tzp_msc_jaeger003_171020
+
Frank Cernic und Tochter Nicole gehen auch mal gemeinsam auf die Jagd oder sehen nach einem der neu aufgestellten Hochsitze.

Taunus-Jäger: Ohne Wald gibt's auch kein Wild

Geforderte höhere Abschussquoten sind kaum zu realisieren

  • vonMonika Schwarz-Cromm
    schließen

Weil gerade der in Not geratene Wald zusätzlich bedroht wird, weil Wild junge Bäume anknabbert, sollen mehr Tiere geschossen werden. Das stößt bei Jägern nicht gerade auf Begeisterung. Lösungen könnten nur gemeinsam gefunden werden.

Usingen – Wird das Wild tatsächlich zur Gefahr für den Wald? Muss es weniger Wild im Wald geben? Es gibt Förster, die das so sehen. Gerade jetzt, wo sich die lange Jahre betriebene Fichten-Monokultur irgendwie wie der Schuss ins eigene Knie anmutet. Die Lösung für den schwer geschädigten Wald: Mischwald. Doch der muss erst angepflanzt werden.

Und da kommt das Wild als Störenfried ins Spiel, das so gerne an den frischen, jungen Trieben knabbert und damit die ganze Mühe zunichte macht. Für den Vorsitzenden der Usinger Jagdvereinigung, Frank Cernic, ist das gar nicht das Problem. "Das Wild geht nur an die Bäume, wenn es nichts Besseres findet", sagt er. Er sollte es wissen, denn Cernic geht seit 1982 zur Jagd, ist Jäger aus Überzeugung. Die jedoch besteht für ihn in erster Linie in der Verantwortung, die er mit der Pacht für dieses Gebiet übernimmt. Und das auf viele Jahre vorausplanend.

Die Vorschläge für ein verbessertes Jagdmanagement, die derzeit durch die Presse gehen, bereiten ihm Bauchschmerzen. Die Rede ist von erhöhten Abschussquoten und dem konsequenten Austausch der Pächter, falls sie dies nicht erfüllen. Frank Cernic, der als Vorsitzender der Hegevereinigung Vordertaunus an der Abschussplanung von über 40 Revieren beteiligt ist, blickt mit Sorge über die weiten Kahlstellen im Wald und fragt sich, wo er das Wild herholen soll, um es zu schießen? Und dann auch noch wesentlich mehr als zuvor.

Keine Köstlichkeiten mehr für den Reh-Magen weit und breit. Von einer Deckung oder gar einem Unterschlupf für die zurückhaltenden Tiere nichts zu sehen. Die angelegten Äsungsflächen sind durch die Kahlstellen freigelegt. Also auch kein Treffpunkt mehr für das Wild. "Wenn ich früher zehn Ansitze brauchte, um ein Reh zu erlegen, so sind das heute 20", berichtet er. Im Wald sei massiv Lebensraum für das Wild verlorengegangen.

Mehr Ruheräume schaffen

Wo früher Bäume standen, kann heute weit bis nach Frankfurt geblickt werden. Eine tote Fläche für das Wild. Und das alles nur wegen einer Monokultur, die schnelles Geld brachte.

Nicht nur die vielen Menschen, die sich derzeit im Wald tummeln verjagen das Wild. Die Flächen verlieren durch eine verstärkte Bejagung an den Wiederaufforstungsflächen langfristig an Attraktivität für das Wild. Bereiche mit Weichgehölzen wie Weiß- und Schwarzdorn, Ebereschen und Pappeln sollten gepflanzt werden, da sie sich gut als Verbissgehölze eignen und dazu noch Deckung bieten. Alles, was mit Wald und Natur zu tun habe, sei eben immer nur auf lange Sicht zu sehen, ist Frank Cernic überzeugt.

Die Jäger erkennen also das Problem und versuchen, es zu lösen und ihren Beitrag dazu zu leisten, betont er. "Dazu brauchen wir aber die Hilfe vom Forst." Er erinnert daran, dass die Vegetation auf den jetzt kahlen Schadstellen innerhalb von zwei Jahren zu einer akzeptablen Höhe heranwachse. Da müssten dann Schneisen rein, um dort bejagen zu können. Er ist nicht dafür, alles neu zu beforsten, sondern will der Natur mehr Raum geben.

Gemeinsam das Problem lösen

"Das kann doch alles nur funktionieren, wenn auf lange Sicht geplant und vorgegangen wird", ist Cernic überzeugt. Schließlich wolle er auch übermorgen noch Rehe im Wald sehen. "Wir möchten nachhaltigen Wald mit gesundem Wild", spricht er für die Jägerschaft.

Also hat er an etlichen Stellen in seinem Revier im Ober-Eschbacher Wald neue Hochsitze aufgestellt. Ruhezonen für das Wild wurden eingerichtet, sprich eingesät und für Wanderer und Waldsportler abgesperrt.

"So schaffen wir neue Biotope und zusätzliche Lebensräume, um den Tieren Flächen zurückzugeben", erläutert er das Engagement der Jäger. Mit solchen Aktionen könnten auch die Waldbesitzer ihren Anteil leisten. Die Jäger würden das sowieso schon durch ihre Beteiligung am Wildverbiss tun.

Sein Vorschlag: Waldbesitzer, Forst und Jägerschaft müssen jetzt zusammen arbeiten und ein Gesamtkonzept für den Wald entwickeln. Alle sollten an einem Strang ziehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare