die damalige Gastronomin Irmgard Brendel ist es viel mehr. „Es war mein Leben“, sagte sie mit Tränen der Rührung im Schnellrückblick auf 35 Jahre Haus Hattstein, als sie Maier und Landrat Ulrich Krebs (CDU) das gute Stück zur Aufbewahrung im Kreisarchiv übergeben hat.

Für den Landrat ist der Eintrag von Teddy Kollek, dem langjährigen Bürgermeister von Jerusalem, etwas ganz Besonderes, nicht zuletzt in Anbetracht der heutigen Partnerschaft zwischen dem Hochtaunuskreis und dem Kreis Gilbao. Kollek gastierte 1985, als er in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen bekam, zwei Nächte im Haus Hattstein. Brendel berichtete, wie der bekannte Politiker überhaupt nach Arnoldshain kam. Eine gute Freundin von ihr sei in Frankfurt im Konsulat beschäftigt gewesen und habe das Ganze eingefädelt. So als ob es gestern gewesen sei, erzählt die agile Ex-Gastronomin: „Der Sicherheitsdienst hat nicht nur das ,Zimmer 9‘ komplett auseinandergenommen, der Gast durfte sich nur in der Mitte des Zimmers aufhalten. Und acht Wachleute haben die ganze Nacht draußen das Haus bewacht.“ Ein Wachmann habe seine Zahnbürste vergessen, für die Hotelbetreiberin war das kein Problem, so etwas hatte sie als Service für ihre Gäste immer vorrätig. Mit Kollek habe sie immer mal kurz sprechen können, wenn sie ihn bedient habe. „Wildgulasch hat er gegessen“, erinnert sich Brendel und auch daran, dass sie den Arnoldshainer Bürgermeister Hans Kinkel (Vater von Kämmerer Gerd Kinkel) herbeitelefoniert hatte, damit der seinen Amtskollegen begrüßte. „Es ist wunderschön bei Ihnen und das Essen ist hervorragend, nur schade dass es so kurz ist“, ist heute im Gästebuch zu lesen, daneben hat Brendel Zeitungsausschnitte vom Aufenthalt Kolleks in Frankfurt eingeklebt.

Kollek war nicht die einzige Berühmtheit im Haus Hattstein. Widmungen, Karten und Briefe demonstrieren, wie wohl sich Gäste bei ihr fühlten. Nicht ganz so oft wie Oma Lina aus Neuenhain kamen die Fernsehlieblinge Vivi Bach und Dietmar Schönherr, wenn sie in der Gegend zu tun hatten.

Werbung habe sie nicht gemacht, antwortet Brendel auf eine Frage von Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG): „Die Leute sind einfach so gekommen, aus der Nachbarschaft, aus Norwegen, aus Brasilien oder Amerika und aus Russland.“ Mundpropaganda sei eben immer die beste, meinte Gerhard Heere, der Geschäftsführer des Schmittener Tourismus- und Kulturvereins. Wer mal im Gästebuch nachlesen will, kann das im Kreisarchiv im Landratsamt gerne tun, sollte sich aber am besten vorher anmelden.

(evk)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare