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Zu Gast bei den Etzels in Amerika

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Von: Matthias Pieren

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Susanne Kolass (Bildmitte im fliederfarbenem T-Shirt) hat in Round Top (Texas) Nachfahren von Wilhelm, Henrich und Philipp Etzel besucht, die Mitte des 19. Jahrhunderts von Wehrheim in die Neue Welt nach Amerika ausgewandert waren.
Susanne Kolass (Bildmitte im fliederfarbenem T-Shirt) hat in Round Top (Texas) Nachfahren von Wilhelm, Henrich und Philipp Etzel besucht, die Mitte des 19. Jahrhunderts von Wehrheim in die Neue Welt nach Amerika ausgewandert waren. © Pieren

Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten Wilhelm, Henrich und Philipp Etzel – zum Teil mit ihren Familien – in die Neue Welt nach Amerika aus. Susanne Kolass vom Geschichts- und Heimatverein hat nun Nachfahren der Auswanderer in Texas besucht. (Letzter Teil der TZ-Serie.)

Als persönlicher Diener des Grafen von Boos-Waldeck wanderte der gebürtige Wehrheimer Wilhelm Etzel 1842 nach Amerika aus. Die Mitglieder des Mainzer Adelsvereins gründeten und verwalteten die Nassau Plantation im Jack League, einem in Fayette County zwischen Houston und Austin gelegenen Landstrich. (TZ berichtete.)

„Als der Adelsverein pleitegegangen war, wurde das Land der Nassau Plantation verkauft“, berichtet Susanne Kolass vom Geschichts- und Heimatverein. Während ihres USA-Aufenthaltes besuchte sie kürzlich mit ihrem Mann Nachfahren der drei Etzel-Brüder, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Texas ihr Glück versucht hatten. „Wie Philipp Velte, der elf Kinder hatte, waren die Auswandererfamilien allesamt kinderreich“, berichtet Kolass. „Heute leben ganz viele Nachfahren der Etzel-Brüder im sogenannten German Belt zwischen Austin und Houston. Irgendwie sind wohl alle miteinander verwandt.“

Als Susanne Kolass und ihr Mann mit einem Mietwagen das 90-Einwohner-Dorf Round Top, dem Zentrum der einstigen Nassau Plantation, ansteuerte, fuhren sie durch eine ländlich geprägte Gegend: Wildblumen blühten auf den Weiden, auf denen Rinderherden grasten. Unzählige kleine Seen, große Weidefläche, Mais-Felder und kleine Wäldchen wechseln sich auf dem flachen Land ab.

„Das alte Herrenhaus, in dem Wilhelm Etzel als Verwalter der Nassau Plantation lebte, ist abgerissen. Zwei von dem gelernten Zimmermann errichtete Scheunen stehen aber noch“, berichtet Susanne Kolass. „Wie in Deutschland gibt es auch in Texas immer weniger Landwirte. Wenige Großlandwirte bewirtschaften nun die Ländereien.“

In Round Top wurde sie von Cheryl und Floyd Etzel sowie von dessen Bruder Berrie und Ehefrau Darlene Etzel herzlich empfangen. „Wir haben eine große Gastfreundschaft erfahren“, erzählt Kolass. „Die Etzels im German Belt haben noch lange die deutsche Kultur gelebt. Die Brüder Floyd und Berrie haben als Kinder in der Kirche noch deutsche Lieder gesungen.“

Kochkäse in Texas

Die Eltern der beiden pensionierten Lehrer hatten mit ihren Kindern zu Hause einst ein hessisch-texanisches Kauderwelsch gesprochen. Da die beiden Frauen heute noch Kochkäse nach hessischem Rezept zubereiten, hat das Gastgeschenk von Susanne Kolass, ein hessisches Kochbuch, große Freude bereitet. „Im Heimatmuseum erinnern alte Haushaltsgegenstände wie Sauerkrauttöpfe, alte Kinderwagen sowie alte Hochzeitsbilder an die Wurzeln der Auswanderer“, sagt Kolass. Beim gemeinsamen Abendessen – einem echt texanischen Barbecue – lagen aber freilich amerikanische Spezialitäten auf dem Grill: Hamburger.

„Wir waren schon oft in den USA und kennen viele Regionen. Doch in diesem Urlaub hatten wir erstmals privaten Kontakt. Neben den Etzels in Round Top haben wir auch Lucy Stewart in Fort Worth bei Dallas besucht. Sie hatte auch andere Nachfahren der Etzel-Brüder eingeladen“, berichtet die Schriftführerin des Geschichtsvereins. Viele der Etzel-Nachfahren waren schon mal in Deutschland, manche kennen Frankfurt. Doch von der Verwandtschaft im Taunus wusste keiner etwas. Lucy Stewart ist es auch, die mit ihrem Mann und anderen Etzel-Nachfahren im September zum Gegenbesuch nach Wehrheim kommen wird.

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