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Wie Mobbing funktioniert, lässt sich auch spielen: Friedhelm Westebbe (hinten) mit Schauspielerinnen des ?People?s Theater? vor der Aufführung in der CWS.

Projekt "People's Theater"

Gegen Mobbing anspielen

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20 000 Euro für keinen sichtbaren Erfolg? Für wenig Feedback, dafür tagelange Arbeit, um Sponsoren aufzutreiben? Für die Rotarier in Usingen kein Grund, das Projekt "People's Theater" aufzugeben. Für uns aber Grund genug, genauer nachzufragen.

Er hat die 70 inzwischen deutlich überschritten. Was aber Friedhelm Westebbe als Sprecher der Rotarier und Motor des Gewalt-Präventionsprojektes „People’s Theater“ nicht davon abhält, unermüdlich für die Theatergruppe und ihre Einsätze zu werben. Mit Erfolg.

Über 120 000 Euro sammelte er inzwischen von seinen Rotariern, Sponsoren und den Kommunen ein, um die sechsten Klassen an weiterführenden Schulen im Usinger Land darin zu üben, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Sechs Jahre organisiert er inzwischen die Auftritte der Offenbacher Schauspieler (Lesen Sie bitte auch „Zum Thema“). 700 einzelne Shows, 170 Klassen und 4000 Schüler erreichte das Projekt im Lauf dieser Jahre. Und was hat’s gebracht?

„Wir soll ich denn den Erfolg messen“, fragt er zurück. Ab und an gebe es eine Stimme der Schulen, die das ganze gut fänden. Von Schülern gibt’s gar keine Reaktion für den rotarischen Einsatz, von Eltern schon gar nicht. Macht dann etwas Sinn, das keinen messbaren Erfolg für den hohen finanziellen Einsatz zeigt?

„Aber natürlich. Denn immer wieder ist an den Schulen Gewalt zu beobachten. Und Gewalt muss nicht körperlich sein. Mobbing gehört dazu, Respektlosigkeit, verbale Entgleisung. Und auch dagegen kann dieser spezielle Unterricht helfen. Gestern war die Theatergruppe wieder mal im Gymnasium. Vier Wochen hintereinander gastiert die Truppe mit ihrem Ensemble und thematisiert dann jede Woche ein neues Konflikt-Thema, stets interaktiv mit den Schülern. Ein halbes Jahr später folgt dann ein weiterer Auftritt, als Auffrischung sozusagen.

Etwa 170 Euro kostet ein Auftritt. Die Schüler zahlen pro Runde fünf Euro, den Rest muss Westebbe bei Sponsoren suchen. Und die sind nicht breit gestreut. Wehrheim etwa hat sich finanziell verabschiedet, Schmitten war nie drin, Usingen, Neu-Anspach, Weilrod und Grävenwiesbach unterstützen die Aktion finanziell. Neu: Der CWS-Förderverein hilft mit Geld. Hinzu kommt der bekannte jährliche Sponsorenlauf, die Riedelbacher Schule hat alleine 2000 Euro so erlaufen. Es scheint ihnen also wichtig genug zu sein, die Prävention. Wenngleich es an der KLS und Max-Ernst-Schule in der Vergangenheit immer wieder Vorfälle gewaltbereiter Art gab, wie Westebbe weiß.

Wie lange sich das Projekt auf diese Art Sponsoring noch trägt, vermag der Rotarier nicht einzuschätzen. Denn in vielen Kommunen sind die Kassen leer, freiwillige Leistungen verschwinden mehr und mehr aus den Haushalten. „Vielleicht ist unser Engagement auch endlich“, sinniert Westebbe.

Schade wär’s. Denn der Offenbacher Verein People’s Theater hat durchaus positive Resonanz auf seine Einsätze, wie Projektleiter Curtis Volk gestern betonte. Vor allem durch die Fragebögen nach den Auftritten erfährt Volk, wie die schauspielerischen Einsätze ankommen. Volk: „Die Antworten sind durchweg positiv, unsere Arbeit stufen die Lehrer als sehr wichtig ein.“ Und so sei es kein Wunder, dass auch aus Usingen inzwischen ehemalige Schüler beim Projekt ein einjähriges Praktikum absolvierten.

Was nicht wundert, denn der Altkreis Usingen ist für die Theatergruppe sozusagen der Leuchtturm außerhalb Offenbachs. Ohne die Rotarier wäre auch hier das Projekt nicht bekannt. Ab und an fragt noch eine Schule aus Osthessen an, aber Offenbach ist die Heimat des Projektes.

Den Stellenwert dürften auch die Lehrer recht hoch ansetzen. Denn sie müssen die meiste Planungsarbeit leisten. Durch den Kursunterricht wird’s meist diffizil, die Schüler für fünf Auftritte unter einen Hut zu bekommen. Das Projekt muss vor- und nachbereitet werden, da fließen viele zusätzliche Stunden rein.

Vor allem auch bei Westebbe, der fürs nötige Kleingeld Klinken putzen geht. Was immer schwieriger wird, denn inzwischen steigen auch Banken aus. „Da kommt es gut, dass die Fördervereine der Schulen sich auch in der Pflicht sehen, uns zu unterstützen.“ Übrigens: Die Rotarier selbst bringen in jedem Jahr selbst 4000 Euro in die Kasse, nicht schlecht für die knapp 30 Usinger Mitglieder. „Es ist eben auch für uns ein Leuchtturmprojekt“, schmunzelt der große Organisator.

Und was sagt die Schule zu dem Projekt? Waltraud Harm, Lehrerin und Mitglied des Präventionsteams der CWS findet es gut: „Das People’s Theater bietet die große Chance, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit den Akteuren wegen des geringen Altersunterschied identifizieren. Die gespielten Szenen spiegeln Situationen aus dem Schüleralltag wider. Die Schülerinnen und Schüler haben dadurch auch die Möglichkeit, viele wichtige ;Als-ob-Erfahrungen’ zu sammeln“, ist sich die CWS-Lehrerin Harm sicher.

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