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Viele Mitglieder des Taunusklubs waren am Sonntag zum Stockborn gekommen, um der verstorbenen Mitglieder des Vereins zu gedenken. Die Ansprache hielt Prädikantin Irene Schulz.

Gedenken und Gedanken am Stockborn

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Das Ehrenmal am Stockborn ist ein Ort des Gedenkens an verstorbene Wanderfreunde, aber auch ein Ort nachdenklicher Gedanken. Prädikantin Irene Schulz brachte sie in Gang.

Die Sonne kam diesmal etwas zu spät zur Gedenkfeier am Stockborn. Erst als die Tauniden am Sonntag schon wieder den Nachhauseweg antraten, funkelte sie durch den Wald und ließ das Laub in herbstlichen Farben leuchten. Aber auch nur kurz, dann zog sie sich für den Rest des Tages wieder hinter grauen Wolken zurück. Schon oft hatte sie die Feier zu Ehren der verstorbenen Wanderfreunde begleitet und mit wärmenden Strahlen das Ereignis zu einer Verschnaufpause für die rasenden Gedanken gemacht, die den Alltag mit all seinen Problemen beherrschen.

Der Ort, an dem sich die Mitglieder der Taunusklubs Jahr für Jahr treffen, strahlt Ruhe aus. Die meisten bleiben auf dem Weg, schauen den Hang zum Denkmal hinauf, viele lassen sich auf einem Baumstumpf nieder. Abgeholzt vor vielen Jahren, haben die jungen Fichten den kahlen Bergrücken schon wieder bevölkert und sind einige Meter gewachsen. Die Natur hatte es den verstorbenen Wanderfreunden zeitlebens angetan, diese haben sie gerne durchstreift, an sonnigen wie an trüben Tagen.

Die Fliegenpilze haben sich in diesem Jahr besonders reich vermehrt. Am Wegesrand, im Moos hinter Bäumen, überall konnte man sie erspähen. Wie kleine Zwerge mit roter Mütze und weißen Tupfen standen sie mucksmäuschenstill und schienen die sonntägliche Zeremonie zu verfolgen.

Die Blechbläser des Anspacher Musikzuges eröffneten sie, der Vorsitzende des Taunusklub-Gesamtvereins, Bertram Huke, begrüße die Gäste, und dann trat Prädikantin Irene Schulz vor die Versammelten, reflektierte das vergangene Jahr und fand wie stets die passenden Worte. Dabei erinnerte sie nicht nur an die schönen Tage, die die Natur- und Wanderfreunde verlebt haben, die vielen Kilometer, die sie zusammen gewandert waren, die vielen Stunden, die sie in geselliger Runde verlebten. Vielmehr fand sie auch aktuelle Bezüge, denn in diesen Tagen sind viele Menschen nicht aus Freude am Wandern unterwegs, sondern verlassen ihr Heimatland und suchen in fremden Ländern Sicherheit und eine bessere Zukunft.

„Die Menschen, die zu uns kommen, sind erschöpft, und die Menschen, die helfen, sind erschöpft“, gab Schulz wieder, was sich hierzulande vielleicht mancher denkt: „Ich möchte ja schon die Tür öffnen, aber wer wird hereinkommen?“, „Werde ich Fremder im eigenen Land?“, und „Wie kann ich Vertrauen aufbringen?“, gab sie

Zweifel und Ängste

vieler Menschen wieder, die den Flüchtlingsströmen mit gemischten Gefühlen gegenüberstehen, und regte zum Nachdenken darüber an.

Dass die verstorbenen Weggefährten eine offene Tür gefunden haben, diese tröstende Hoffnung vereinte die Angehörigen der großen Taunusklub-Familie. Nach gemeinsam gesungenen Strophen bildet die Kranzniederlegung durch den Vorsitzenden zu den Klängen „Ich hatte einen Kameraden“ stets den Abschluss der Feierstunde.

Zuvor hatte Bertram Huke 39 Namen der im vergangenen Wanderjahr verstorbenen Mitglieder aus dem Frankfurter Stammklub und allen Zweigvereinen verlesen.

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