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Geburtstagsfest mit Posaune

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Von: Evelyn Kreutz

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Wer 60 wird, darf feiern. Aber auch zurückblicken. Beim Posaunenchor Merzhausen haben wir die alten Kladden gewälzt und die Geschichte und Geschichten entdeckt.

„Der Posaunenchor ist Kernstück der Gemeindearbeit und verbindet weit über seine Grenzen hinaus“, sagte Pfarrer Thomas Hessel im Festgottesdienst. Mit viel Musik feierten die Bläser das 60-jährige Bestehen ihres Chores und bewiesen einmal mehr, dass dieser ein wichtiger Kulturträger ist, wie Hessels Vorgänger Dr. Peter Stenzel feststellte.

Mit traditionellem und zeitgenössischem, geistlichem und weltlichem Liedgut spiele der Posaunenchor zum Lob Gottes, bringe quasi das evangelische Glaubensbekenntnis musikalisch zum Ausdruck, bereichere aber auch Feste und stärke das Lebensgefühl der Gemeinde.

Aus Sicht von Dekan Michael Tönges-Braungart erreicht der Posaunenchor mit seiner Musik Herz und Verstand, bringe gemäß seines Verkündigungsauftrages das Evangelium unter die Leute und sei Generationen übergreifend. Auch Wolfgang Vaupel, der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Stadtrat Leo Schneider, Sigrid Pastore für die Merzhäuser Vereine und Norbert Knöpp für die Wilhelmsdorfer Vereine lobten die Bläser.

Landesposaunenwart Johannes Kunkel zeichnete nicht nur den Jubiläumschor aus, sondern auch für über 40 Jahre Mitgliedschaft im Posaunenchor Peter Krüger, für 29 Jahre Anke Schmidt und für 25 Jahre Sabine Lenz. Gründungsmitglied Erwin Reuter und Horst Schüder, der seit 52 Jahren aktiver Bläser ist konnten die Ehrung nicht persönlich entgegennehmen.

Chorleiter Erhard Reuter erinnerte an das Gründungsjahr 1955, eine Zeit des Aufbruchs, als elf Buben, im Alter zwischen 11 und 16 Jahren mit Mut und Begeisterung auf Fahrrad und Skiern mit den Instrumenten auf dem Buckel zu den Proben mit dem ersten Chorleiter Heinz Ellringmann fuhren und schon bald zum ersten Mal im Gottesdienst spielten. Schon kurz nach der Gründung waren die Bläser gefragt bei den Feldberggottesdiensten und traten als „Dekanatsposaunenchor Merzhausen“ auf.

Für die Kirchengemeinde und für die Dorfgemeinschaft ist der Posaunenchor unverzichtbar für festliche Gottesdienste, stimmungsvolle Konzerte im Frühling und im Advent und als sogenannte „Freiluftorgel“ bei Veranstaltungen unter freiem Himmel wie die Pfingstborn- und die Sonnenwendfeier.

Jeder Dirigent prägte den Chor auf seine Weise: Lehrer Weinbrenner gab den Taktstock 1957 ab an die Pfarrersfrau Erna Schneider, eine von damals drei weiblichen Chorleiterinnen in Hessen. Reinhold Schlicht übernahm 1968 die Chorleitung für sage und schreibe 30 Jahre. In dieser Zeit wurden auch die „Altenfeier“ und die Sonnwendfeier ins Leben gerufen sowie Kontakte geknüpft zu anderen Chören etwa in Kusey in der damaligen DDR oder nach Valburg.

Lautes Radio

Aus 60 Jahren gibt es viele schöne Erinnerungen, die Ausdruck einer lebendigen Gemeinschaft sind. Da beispielsweise der Bläser, der am Mittwochabend gerne Fisch aß, damit er nach der Übungsstunde mehr Durst hatte. Oder die einsame 90-Jährige, die den Fernseher so laut hatte, dass sie zunächst das Geburtstagsständchen nicht hörte, dann aber mit einem der Bläser auf der Straße tanzte vor lauter Glück über die einzigen Gäste an ihrem Ehrentag. Reuter selbst stieß als Achtjähriger zwei Jahre nach der Gründung dazu – nachdem sein großer Bruder Erwin, das einzige heute noch lebende, aber schwer erkrankte Gründungsmitglied, ihm eine Trompete geschenkt hatte. Für den damals und lange Zeit jüngsten Bläser und heutigen Chorleiter ist es nicht nur wichtig Musik zu machen. Er gestand: „Ich habe den Posaunenchor immer als Familie empfunden.“ Damit meinte er nicht nur die Gruppe in Merzhausen. Die verbindet freundschaftliche Kontakte mit dem seit 2008 ebenfalls von ihm geleiteten Weilnauer Posaunenchor, mit dem sie gemeinsame Auftritte bestreitet. Mit vielen von ihnen treffen sich die Merzhäuser regelmäßig alle zwei Jahre. Heute überzeugen die derzeit 14 Musiker mit guter Intonation, und einem guten Gespür für Rhythmik und Dynamik. Neben traditionellen Chorälen widmen sie sich auch volkstümlichen Melodien aus aller Welt und sogar Arrangements von Musical- und Filmmusiken. Fünf Jungbläser, die in der Ausbildung sind, stellen sicher dass dem Posaunenchor nicht irgendwann die Luft ausgeht.

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