Gegen den Windpark

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Im Oktober 2013 hat Investor Juwi die Antragsunterlagen für den Bau eines Windparks in Neu-Anspach beim Regierungspräsidium eingereicht, eine Genehmigung liegt aber immer noch nicht vor. Vor allem ein Institut der Uni Frankfurt stört sich an den Plänen.

„Ein Ende des Genehmigungsverfahrens für den Windpark ist in greifbare Nähe gerückt.“ Dieses Fazit ziehen die Windpark-Befürworter der Neu-Anspacher Wind-Initiative (N-A-WI) nach einem Besuch im Regierungspräsidium Darmstadt. Dort hatte die Gruppe kürzlich die Möglichkeit, die Akten einzusehen und sich über den Stand des Verfahrens zu informieren. „Wir sind zuversichtlich, was den Ausgang angeht“, heißt es in einer Pressemitteilung. Und das, obwohl noch immer nicht alle Antragsunterlagen vorliegen und die im Gesetz festgelegte Frist, nach der innerhalb von drei Monaten zu entscheiden ist, noch gar nicht begonnen hat (Lesen Sie dazu auch ZUM THEMA).

Auf Nachfrage der TZ nennt Bruno Ax den Grund für seinen Optimismus: Inzwischen seien so gut wie alle Träger öffentlicher Belange gehört worden. Letztlich hänge die Zulassung des Vorhabens in starkem Maße von den Stellungnahmen der Fachbehörden ab, weiß er und verdeutlicht die Lage: „Schwierigkeiten gibt es wohl nur noch mit einer Stelle.“ Mehr will er aus den Akten aber nicht verraten.

Anders der Bürgermeister. Klaus Hoffmann (CDU) meint: „Nach meinem Kenntnisstand gibt es nur noch mit dem Seismologischen Institut der Uni Frankfurt Probleme.“ Das Taunus-Observatorium auf dem Kleinen Feldberg ist bekanntlich eine Einrichtung der Goethe-Universität. Sie ist dem Institut für Atmosphäre und Umwelt und dem Institut für Geowissenschaften zugeordnet, und zu ihr gehört auch eine seismologische Station, in der Messungen durchgeführt werden. „Ich weiß aber nicht, woran sie sich stören“, meint Hoffmann.

Ganz einfach: Die vier auf dem Taunuskamm geplanten Windräder sind nicht weit genug entfernt von der Mess-Station der Seismologen. Nur fünf Kilometer sind es, zehn sollten es nach Ansicht der Forscher sein, wie Dr. Heinz Bingemer vom Institut für Atmosphäre und Umwelt erklärt. Seit mehr als 100 Jahren würden auf dem Kleinen Feldberg seismologische Messungen durchgeführt, verdeutlicht der Forscher. Würden nur wenige Kilometer entfernt Windräder aufgestellt, befürchte er Boden-Unruhen, ausgelöst durch Übertragungen der Bewegung der Rotoren. Deren Schwingungen würden sich im Erdboden fortpflanzen, sagt Bingemer. „Und diese könnten dann die natürlichen Signale überdecken.“ Mit anderen Worten: Die Messungen würden ungenau. Allerdings sagt er auch, dass es sich bei dem Taunus-Observatorium nicht um ein Erdbeben-Warnsystem handele. „Es wird nur zu Forschungszwecken betrieben.“

Von „einmaligen Aufzeichnungsbedingungen“ auf dem Kleinen Feldberg spricht sein Kollege, Dr. Georg Rümpker, Professor für Seismologie. Es sei nicht so, dass die Uni nicht kompromissbereit sei, sagt er, sie habe auf Anfrage des Regierungspräsidiums auch schon einmal wegen eines geplanten Windparks eine seismologische Station verlegt, aber das Taunus-Observatorium sei nun einmal aufgrund seiner Abgelegenheit und Ungestörtheit ein ganz spezieller Fall.

Diese Argumentation kann Bürgermeister Hoffmann nicht überzeugen. Im Schwarzwald beispielsweise gebe es ebenfalls ein Seismologisches Observatorium, und dort habe das Umweltministerium einen nur drei Kilometer entfernten Windpark genehmigt. „Ich finde, dass man sich daran orientieren sollte“, meint der Rathauschef. Für ihn handele es sich bei den von den Wissenschaftlern befürchteten Schwingungen lediglich um Vermutungen: „Es gibt keine Belege, dass es so ist, und es ist nicht wissenschaftlich bewiesen.“

Zudem werde dort kein offizielles Erdbebenwarnsystem betrieben, sondern nur geforscht. „Wir aber haben auch Interessen, und wir handeln im Namen der Landesregierung“, meint Hoffmann und spielt damit auf das Ziel an, zwei Prozent der Landesfläche zur Nutzung der Windenergie zur Verfügung zu stellen. Jetzt müsse das Regierungspräsidium entscheiden, welche Interessen wichtiger seien. Von einer „Abwägung durch die Genehmigungsbehörde“ spricht dabei auch die N-A-WI.

Zuversichtlich ist übrigens Windpark-Investor Juwi. „Wir rechnen mit einer baldigen Genehmigung, denn sämtliche Aspekte sind aus unserer Sicht fachlich und juristisch aufbereitet worden“, sagt Pressesprecher Felix Wächter.

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